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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 21:25 Uhr

Neuer Feuerwache Westerland : Sylts schicke Wache schockt mit Mängeln

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine aktuelle Mängelliste in der neuen Feuerwache sorgt für Ärger bei Feuerwehr und Politikern

Die im August 2014 für etwa acht Millionen Euro fertig gestellte neue Feuerwache in Westerland weist zahlreiche Probleme auf. Das offenbarte sich in der Sitzung des Feuerschutzausschusses am vergangenen Mittwoch im Morsumer Gerätehaus. Die Probleme sind vielfältig:

  •  Die modernen, wasserlosen Urinale riechen nach Angaben von Westerlands Wehrführer Jörg Elias „erbärmlich“.
  •  Der gesamte Sanitärbereich (Duschen und Toiletten)  am Sportraum der Wache kann nicht genutzt werden. Zwei  lange Eisenstangen, die aus dem Boden herausragen, stellen  eine Verletzungsgefahr für die Kameraden dar.
  •  Bei starkem Wind schließen die Außentüren der Herren- und Damenumkleidekabinen nicht richtig.
  •  Bei Ostwind  steht der Wind  direkt auf den Falttoren der Wache und lässt Kälte durch. Die Heizungsanlage ist so geschaltet, vorrangig die Halle zu wärmen. Bei dieser Witterung  fällt dann allerdings teilweise die Wärme in den Wohnungen weg.

„Ich finde es erschreckend, dass ein so teures Projekt, das erst vor zwei Jahren eingeweiht wurde, immer noch nicht fertig ist und solche Mängel aufweist“, sagte die Ausschussvorsitzende Maria Andresen (Bündnis 90/Die Grünen).

Ein Großteil der Mängel, die KLM-Architektin Sonja Beckmann-Visser in der Sitzung aufzählte, seien allerdings keine „richtigen Mängel“, versuchte Marcus Kopplin, Leiter des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) zu beschwichtigen.  „Wir haben hier ein hochkomplexes Gebäude, in dem enorm viel Technik steckt – da stehen  wir mit diesen wenigen Mängeln noch ganz gut da.“

Aber die Mängel waren nicht die einzige Hiobsbotschaft des Abends:  Wie der KLM-Leiter   berichtete, sei bei der Erstellung der vier Wohnungen in der Feuerwache  ein Ausführungsfehler gemacht worden. „In der Decke zwischen den unteren und den oberen Wohnungen sind keine Betonplatten eingebaut worden. Dadurch sind  vor allem die beiden unteren Wohnungen durch die oberen Wohnungen im Schall beeinträchtigt“, so Marcus Kopplin.   Wem in der Kette der zuständigen Firmen der Fehler unterlaufen ist, sei derzeit noch unklar. „Wir befinden uns jetzt  in einem Rechtsprozess, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird.“

Um die Problematik in den Griff zu bekommen, müsste in den oberen Wohnungen  der Estrich komplett herausgenommen werden – „ein enormer Aufwand, der mit   sehr hohen Kosten verbunden wäre“, berichtete Kopplin. Als einfache und vor allem preiswerte Lösung soll nun    in einer der unteren Wohnungen  eine Schallschutzdecke von unten eingebaut werden. „Ob das allerdings ausreicht, können wir nicht mit Sicherheit sagen und werden nach dem Einbau  mit einem Gutachter den Schall messen müssen.“ Wenn das gelänge, wären die Kosten deutlich niedriger, als bei der ersten Lösung, nach der die oberen Wohnungen erneut „komplett in Schutt und Asche“ gelegt werden müssten. 

Ein Problem auf der Liste, der Sanitärbereich des Sportraumes,  wollen die Westerländer Kameraden nun selbst in die Hand nehmen: Die auf insgesamt 75000 Euro geschätzte Maßnahme konnte aus dem Haushalt gestrichen werden – dafür wollen die Westerländer Feuerwehrleute   in dem nie fertig gestellten  Raum selbst tätig werden – vor allem, um Geld zu sparen. „Wir haben hier  Fachleute aus allen Bereichen“, sagte  Bürgervertreter Michael Putzlar (CDU). „Wir sollten das, wie viele andere Wehren auch,  in Eigenleistung machen.“ Ein Vorschlag,  dem sich der gesamte Ausschuss anschließen konnte und über den die Westerländer Wehr nun beraten will. Bei entsprechender Bereitschaft der Kameraden soll das Geld für das Material im Nachtragshaushalt bereitgestellt werden.

„Ich bin wirklich erschüttert“

Es ist mir unverständlich, wie  man die Schallisolierung unterm Estrich vergessen kann.  Das darf einfach nicht passieren und hätte  dem Kommunalen Liegenschaftsmanagement, das in den Bau voll involviert war, auffallen müssen. Die jetzt angestrebte Dämmung von unten halte ich zwar eher für unrealistisch, aber vielleicht klappt es ja. Das wäre allen zu wünschen.

Bernd Christensen, SWG, Bauausschussvorsitzender der Gemeinde Sylt

Es ist natürlich sehr unglücklich, dass  bei den Wohnungen  vergessen wurde, eine ganze Decke einzuziehen. Wichtig ist jetzt allerdings, dass sich  darum gekümmert wird und dass für Abhilfe gesorgt wird – und das wird es. Bei den im Ausschuss angesprochenen Mängeln gibt es gravierende und  und weniger gravierende. Dass da Fliesen locker sitzen oder dass Tore mal nachjustiert werden müssen, ist bei so einem Gebäude völlig normal. Wir wären aber natürlich froh, wenn  soweit Ruhe wäre, dass wir  mal nicht etwas monieren müssten.

Wolfgang Kloth, Gemeindewehrführer

Ich bin froh, dass die Mängel aufgelistet worden sind, allerdings bin ich  auch erschüttert über die Art und Menge der Mängel seit der Fertigstellung des Gebäudes. Man sollte sich  doch  auf  die Fachleute verlassen können, die es gebaut haben.

Die Feuerwehrleute kann ich nur bedauern. Sie sind in   ein neues und für uns sehr teures und wichtiges Gebäude eingezogen  und müssen seit der Fertigstellung mit zahlreichen  Problemen leben. Im Grunde kann ich nur den Kopf schütteln über die Art und Weise, wie das Gebäude erstellt worden ist.  Es hat für viele Mühen, viele Diskussionen und Streit in den letzten Jahren gesorgt.

Peter Schnittgard, Bürgervorsteher

 

Ich hatte im letzen Feuerschutzausschuss meinen Unmut über die vielen Mängel in der neuen Wache in Westerland kundgetan. Unter anderem ist nämlich bei einem Einfahrtstor die Steuerung kaputt und es geht nicht mehr auf. Seit vielen Wochen warten wir darauf, dass sich da jemand drum kümmert. Irgendwann war meine Geduld einfach am Ende.  Mittlerweile haben wir uns  mit dem Kommunalen Liegenschafts-Management an einen Tisch gesetzt und die Problemlösung ist angelaufen. Das ist auch der Grund, weshalb wir positiv  in die Zukunft blicken. Das Gespräch war sehr produktiv  und  wir haben einen Zeitplan aufgestellt, wann was alles abgearbeitet werden soll.

Jörg Elias, Wehrführer Westerland

 

So ein Gebäude wie die Feuerwache ist nichts Triviales. Da sind ganz viele Gewerke und Firmen involviert. Die Aufgabe der Bauleitung ist es, ob alles richtig eingebaut wird  – und hier ist ein Fehler passiert und die Betonplatten zur Schalldämmung wurden nicht eingebaut. Das ist menschliches Versagen.

Viele der anderen sogenannten Mängel sind allerdings keine Mängel, sondern sind einfach den Gegebenheiten vor Ort zuzuschreiben, wie dem Wind. Es sind keine Mängel, die wir den beauftragten Firmen ankreiden können. Denn die Außentüren der Damen- und Herrenumkleiden funktionieren einwandfrei. Nur eben bei  bestimmten Windverhältnissen kann es dazu führen, dass die Tür nicht richtig schließt.

Zu sagen, wie erschüttert man aufgrund der zahlreichen Mängel ist, ist Quatsch. Es steckt so viel hochkomplexe Technik in dieser Feuerwache, wenn wir da nur diese paar Mängel haben, dann haben wir da richtig gute Arbeit geleistet.

Marcus Kopplin, KLM-Leiter

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 25.Nov.2016 | 05:18 Uhr

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