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Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 02:58 Uhr

Verkehr auf Sylt : Tinnum und der Ärger mit der Bahn

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vertreter von Bahn, RDC und DB Netz AG stellten sich den Fragen der erzürnten Bürger. Ortsbeirat votiert gegen Schließung des Übergangs Königskamp

Die Insel und der Bahnverkehr – eine unendliche Geschichte von Wunsch und Wirklichkeit, die wohl niemals in Einklang zu bringen sein werden. Am Montagabend bekam der Ärger ein Gesicht: Im Tinnumer Gemeindehaus saßen sich erzürnte Bürger und bemühte Bahnchefs gegenüber. Knapp zweieinhalb Stunden lang dauerte die Sitzung des Ortsbeirats und brachte zumindest ein Ergebnis: Die Eisenbahner wollen mit den Bürgern im Gespräch bleiben.

„Was ist hier eigentlich los, warum kommen wir nicht mehr über den Königskamp rüber, warum muss das so sein mit den Ausschreibungen, warum fahren hier Geisterzüge, warum ist es so laut im Rangierverkehr?“ – lauter Fragen, mit denen sich Ortsbeirats-Vorsitzender Manfred Uekermann in den vergangenen Wochen konfrontiert sah.

Für die Ortsbeiratssitzung hatte die Gemeinde hochkarätige Vertreter von Bahnunternehmen an den Tisch geholt: Alfred Onken vom DB Syltshuttle, der Hamburger DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis, Sönke Kreft von der DB Netze AG sowie die RDC-Geschäftsführer Karsten Nagel und Jens Arne Jensen sollten die vielen Fragen sachkundig beantworten. Zwei Dutzend Tinnumer Bürger nahmen das Gesprächsangebot an, dazu die Mitglieder des Ortsbeirats und Gemeindevertreter aus anderen Ortsteilen.

Der Bahnübergang am Tinnumer Königskamp soll eigentlich das Kampende mit der Keitumer Landstraße bei Aldi verbinden, doch tatsächlich stehen Fußgänger, Radler und Autofahrer dort häufig vor verschlossenen Schranken. Eine Situation, die sich verschärft hat, seit im Dezember der neue Fahrplan in Kraft trat. „Vorher fuhren die Züge an Wochentagen im Stundentakt und am Wochenende im Halbstundentakt“, berichtete Alfred Onken – „dann wurde das Angebot vergrößert und vollständig auf den Halbstundentakt umgestellt.“

Das sei auch der Grund dafür, dass „der Königskamp zu ist“. Dem Wunsch der Insel nach einer besseren Anbindung folgend, sei auch der Regionalverkehr ausgebaut worden. Doch die Zahl der „Trassen“ zwischen Niebüll und Westerland sei endlich – pro Stunde könnten acht Züge starten, vier in jede Richtung, erläuterte Onken. Grundsätzlich teilten sich Autozüge und Personenzüge diese Abfahrten, nur um 9.10 Uhr und 13.10 Uhr ab Westerland würden zwei Autozugtrassen von Personenzügen eingenommen.

RDC-Geschäftsführer Karsten Nagel gab den Kritikern Recht, dass die Abstimmung der Bahnunternehmen letztes Jahr „keinen optimalen Betriebsablauf ergeben“ habe. Doch mittlerweile hätten sich alle Anbieter auf ein Qualitätskonzept verständigt, berichtete der Bahn-Konkurrent. „Wir haben nun den Optimismus, dass unser Zug fährt und dass wir ein Konzept haben, das so schonend wie möglich für die Insel ist.“

Bürgermeister Nikolas Häckel stellte positiv heraus, dass der Unmut der Gemeinde mittlerweile Gehör gefunden habe und man nun in einem partnerschaftlichen Dialog mit beiden Autozug-Betreibern sei.

„Die ordnungsgemäße Abwicklung der Verkehre ist nicht gegeben“, beklagte dagegen Manfred Uekermann. Fahrgäste, Pendler und Touristen litten unter zahlreichen Verspätungen und häufigen Zugausfällen, die Anwohner unter dem Lärm. „Eigentlich sollte Wettbewerb doch etwas Positives bringen, doch hier ist der Wettbewerb nachteilig für die Bevölkerung.“

DB-Sylt-Shuttle-Chef Alfred Onken räumte ein, dass es vor Ostern Probleme mit den Loks der Autozüge gegeben habe, doch dieses Problem sei dank sieben neuer, leiserer Lokomotiven behoben. Bei acht Abfahrten pro Stunde und einer Taktzeit von sieben Minuten bliebe nur eine Toleranz von vier Minuten – sehr wenig für einen störungsfreien Ablauf. „Wenn dieses System ins Trudeln kommt, fängt man das nicht so leicht wieder auf.“ Ein IC, der mit einer Viertelstunde Verspätung aus dem Süden kommt und dann eine Autozugtrasse blockiere, bringe den gesamten Fahrplan durcheinander.

Mehrfach gescholten wurde Onken für die „Geisterzüge“ des „Sylt Shuttle Plus“, die für viel Rangierlärm und häufig geschlossene Schranken verantwortlich seien. Onken verwies darauf, dass für die Fahrgäste das Gleis 5 verlängert werden sollte, sich der Bau aber verzögert habe. Noch in diesem Jahr würden diese Triebwagen aber nennenswerte „Nahverkehrsleistung“ erbringen. Neue Probleme, Lärm und Abgas befürchtete Uekermann mit dem Betriebsstart von RDC. Bedenken, dass das „veraltete Material“ erst in einigen Jahren gegen neue Wagen ausgetauscht wird, mochte RDC-Chef Nagel nicht widersprechen.

Sönke Kreft von der DB Netze AG wies die Zuhörer auf ein Programm hin, mit dem der Bau von Lärmschutzwänden an Bahnstrecken jährlich mit 100 Millionen Euro vom Bund gefördert werde. Kreft warnte zudem vor einem zweigleisigen Ausbau der Strecke nach Niebüll, für den auch die Bahnhöfe in Niebüll und Westerland erheblich erweitert werden müssten – „die Züge müssen ja irgendwo bleiben.“

Eine klare Abfuhr erteilte der Ortsbeirat einer Anfrage der DB Netz AG auf eine „ersatzlose Aufhebung“ des Bahnübergangs Königskamp. Die dauerhafte Schließung sei keine Option, weil diese Verbindung täglich unter anderem von 5500 Fahrzeugen genutzt werde. Der Netzbetreiber soll nun Alternativvorschläge vorlegen.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 05:30 Uhr

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