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Sylter Rundschau

11. Dezember 2016 | 05:22 Uhr

Letzter Nutzen vor dem Abriss : Sylter Feuerwehren üben Ernstfall in Abrisshäusern

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Löschkräfte trainierten in leer stehenden Häusern in Keitum und Kampen unter anderem wie ein Reetdach vor den Flammen geschützt werden kann.

Rauchsäulen steigen aus einem Reetdach in den dunklen Nachthimmel auf, während Menschen aus dem verqualmten Gebäude um Hilfe rufen: Was auf den ersten Blick wie ein Horror-Szenario wirkt, war in Wirklichkeit nur eine Feuerwehr-Übung. Die Sylter Einsatzkräfte hatten am Dienstagabend für den Ernstfall geprobt. In zwei leer stehenden Häusern in Kampen und Keitum, die demnächst abgerissen werden sollen, spielten die Löschkräfte reale Szenarien durch. Unter anderem mussten Hilfesuchende aus einem brennenden Gebäude gerettet werden und Reetdächer davor bewahrt werden, dass sich die Flammen weiter ausbreiten. Die Wehrführer zeigten sich gestern grundsätzlich zufrieden mit der Leistung ihrer Einsatzkräfte.

„Das war eine super Übung. Ich bin sehr glücklich über die Leistung meiner Leute“, sagte der Kampener Wehrführer Gregor Sahler. Jeder wüsste, wo es bei ihm „gehakt“ habe – das müsse er nicht extra betonen, erklärt der 50-Jährige. 12 Räume und gleich mehrere Zimmer und Außentüren hatte das große Haus in Kampen, in dem die 38 Löschkräfte der Kampener und Westerländer Wehren am Abend gemeinsam unterwegs waren. Nur die Wehrführer und Zuständigen wussten zuvor darüber Bescheid, dass eine Übung im Inselort stattfinden sollte.


Menschen mussten aus Haus befreit werden


Aufgabe war es unter anderem, vier vermisste Personen aus dem verrauchten Haus zu retten. Mit Atemschutzgeräten über dem Gesicht hatten die Helfer rund zwei bis zehn Minuten Zeit, um die Verletzten zu finden und zu bergen. „Alle wurden zeitnah entdeckt“, sagt Sahler.

Im zweiten Fall schlugen Flammen von Innen durch das Reetdach und drohten dieses zu zerstören. Mit Hilfe einer Schneise werde in solchen Fällen verhindert, dass das gesamte Dach in Flammen steht. Dafür müssen zwei Leitern mit einem Meter Abstand an das Dach gelehnt sowie der Zwischenraum mühsam von den sonst schützenden Halmen befreit werden. „Das ist sehr kräfte-und personalzehrend“, sagt der zuständige Wehrführer. Rund zwölf Leute würden gebraucht, um das Reet in kleinen Büscheln vom Dach zu ziehen und am Boden vom brennenden Haus wegzubringen.


Qualm wird bei Übung mit Speiseöl erzeugt


Anschließend werden die Dachsparren mit einer Motorsäge durchgesägt um eventuelle Glutnester zu entdecken. 20 Minuten dauere diese Prozedur. Echtes Feuer ist bei Aktionen dieser Art nicht im Spiel: „Wir benutzen Speiseöl, das in einer Nebelmaschine durch Wärme vernebelt wird“, sagt der Experte. Dieser künstlich erzeugt Qualm sei für den Menschen demnach „völlig ungiftig“.

In Keitum wurden gleich drei verschiedene Szenarien geübt. „Es ist wichtig, dass besonders die jungen Mitglieder lernen, wie das abläuft“, sagt der Keitumer Wehrführer Jörn Howold. Rund 35 Kräfte der Wehren aus Keitum, Tinnum und Wenningstedt waren zweieinhalb Stunden im Einsatz. Neben der Personenrettung und dem Schlagen von Reetdach-Schneisen wurde außerdem trainiert, wie verhindert wird, dass sich ein Brand im Schornstein auf das gesamte Haus ausweitet. Ein Schornsteinfeger zeigte den freiwilligen Helfern, wie sie die Werkzeuge zur Reinigung des Schachtes richtig benutzen. „Mit speziellen Fegeaufsätzen, Gewichten und Ketten werden Rußablagerungen entfernt, damit der Kamin nicht verstopft und die Flammen aufs Haus übergehen“, sagt Howold.

Beide Wehrführer betonten, wie wichtig diese Art der Übung an echten Häusern sei. „Wann hat man das schon mal, dass man ein Reetdach so zerfleddern und richtig Wasser geben kann“, freut sich Howold. Das sei nur bei einem Abbruchhaus möglich – hier könnten, ohne Rücksicht auf Verluste, Szenarien durchgespielt werden. „Sie sind eine optimale Übungsgrundlage für uns und eine super Sache“, sagt er. Meist würden die Löschkräfte eher kurzfristig und über „mehrere Ecken, zum Beispiel von Architekten, oder dem Postboten“ von den Abbruchhäusern erfahren.


Sylter Retter sind auf sich allein gestellt


Das berichtet auch Saher: „Wir erfahren häufig über Kollegen, wo demnächst ein Haus abgerissen wird“, sagt er. Diese Übungen unter realen Bedingungen seien „absolut essenziell“. Vier bis fünf Mal pro Jahr habe die Kampener Wehr Gelegenheit dazu, zum Beispiel Dächer zu öffnen und „ordentlich was kaputt zu machen“, erzählt Saher. In Kampen würden auch Zweithausbesitzer ihre intakten Häuser und Grundstücke zur Verfügung stellen – solange nichts zerstört wird. Dort werden dann Trockenabläufe trainiert und zum Beispiel das schnelle Ausrollen der Schläuche geprobt. Für Saher ist gerade die Zusammenarbeit aller Sylter Wehren sehr wichtig. Denn bei Stürmen oder Unwettern komme kein THW oder das Militär auf das Eiland, um zu helfen – „da sind wir dann alleine und auf uns gestellt“.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 04:15 Uhr

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