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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Vorwurf gegen Züchter : Überfordernde Tierliebe?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sylter Tierschutzverein wirft einem insularen Kleintierzüchter vor, seine Tiere in Käfigen verwahrlosen zu lassen.

„Es ist ein sensibles Thema und ich möchte hier auch wirklich niemanden verurteilen“, sagt Susanne Thesing vom Sylter Tierschutzverein, „aber irgendwas muss doch unternommen werden, um auf die Zustände aufmerksam zu machen.“ Thesing meldete sich bei unserer Zeitung auf einen Artikel über Rolf-Dieter Haupt, einen Sylter Kleintierzüchter und langjährigen Vorsitzenden des Sylter Kleintierzuchtvereins. Der Vorwurf der Tierschützerin: Entgegen der Aussagen, die Haupt gegenüber der Sylter Rundschau gemacht habe, lasse er seine Hasenkaninchen, Hühner und Enten, die auf einem Grundstück etwas außerhalb von Westerland leben, verwahrlosen. „Tierhortung“ oder auch „Tiersammelsucht“ sei der offizielle Begriff dafür.

Dem Sylter Tierschutzverein sei Haupts Anlage schon lange von zahlreichen Einsätzen bekannt, erzählt Thesing. Aufmerksam auf das Gelände wurden die Ehrenamtler vor drei Jahren: Im Herbst 2013, nachdem Sturm Christian gerade über die Insel gepeitscht war, ging eine Kollegin von Thesing mit ihrem Hund zufällig in der Nähe des Geländes vorbei und hörte merkwürdige Laute. „Der Sturm hatte die Käfige umgeworfen und sie hörte lautes Quieken“, erzählt Thesing. Sie habe sich ein Bild von der Situation gemacht und ihre Kollegen alarmiert. 100 Meerschweinchen, davon 20 tragende Tiere, hätten unter tierschutzwidrigen Bedingungen in den Käfigen gelebt. „20 bis 30 Tiere pro Käfig, Dreck, Schimmel und schutzlos dem Sturm ausgeliefert“, so Thesing. „Dann haben wir auch die anderen Tiere gesehen, die er dort züchtet. Die Hasenkaninchen, die in ihren dunklen und dreckigen Verschlägen sitzen, die Enten und Hühner, die eingesperrt sind. Die Kaninchen können noch nicht mal hopsen, die sitzen alleine, dabei sind es soziale Tiere.“

Nachdem ihnen der Ort bekannt war, wurden die Tierschützer aktiv: „Wir sind im November jede Nacht dorthin gegangen und haben die Tiere versorgt“, sagt Thesing. Nach vier Wochen sei das Sylter Ordnungsamt tätig geworden und die Tierschützer haben die Meerschweinchen vom dem Gelände geholt und aufs Festland gebracht. „Wie sich herausstellte, gehörten die vielen Meerschweinchen zwar nicht Haupt, sondern einer Frau aus dem Kleintierzuchtverein, aber er hat sie dort einfach geparkt“, sagt Thesing.

Rolf-Dieter Haupt weist die Anschuldigungen weit von sich. „Den Tieren geht es gut bei mir, ich sehe da bei mir überhaupt keine Schuld, nur weil da mal ein bisschen Wind war“, sagt er auf die Vorwürfe angesprochen. Er empfinde aber das Verhalten der Tierschützer als übergriffig: „Die kommen einfach auf das Gelände und gehen bei mir überall hin.“

Nach einem weiteren nächtlichen Einsatz, als viele Käfige nach einem erneutem Sturm umgefallen und die Tierschützer die Hasenkaninchen aus ihren Käfigen geholt haben, hätte Thesing die Polizei gerufen, „weil eindeutig Gefahr im Verzug war, weil schon tote Tiere darunter waren“, erzählt sie. Haupt sieht die Geschichte dagegen anders: „In meinen Augen haben die mir meine Tiere gestohlen“, sagt er.

Auch den Behörden ist Haupt bereits bekannt. „Den Vorwurf gibt es seit vielen Jahren“, sagt Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, „das Kreis-Veterinäramt ist eingeschaltet und hat diverse Begutachtungen durchgeführt. Die letzte Kontrolle war im Februar 2016 – und da war alles in Ordnung, also geht es den Tieren gut“, so der Bürgermeister.

Dass die Kontrollen durch das Veterinäramt positiv für den Kleintierzüchter ausfallen, kenne Susanne Thesing bereits. „Er bekommt natürlich vorher gesagt, dass die vorbeikommen und kann die Käfige sauber machen.“ Sie wäre Ende April zuletzt dort gewesen: „Alle Tiere waren eingesperrt, die Wassernetze voller Dreck, kein frisches Heu und kein Streu“, sagt Thesing, die trotz der Vorwürfe allerdings an die Tierliebe des Rentners glaubt. „Er liebt seine Tiere bestimmt“, sagt Thesing, „er ist aber einfach völlig überfordert. Wir haben ihm immer wieder Hilfe angeboten, wir würden die Tiere ja nehmen und für sie sorgen, damit sie nicht unter diesen Umständen leben müssen“, sagt Thesing, „diese Hilfe lehnt er aber ab.“

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 04.Mai.2016 | 06:32 Uhr

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