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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 21:37 Uhr

Polizei auf der Insel : Sylter Kriminalpolizei hat einen neuen Chef

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Christian Wiege ist seit 1. Juni der neue Leiter der Sylter Kriminalpolizei. An der Insel reizt ihn vor allem das breite Spektrum der Ermittlungen.

In sein Büro im Westerländer Polizeirevier hat Christian Wiege bereits seine persönliche Note gebracht: An den Wänden hat der neue Leiter der Sylter Kriminalpolizei viele gerahmte Fotos von Löwen, Krokodilen und anderen wilden Tieren aufgehängt. „Reisen ist eines meiner großen Hobbys, vor allem nach Afrika“, erzählt der 51-jährige Kriminalhauptkommissar, der am 1. Juni die Nachfolge von Ralf Stolle angetreten hat.

Sein Berufswunsch zeichnete sich früh ab: „Schon als Kind wollte ich unbedingt Polizist werden“, erinnert er sich lachend. Seinen Dienst in Niedersachsen begann der gebürtige Westfale nach dem Abitur 1985. Dort war er bis 2004 sowohl bei der Schutz- als auch der Kriminalpolizei tätig. Seinen zehnjährigen Dienst beim Kriminalermittlungsdienst in Hannover unterbrach er 1999 für einen einjährigen UN-Einsatz in Bosnien-Herzegowina. Damals hatte der Kosovo-Krieg gerade begonnen. „Wir hatten die Luftangriffe dort direkt vor der Nase“. Wiege war in einer kleinen Polizeistation an der bosnisch-kroatischen Grenze eingesetzt und sollte dem dortigen Polizeichef beratend zur Seite stehen. Und da es sich um ein UN-Einsatz handelte, war er dort nicht alleine: „Wir waren 15 Polizisten aus sehr vielen Nationen, unter anderem aus Ghana, Nigeria und Indien“, erzählt er, „da hat man schon gesehen, wie unterschiedlich Polizeiarbeit doch ist.“

Nach Schleswig-Holstein, genauer gesagt nach Flensburg, verschlug es den Vater einer 13-jährigen Tochter schließlich 2004. Den Länderwechsel unternahm er hauptsächlich aus Liebe zu seiner Frau. Er lernte die Dänin Mette auf einer Hochzeit in Dänemark kennen und nach vielen Jahren Fernbeziehung zog sie schließlich zu ihm nach Hannover. „Sie wollte aber gerne etwas näher an ihr Heimatland, und da war Flensburg natürlich perfekt“, sagt Christian Wiege .

Als er im vergangenen Jahr dann die Ausschreibung für die Stelle der Kripo-Leitung sah, bewarb er sich. Ein Jahr lang war die Stelle auf Sylt vakant. Er habe ausführlich mit seiner Familie drüber gesprochen und alle waren für die berufliche Veränderung. Wiege pendelt seitdem täglich von Flensburg nach Sylt. Da seine Tochter in Flensburg auf die Schule geht und seine Frau beruflich eingebunden ist, sei die Situation derzeit nicht zu ändern. „Ich kann nicht von heute auf morgen Haus und Hof verkaufen, das muss jetzt erstmal wachsen“.

Seine neue Arbeit gefällt ihm nach nun knapp zwei Monaten sehr gut: „Nach einem ersten Eindruck fällt mir bereits die enge und sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem Polizeirevier Sylt und der hiesigen Kriminalpolizeistelle positiv auf“, so Wiege. Der große Unterschied von Sylt zu anderen Orten sei, dass es hier nur ein Kommissariat gibt. „Das bedeutet eine ganz andere Struktur als beispielsweise in Flensburg“, erklärt er. „Insbesondere reizvoll ist für mich das breite Spektrum der kriminalpolizeilichen Sachbearbeitung, da man hier als ungegliederte Kriminalpolizeistelle die gesamte Bandbreite der Tätigkeiten abdeckt.“ Vor allem das habe ihn motiviert, sich auf den Job zu bewerben: „Hier mache ich im Grunde alles, vom Todesermittlungsverfahren bis zur Sachbeschädigung. Genau das macht den Arbeitsplatz auf der Insel so abwechslungsreich und reizvoll.“

Sylt sei auch für einen Kripobeamten ein besonderer Ort, glaubt er: „Ich bin natürlich noch neu auf der Insel und kann noch nicht alles überblicken. Aber die Insel ist, wie ich bisher gemerkt habe, schon ein ausgefallenes Fleckchen – und die Delikte dadurch auch.“

Neben dem Reisen hat Wiege noch ein anderes Hobby: „Ich laufe Marathon und verbinde das gerne mit Städtereisen“, erzählt er. Die letzten beiden Läufe führten ihn in diesem Jahr nach Rom und Barcelona, meist gemeinsam mit Freunden. „So zwei bis drei Läufe sollten es im Jahr sein“, sagt er. Auf Sylt habe schon die Strecke ums Rantumbecken getestet. „Allerdings bei Wind und Wetter und da hab ich mich schon gefragt, warum ich das überhaupt mache“, sagt er und lacht. Was für ihn noch zum Leben dazugehört? „Der Tatort ist für mich Pflichtprogramm“, sagt er grinsend. „Vor allem der Münsteraner Tatort mit Hauptkommissar Thiel, weil ich da aus der Nähe komme.“ Sehr realistisch sei das alles natürlich nicht, sagt er schmunzelnd, dennoch gehöre das zu seinem Sonntagabend dazu und „manchmal kann sogar ich mich damit identifizieren.“

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erstellt am 22.Jul.2016 | 04:30 Uhr

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