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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

St. Severin gegen Severin’s : Unheiliger Streit um einen Namen - das sind eben Sylter Gepflogenheiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylt hat es mal wieder bundesweit in die Nachrichten geschafft. Schade, dass es dieser Streit sein musste, findet Michael Stitz.

Sylt, Deutschlands beliebteste Insel, schafft es immer wieder mit erstaunlichen Besonderheiten in die bundesweiten Schlagzeilen. Waren es früher Promis wie Gunter Sachs, die mit ihrem exaltierten Lebensstil den Insulanern und dem Rest des Landes zeigten, wie Party geht und Freiheit sich anfühlt, und damit Schlagzeilen produzierten, schaffen das heute schlechte Zugverbindungen, hohe Immobilienpreise und die arg strapazierten Klischees von den angeblich typischen Sylt-Liebhabern.

Schade, denn im Kern ist das schlanke Eiland ein verzaubernder Ort, gesegnet mit dem Geheimnis natürlicher Reize. Nachrichten, die das vergessen und stattdessen beklagenswerte Fehlentwicklungen anprangern, gelten als schädlich. In diese Kategorie darf sich auch die neueste Meldung von der Insel zählen. Denn an welchem Ort gab es bisher einen Streit zwischen Kirche und Hotel, in dem sich die Vertreter Gottes über einen Gasthof ereifern, weil er sich im Namen auf ihre Kirche bezieht?

In Lübeck zum Beispiel freut man sich über das Marien-Hotel im Schatten der Marienkirche. Wohl kein Gast wird hier auf die Idee kommen, dass es sich um eine „unbefugte Namensanmaßung“ handelt. So wird es wohl auch den Besuchern von Dom-Cafés und all den anderen Wirtshäusern gehen, die ihre Nähe zu einem Gotteshaus im Namen erkennen lassen. In Zeiten, in denen die Kirche eher an Zugkraft verliert, könnten solche Namensbezüge doch als Chance genutzt werden, auf sich aufmerksam zu machen. Auf Sylt sieht man das anders. Hier ist alles eine Marke! Und die hat einen Wert, den es zu schützen gilt. Wissen sollte man allerdings auch, dass sich hinter der Klage um das Namensrecht die grundsätzliche Ablehnung einiger Insulaner gegen den Hotelbau und seinen Investor verbergen könnte. Das Gericht hat diesen Aspekt wohl weder gekannt noch berücksichtigt, aber ein Urteil gefällt, das nun als „kurioser Namensstreit“ Schlagzeilen macht.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 19:39 Uhr

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