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Sylter Rundschau

28. März 2017 | 10:14 Uhr

Aktion gegen Plastik : Sylter Plastikgegner machen mobil

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Gruppe will dafür sorgen, dass Plastiktüten auf Sylt künftig passé sind. Gespräche mit Experten laufen.

Auf dem Weg ins Büro ein Coffee to go – mittags geschnittene Ananas oder Salat aus der Plastikschachtel. Und abends? Schnell noch in den Supermarkt – eingeschweißter Käse, mit Kunststoff umhüllte Gurken und eine Tüte Milch landen im Einkaufswagen. Plastik begegnet fast jedem Menschen täglich und ist, ohne einen großen Extraaufwand zu betreiben, im Alltag eher schwer zu vermeiden. Selbst für Menschen, die es bewusst versuchen, ist es nicht leicht, vollends auf den Stoff aus Makromolekülen zu verzichten.

Von 35 875 Tonnen Inselmüll stammten im vergangenen Jahr 1785 Tonnen aus den gelben Mülleimern. „Der Kunststoffanteil ist aber sicherlich höher“, sagt Volker Tybussek vom Abfallentsorger Remondis. Viele Kunststoffe würden auch im Hausmüll und dem Strandabfall landen und nachträglich nicht sortiert.

Den Plastikmüll auf der Insel versuchen einige zu reduzieren: Seit Oktober 2015 gibt es auf Sylt das „Projekt Heimatliebe Sylt – Plastikinsel nein danke!“, an dem sich neben der Gemeinde Sylt auch die Sylter Werkstätten und die Naturschutzgemeinschaft Sylt beteiligen. Sie arbeiten daran, auf Risiken der Plastiknutzung hinzuweisen – und aktiv dagegen anzugehen.

„Wir wünschen uns ein plastiktütenfreies Sylt – es geht darum, dass wir insgesamt umsichtiger mit Verpackungsmaterialien umgehen“, beschreibt Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft, die Ziele. Gemeinsam mit den anderen Unterstützern macht sie bei Müll-Sammelaktionen in verschiedenen Inselorten und an Stränden immer wieder auf sich aufmerksam.

Parallel dazu hat sich die Initiative mit einem Mehrwegsystem und einer „Alternative zur Plastiktüte“ beschäftigt, die vielfach verwendet und danach recycelt werden kann, „also auch mit umweltfreundlichen Farben bedruckt ist“, sagt Ludwig. Eine Biologin und Expertin aus Hamburg berät das Team. Bisher waren die Papiertüten aber noch nicht stabil genug.

Supermärkte auf der Insel haben bereits zugesagt, an Initiativen rund um Alternativen für Plastiktüten teilzunehmen und die neuen Beutel zu testen, sagt Ludwig. Im Reformhaus Schulz in Westerland sind Stoff- und Papierbeutel schon jetzt eher die Regel als die Ausnahme. Ganz auf Plastik verzichten kann man aber auch hier nicht. „Es ist schwer, schwer, schwer“, sagt Inhaberin Katrin Eicker und seufzt. Besonders bei Regen würden viele die weniger umweltfreundliche Variante wählen. Plastikbeutel gibt es für eine Spende an die Sylter Tafel. Viele Menschen erwarteten dass der Beutel umsonst dabei ist, wenn sie Brot, Obst, oder Butter einkaufen.

Plastiktüten werden häufig unüberlegt „mal eben schnell genutzt“, meist nur einmalig, bestätigt auch Bürgermeister Nikolas Häckel, der das „Heimatliebe“-Projekt seit seiner Gründung unterstützt. Plastiktüten sollten „aus der Komfortzone verschwinden, denn es gibt so viele gute Möglichkeiten – wie Körbe, Jutebeutel oder Papiertüten – auch wenn diese ein Mitdenken erfordern“, sagt er.

Die Aktion gegen Plastikmüll sei für Sylt von großer Bedeutung. „Eine Insel, die von ihrer Natur, ihrer Natürlichkeit lebt, sollte auf deren Schutz achten“, sagt Häckel. Es sei schon viel erreicht worden: An sehr vielen Kassen gäbe es Plastiktüten nicht mehr kostenfrei – viele Betriebe würden Papiertüten anbieten.

Von Gesetzen, die den Gebrauch von Plastiktüten verbieten, hält er nicht viel: „Wir sollten stattdessen weiterhin unser Bewusstsein und das unserer Gäste schärfen“, sagt er. Die kurzfristige Entscheidung – schnell eine Plastiktüte zu kaufen, statt einen Beutel bei sich zu haben – habe „fatale Folgen auf unsere Natur, die Meerestiere und auch auf unsere Nahrung“, sagt er.

Diese kennt David Fleet von der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Tönning ganz genau: Plastik im Meer würde zum Beispiel von Pottwalen und Seehunden gefressen, weil es ihrer Nahrung ähnelt. Müll, der flächendeckend auf dem Meeresgrund treibt, töte Lebewesen, weil Sauerstoff und Licht fehlen, erklärt der Experte. Zudem richten die Chemikalien im Material (wie Weichmacher) Schäden an, wenn diese sich lösen und ans Meer abgegeben werden.

Doch selbst wenn der Abfall ordnungsgemäß entsorgt wird, ist die Produktion und Nutzung von Kunststoff eine Ressourcenfrage, denn das Material wird aus Öl gewonnen. Doch die Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (www.meeresschutz.info) könnte die Nordsee bald entlasten. „Wenn diese Maßnahmen umgesetzt werden, wird man in ein bis zwei Jahren Ergebnisse sehen“, sagt Fleet.

„Heimatliebe Sylt“ gibt es seit Jahresbeginn auch bei Facebook.

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erstellt am 21.Mär.2017 | 03:50 Uhr

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