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Sylter Rundschau

29. September 2016 | 08:43 Uhr

Toter Säugling : Sylter sammeln Geld für Beisetzung des kleinen Filip

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mordkommission ermittelt weiter im Fall des getöteten Säuglings. Mutter wünscht sich Beisetzung ihres Kindes in polnischer Heimat

Sylt | War es ein Unfall oder Kindstötung? Der Tod des kleinen Filip, der am Dienstag vergangener Woche in die Nordseeklinik eingeliefert wurde,  wirft viele Fragen auf. Die  Mordkommission der Bezirkskriminalinspektion Flensburg ermittelt wegen des Verdachts des Totschlags gegen den 46-jährigen Vater des Kindes.

Der Rettungsdienst war in eine Wohnung in der Westerländer Paulstraße gerufen worden. Über einen Bekannten hätten die Eltern aus Sorge um ihr Kind selbst den Rettungsdienst alarmiert, sagte Polizeisprecherin Franziska Jurga.  Trotz  sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen sei der vier Monate alte Junge jedoch in der Nordseeklinik verstorben. Aufgrund der ungeklärten Todesursache wurde von der Staatsanwaltschaft Flensburg eine Obduktion bei der Rechtsmedizin Kiel angeordnet. Dabei ergaben sich Hinweise auf Gewalteinwirkung. Nun ermittelt die Mordkommission. Sowohl die Mutter des kleinen Filip als auch der Vater seien polnische Staatsangehörige.

„Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagte Polizeisprecherin  Jurga. Wie genau der Junge ums Leben kam und was dem Vater im einzelnen vorgeworfen wird, wollte die Flensburgerin nicht sagen: „Dabei handelt es sich um Täterwissen, was wir nicht benennen.“ Der verdächtigte Vater, der auch in Westerland gemeldet ist, sei weiter auf freiem Fuß, Meldeauflagen wurden nicht angeordnet. „Die Haftgründe gegen ihn reichen nicht aus“, sagte die Sprecherin, ohne Details zu nennen. Der Mann sei bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Verdachtsmomente gegen die Mutter lägen nicht vor.

Der Leichnam des Säuglings wäre von der Staatsanwaltschaft Flensburg bereits freigegeben worden, erklärte die Polizeisprecherin gestern. Nach der Obduktion in der Rechtsmedizin der Kieler Universität sei er an ein Bestattungsinstitut übergeben worden.

Die Mutter soll eine Beisetzung ihres Kindes in der polnischen Heimat gewünscht haben. Auch will die 29-jährige  dem Vernehmen nach Sylt verlassen und in ihr Heimatland zurückkehren. Bereits seit dem Wochenende wird in der polnischen Bevölkerungsgruppe Geld für eine Überführung des kleinen Filip gesammelt. Dafür sollen etwa 2000 Euro erforderlich sein. Erste Sylter Spender haben sich bereit erklärt, diese Aktion zu unterstützen.

Doch die Überführung nach Polen könnte  auf juristische Schwierigkeiten stoßen. Aus dem Rathaus Westerland verlautete gestern, dass bisher keine Sterbeurkunde ausgestellt werden konnte, weil keine Geburtsurkunde vorliegt, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel gegenüber der Sylter Rundschau. Der Grund: Dem für die Geburt zuständigen Standesamt auf dem Festland liegt seit Mitte Mai keine Vaterschaftserklärung vor.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 18:14 Uhr

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