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Sylter Rundschau

06. Dezember 2016 | 03:37 Uhr

Nord-Ostsee-Bahn zwischen Sylt und Hamburg : Verkehrschaos: Immer noch Verspätungen - so fährt die NOB am Wochenende

vom

Die Nord-Ostsee-Bahn stoppte am Freitag kurzfristig zahlreiche Züge zwischen Hamburg und Sylt.

Hamburg/Westerland | Auf der Zugstrecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland auf Sylt kommt es weiter zu Verspätungen. Nachdem am Freitag wegen technischer Probleme an einem Zug vorsorglich alle Züge der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) aus dem Verkehr genommen wurden, habe man jetzt Ersatzzüge anderer Unternehmen im Einsatz, sagte ein Sprecher am Samstag. „Trotzdem können alle Pendler die Insel mit dem Zug erreichen.“ Teilweise gelte auf der Strecke Schienenersatz- und Pendelverkehr. Die NOB wolle bis Montag alle 90 Waggons auf technische Mängel überprüft haben.

Die Ausfälle der NOB kommen für Pendler und Reisende zur Unzeit. Noch bis zum 20. November sollen wegen Bauarbeiten auch keine Fernzüge zwischen Hamburg und Deutschlands wohl bekanntester Urlaubsinsel fahren. Zwischen Lindholm und Bredstedt in Nordfriesland saniert die Deutsche Bahn Gleise.

Im Laufe des Freitags hatte die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) nach eigenen Angaben Ersatzzüge für die Strecke Hamburg-Sylt parat gestellt, die nach und nach in den Fahrplan integriert werden sollten. Vorher mussten Pendler und Reisende auf der Strecke am Freitag unter zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen leiden. Am Samstag und Sonntag sollten die im Sonderfahrplan aufgeführten Züge der NOB 6 zwischen Hamburg und Sylt wieder fahren. Auf der Linie NOB 62 wird es einen Schienenersatzverkehr mit Bussen geben.

„Es ist uns gelungen, kurzfristig Ersatzzüge bei anderen Unternehmen zu beschaffen“, sagt Martina Sandow, Geschäftsführerin der NOB. „Zunächst vier zusätzliche Züge werden im Laufe des Nachmittags in den Fahrplan integriert. Wir sind froh, dass wir zwischen Itzehoe und Westerland (Sylt) wieder fast alle Leistungen mit Zügen bedienen können.“

Sandow wies darauf hin, dass die Züge weiterhin mit weniger Sitzplätzen unterwegs seien: „Wir arbeiten jedoch weiterhin mit aller Kraft daran, weitere Ersatzfahrzeuge zu beschaffen und so schnell wie möglich wieder so viele Züge wie möglich auf die Schiene zu bringen.“

Seit Freitagmorgen um 8 Uhr kam es auf der Bahnstrecke zu starken Einschränkungen. Sowohl bei der Hin-, als auch bei der Rückfahrt pendelten die Züge des Betreibers Nord-Ostsee-Bahn (NOB) auf der Marschbahn vorübergehend nur noch zwischen Niebüll und Westerland, hieß es vom Unternehmen. Grund dafür sei eine technische Vorsichtsmaßnahme, die insgesamt 90 sogenannte Niederflur-Reisezugwagen betrifft und voraussichtlich mehrere Wochen dauern wird.

Seit Freitagnachmittag wurde die NOB 6 zwischen Itzehoe und Westerland (Sylt) wieder nach dem aktuell gültigem Sonderfahrplan bedient. Es fielen aber die Züge 81728 zwischen Niebüll und Westerland sowie 81826 zwischen Hamburg-Altona und Husum aus. Zwischen Itzehoe und Hamburg-Altona sollten die Züge bis zum Betriebsschluss am Freitag noch still stehen.

Das aktuelle Notkonzept der NOB:

Abschnitt Itzehoe - Westerland und zurück: Seit Freitagnachmittag weitgehende Bedienung der Strecke nach aktuell gültigen Baufahrplan mit lokbespannten Zügen und Dieseltriebwagen

Abschnitt Itzehoe-Hamburg: Hier können Fahrgäste die mit zusätzlichen Kapazitäten verstärkten Züge der Nordbahn nutzen.

Linie NOB 62: Zwischen Heide und Itzehoe besteht ein Busersatzverkehr bis einschließlich Sonntag.

Fahrgäste können sich auf der Homepage der NOB über ihre Zugverbindungen informieren.

Viele Reisende wurden durch die Beeinträchtungen auf der Strecke auf eine harte Geduldsprobe gestellt. „Am Bahnhof in Niebüll kamen mir bereits viele Leute entgegen und sagten, es hat keinen Zweck mehr“, sagte Achim Bonnichsen, der als Fliesenlegermeister täglich den Zug über den Hindenburgdamm nach Sylt nimmt. „600 bis 800 Menschen drängten sich auf dem Bahnsteig, es war katastrophal“, sagte der 49-Jährige, der auf Facebook eine Gruppe für Pendler organisiert. Kaum ein Zug sei unterwegs gewesen.

„An einem Fahrzeug ist die Kupplung gerissen, auch an anderen Fahrzeugen wurden Auffälligkeiten festgestellt“, hieß es vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.sh) mit Sitz in Kiel. Die Kupplungen verbinden die Marschbahn-Reisezugwagen untereinander. Es sei nicht auszuschließen, dass dieser Mangel auch an den Bauteilen weiterer Züge vorhanden ist, schrieb die NOB in einer Mitteilung. „Deshalb kann einem weiteren Einsatz der Fahrzeuge nicht ohne vorherige Prüfung zugestimmt werden.“ Sicherheit habe hier oberste Priorität. Die Mängel waren Donnerstag am späten Nachmittag bekannt geworden.

Zwar waren anders als zwischen Niebüll und Itzehoe zunächst noch einige NOB-Züge nach Sylt unterwegs. Doch viele kamen Bonnichsen zufolge gar nicht mit. „Vier Lumpensammler-Wagen für die ganzen Leute“, klagte er. Im Inneren hätten sich die Menschen gedrängt. Es sei das „absolute Chaos“ gewesen. „Wir waren überrascht, dass die NOB von heute auf morgen in eine Bewegungsstarre geraten ist.“ Doch nicht nur das: Die Informationen im Internet und an den Bahnhöfen seien spärlich gewesen. Wegen der hohen Mietpreise auf Sylt pendeln täglich zahlreiche Handwerker und Angestellte auf die Insel.

NOB greift auf Ersatzzüge zurück - auch von anderen Firmen

Täglich sind 18.000 Menschen auf der rund 240 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg und Westerland unterwegs. Während man normalereise direkt und ohne Umsteigen in rund drei Stunden von der Insel in die Großstadt fahren kann, muss man jetzt zwei Mal umsteigen.

Um die Strecke zwischen Westerland und Niebüll - trotz der zahlreichen zunächst ausrangierten Züge - mit eigenen Fahrzeugen befahren zu können, hatte die NOB „Dieseltriebwagen“ aus ihrem Fuhrpark geholt. „Diese Züge werden sonst eher auf kurzen Strecken und in der Nacht eingesetzt“, sagt ein NOB-Sprecher am Freitag. Vor allem für die zahlreichen Pendler sollte diese Verbindung gewährleistet sein.

Auf den restlichen Abschnitten bis in die Hansestadt fuhren ab dem frühen Freitagmorgen Züge anderer Unternehmen. Für Ersatz zwischen Niebüll und Itzehoe sorgte die Deutsche Bahn (DB) mit ihren Zügen: Sie fuhren hier mit Triebwagen, die sonst mit Autozugwagen als „Sylt Shuttle plus“ unterwegs sind. Eine kurzfristige Kooperation habe dies möglich gemacht, so der NOB-Sprecher. Darüber hinaus sollzen zwischen den beiden Orten auch Busse fahren.

Von Itzehoe bis Hamburg sorgten zunächst Züge der Nordbahn für Verstärkung. Auch mit diesem Unternehmen, einem Tochterunternehmen von BeNEX und AKN, hatte die Firma mit den außer Gefecht gesetzten Zügen, ein Abkommen geschlossen.

Das Land, Nah-SH und NOB arbeiten eigenen Angaben zufolge gemeinsam an einer Lösung. Die Überprüfung der Wagen dauert voraussichtlich mehrere Wochen. „Sobald die betroffenen Teile vollständig untersucht und von Experten für einsatzfähig erachtet beziehungsweise ausgetauscht worden sind, werden die Marschbahn-Reisezugwagen nach und nach wieder in den Regelbetrieb gehen“, erklärte NOB-Geschäftsführerin Martina Sandow.

Pendler Bonnichsen muss derweil täglich neu überlegen, wie er wieder auf die Insel und zurück kommt. Im Notfall könne man sich zwar mal mit Kollegen zusammentun und dann per Autozug auf die Insel fahren, sagte er. Doch für die nächste Arbeitswoche müsse eine neue Lösung her. „Es gibt ja Leute, die glauben, wir könnten mit dem Bus nach Sylt fahren. Doch das ist nicht so.“

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erstellt am 11.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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