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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 07:02 Uhr

Hörnumer Häuser : Verwirrspiel um Häuservergabe im Inselsüden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Während die Bauarbeiten in vollem Gange sind, zieht sich das Vergabeverfahren an „junge Familien mit Kind“ unnötig in die Länge.

Reihenhäuser für junge Sylter Familien – das klingt nach einer guten Idee. In Hörnum sollen an der Rantumer Straße 17 Reihenhäuser entstehen – sechs zur Vermietung und elf zum Verkauf. Ein eigenes Häuschen im Inselsüden für 380  000 Euro plus 200 Euro Erbbauzins monatlich – eigentlich ein gutes Angebot auf einer Insel, auf der sonst deutlich höhere Beträge aufgerufen werden. Doch bei der Vergabe der Grundstücke ist offenbar Sand im Getriebe.

„Unter 23 Bewerbern wurden elf Bewerber ausgewählt,“ hieß es in der Gemeindevertretersitzung am 1. September. Damit wäre alles im Kasten gewesen, doch wenige Tage später hat die Gemeinde erst zwei Reihenhäuser und am 21. September nochmal drei Reihenhäuser erneut ausgeschrieben und Interessenten aufgefordert, sich schriftlich zu bewerben. „Bisher eingegangene Bewerbungen werden nicht berücksichtigt,“ hieß es in der letzten Ausschreibung. Im Klartext: Wer beim ersten Mal abgelehnt wurde und dennoch bei der zweiten und dritten Ausschreibung teilnehmen möchte, muss sich drei Mal bewerben.

„Das hätte ich mir anders gewünscht“, gibt auch Bürgermeister Rolf Speth (AWGH) zu, aber ich musste die Entscheidung der Gemeindevertretung akzeptieren.“ Eine Nachrückerliste hätte schneller und einfacher ans Ziel geführt.

Kompliziert sind auch die Vergabekriterien, nach denen die Kommunalpolitiker die Bewerber aussuchen. Allein das Kriterium „Junge Familie mit Kind“ reicht nicht aus, um als Käufer eines Reihenhauses zugelassen zu werden. An zweiter Stelle steht die Bedingung, dass die Bewerber nicht schon über Wohneigentum auf der Insel verfügen dürfen. Im Bewerbungsbogen wird auch abgefragt, wie viele Kinder im Haushalt leben, ob der Hauptwohnsitz bisher in Hörnum, auf Sylt oder auf dem Festland liegt und ob der oder die Bewerber einen Arbeitsplatz auf Sylt haben. Über die Vergabe der Reihenhäuser soll dann die Gemeindevertretung beschließen.

Doch das ist nicht mehr aktuell – in ihrer letzten Sitzung haben die Gemeindevertreter einen Arbeitskreis mit der Auswahl beauftragt. Ihm gehören die Mitglieder des Ältestenrates an – das sind neben dem Bürgermeister (AWGH) noch Ulrike Kramer-Lund und Michael Netz aus der AWGH-Fraktion sowie Ingo Dehn und Inken Kessenich-Neubauer von der CDU.

Gestern hieß es aus der Inselverwaltung, dass erst von fünf der elf ausgesuchten Bewerbern eine Kaufzusage vorliegt. Keineswegs alles „junge Familien mit Kind“ – auch Alleinstehende und Immobilieneigentümer sollen den Zuschlag bekommen haben. Fünf sind abgesprungen – teils, weil sie doch kein Interesse haben, teils, weil ihnen die Bank die Finanzierung verwehrt hat.

Denn die „jungen Familien mit Kind“, die die Gemeinde gern in der neuen Straße „An der Heide“ ansiedeln möchte, dürfen nicht klamm sein. Schon ein gemeinsames Jahreseinkommen von 200  000 Euro könnte knapp werden, wenn zwei, drei Kinder zu versorgen sind. Ohne Eigenkapital in Form von Sparvermögen oder einem Zuschuss von Angehörigen könnte der Darlehensantrag abgelehnt werden, zudem die
Banken und Sparkassen seit 1. April
in ihrem Handlungsspielraum weiter eingeschränkt wurden.

Doch während noch gar nicht klar ist, wer nächstes Jahr in die Häuser „An der Heide“ einzieht, haben die Bauarbeiten schon begonnen. Projektentwickler Bernd Diehle von der „Projektgesellschaft L24 GmbH“, die die 17 Häuser errichten lässt und später auch die zwölf Mietwohnungen (in jedem Haus zwei) vermieten wird, ist genervt von dem zähen Ablauf des Verfahrens. Die Gründungsarbeiten seien im Gang, der Lärmschutzwall fertig gestellt. In zwei Wochen würden die ersten Häuser aufgestellt, Mitte November wären alle Rohbauten fertig. Zeitversetzt könne dann mit dem Innenausbau begonnen werden. Diehle nannte als Einzugstermin bisher die Biike, mittlerweile hält er die Ostertage für realistischer. Der Kaufpreis sei aber nur zu halten, wenn die Baufirma Richardsen die Häuser „zügig nacheinander weg“ bauen kann.

Gestern tauchte ein neues Hindernis auf: Die CDU-Fraktion hat mitgeteilt, dass sie an der für Dienstag anberaumten Vergabesitzung „nicht teilnehmen und jede Beschlussfassung in dem Arbeitskreis anfechten wird.“ Nur ein Fachausschuss dürfe für die Gemeindevertretung Beschlüsse fassen. „Wir verlangen bei diesem wichtigen Projekt der Gemeinde Transparenz von A bis Z,“ erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Dehn.

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