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Sylter Rundschau

23. Oktober 2014 | 15:06 Uhr

Urlauber als Burgherren und Festungen aus Sand

vom

13. Folge unserer Serie Sylter Zeitgeschichte: Der Bau von Sandburgen war lange ein festes Insel-Ritual

SYLT | Wer glaubt, dass der Bauboom erst seit wenigen Jahrzehnten auf der Insel grassiert, der irrt: Schon vor über hundert Jahren wurde hier geschaufelt, was das Zeug hielt. Zumindest am Strand, wo der Burgenbau lange Zeit ein festes Ritual während der Sommerfrische war. Und dabei betätigten sich die Erwachsenen noch eifriger als die Kinder.

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"Diese endlose Reihe von Burgen mit ihren hochflatternden Wimpeln und Fähnchen, einem Heerlager gleichend, bietet ein entzückend farbenreiches Bild", notierte der "Sylter Bäderführer" Anno 1908 begeistert. Tatsächlich reihte sich am Strand seinerzeit eine Burg an die nächste, von den Besitzern eifersüchtig bewacht und mit rührender Hartnäckigkeit gegen die tückische Flut und ränkevolle Nachbarn verteidigt. Ja, sogar von handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Burgherren wurde berichtet.

Dabei hatte die Bäderverwaltung doch gemahnt: "Bei Besitzstreitigkeiten um Strandburgen kann keine rechtliche Instanz angerufen werden. So bleibt es den Badegästen überlassen, sich untereinander freundschaftlich zu verständigen. Wer eine Burg erbaut hat, errichtet nach altem Brauch sofort eine Fahne zum Zeichen, dass diese Burg sein eigen ist. Nicht selten kommt es zum Ende der Ferientage dann zu förmlichen Besitzübergaben."

Aus bloßem Sand, Muscheln, Steinen und Strandgut entstanden wahre Kunstwerke, eines prächtiger als das andere: Häuser, Schlösser und Pyramiden türmten sich am Strand auf. Jeder Sandwall wurde reich garniert und trug einen beziehungsreichen Namen. Hier flatterte ein Wimpel mit der Inschrift "Vorsicht! Bissige Junggesellen!", dort residierte der "Club der Harmlosen", und neben dem "Hotel zur beleidigten Leberwurst" fand sich ein "Zipfelchen vom Himmelreich".

Die Sylter Bäderverwaltungen förderten die Kreativität nach Kräften: Zahllose Sommerfrischler beteiligten sich an den Burgenbau-Wettbewerben, "die eine kaum vorstellbare Begeisterung entfesselten", wie die "Sylter Kurzeitung" Anno 1921 vermeldete. Die Wettbewerbe avancierten zu gesellschaftlichen Ereignissen von Rang, wurden die Preisträger doch im Rahmen großer Festbälle ausgezeichnet.

Bisweilen nahm der Burgenbau recht kuriose Formen an. Berühmt wurde 1904 eine sandige Festung am Westerländer Strand, die als "Internationales Heiratsbüro" firmierte. Ein Schild am Eingang der Burg stellte sofort klar: "Diskretion Nebensache". Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Strandburg war der Bierlaune einiger Gäste entsprungen - und soll tatsächlich mehrere Verlobungen und Hochzeiten gestiftet haben.

Heute sucht man prächtige Burgen an Sylts Stränden vergebens. Die Kurverwaltungen untersagen das sandige Vergnügen mit den Argumenten: Burgen beschleunigen den Strandverlust, stören die Bewegungsfreiheit am Strand und behindern Bergungseinsätze von Strandkörben bei Sturmfluten.

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von
erstellt am 25.Feb.2013 | 03:59 Uhr

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