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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 00:15 Uhr

Serie: Sylt-Fotografen : Sylt pur und abstrakt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Harald Hentzschels Sylt Fotografien sind kunstvolle Alleingänge.

Er hat schon immer fotografiert. Jedenfalls kommt es Harald Hentzschel (65) so vor. Denn schon als Sylter Schüler faszinierten ihn die Möglichkeiten, mit der Kamera Momente einzufangen, Stimmungen, Ereignisse. Als Student in Hamburg nahm er seine Kamera mit zu den Rock-Konzerten, um seine musikalischen Heroes zu fotografieren. Intensiv und dokumentarisch wirkende Schwarzweiß-Aufnahmen entstanden so von Peter Gabriel, Keith Emerson und anderen Musik-Stars der 1970er Jahre. Bilder, die authentisch, direkt und rau sind. Das eine oder andere Foto wurde in Musikmagazinen abgedruckt, „aber irgendwann durfte man ohne Presse-Akkreditierung nicht mehr mit einer Kamera ein Konzert besuchen“, erzählt Hentzschel. „Und nach Beendigung des BWL-Studiums wartete das Hotel Stadt Hamburg auf mich, welches meine Mutter nach dem frühen Tod meines Vaters Hans Hentzschel allein führte. So ging es wieder in meine Heimat zurück nach Sylt“.

Ein Ortswechsel mit Folgen. Die ersten Jahre arbeitete Harald Hentzschel zusammen mit seiner Mutter, bis er im Jahre 1986 zusammen mit seiner Frau Moni die Leitung des noblen Hotels, das seine Eltern bereits in der zweiten Generation geführt hatten, übernahm. Viel Arbeit und wenig Zeit für die Fotografie. Doch der kunstinteressierte Hotelchef wollte nicht auf sein Hobby verzichten, fühlte sich nicht zuletzt durch seine Frau Moni bestärkt, Leidenschaft und Talent weiter zu nähren.

Es sind die frühen Morgenstunden, in denen Harald Hentzschel aufbricht. Wenn die Insel zwischen Schlaf und Erwachen langsam die Dunkelheit verliert, das Licht Wellen, Dünen und Strand in Szene setzt. Wind und Wasser bestimmen dann allein den Sound. Es sind diese wenigen Stunden eines jeden jungen Tages, in denen sich die Natur der Insel selbst gehört. Dem Fotografen erscheint sie dann unberührt. Unberührt in ihrer rauen Eleganz, allein mit ihren Reizen, ihren flüchtigen Momenten der Schönheit, die sich nur dem zeigt, der geduldig suchend schaut. Harald Hentzschel hat diesen Blick, seine Jagd nach Bildmomenten ist von Ruhe getragen, seine Zielsicherheit von Intuition und Professionalität. Trotzdem ist die Ausbeute oft spärlich, aber nie entmutigend, bleibt doch immer die Begegnung mit der Natur.

Über die Jahre ist dennoch ein umfangreicher Fundus an Bildern gewachsen, die den Motivreichtum der Insel widerspiegeln und die künstlerische Entwicklung Hentzschels hin zu einer ästhetischen Reduktion des Gesehenen. Ähnlich den Bildern von Siegward Sprotte werden die Naturerlebnisse auf abstrakt wirkende Details konzentriert. Manchmal sind es nur drei Gräser, die wie aus dem Nichts herauswachsen oder Buhnenreste, die schwarz aus einer schwimmenden weißen Landschaft aufragen, Fotografien, die man für Zeichnungen, Tuschbilder oder Grafiken halten kann. Konzentriert, reduziert, oft zart, manches Mal dramatisch.

In seiner aktuellen Fotografie verfolgt er diesen Ansatz noch radikaler, werden Gräser zu grafisch angeordneten Linien, Buhnendetails oder die wellige Oberfläche des Watts zu rätselhaften Strukturbildern. „Sylt abstrakt!“ betitelt Harald Hentzschel seine neue Ausstellung in der Galerie seines Hotels.

Sylt erkennt auf diesen Bildern nur, wer die Insel kennt, ihre natürliche Schönheit sieht - nicht ihren oberflächlichen Glanz. Jede Inszenierung ist diesen Arbeiten fremd, Lifestyle, Strandleben, Architektur, Mensch und Tier spielen nicht mit. Das die Insel umspülende Meer in seinen verschiedenen Zuständen, die Dünen als imposante Gebirgsmassive, der Himmel mit seinen Licht- und Wolken-Ereignissen reichen, um fesselnde Bildmomente mit der Kamera zu bannen. Dunst, Nebel und graues Wetter sind willkommene Mitspieler des Fotografen. Sein genauer Blick lässt selbst kleinste Details bildwürdig erscheinen: Die Struktur eines Sandstücks, den Schwung eines Grashalms.

Hentzschel ist kein Technikfreak, keiner, der sich leidenschaftlich über Belichtungszeiten oder Blenden, Kameras und Objektive unterhalten mag. Seine ausschließlich analoge Fotografie fordert aber große Sorgfalt bei der Entscheidung, welche Blende er wählt, auf welchem Film, mit welchem Objektiv er arbeitet. Er muss vor Ort entscheiden, welcher Bereich der Landschaftsaufnahme wie herauskommen soll, welche Abstufungen die Graubereiche ermöglichen, welche als Kontraste sich ergeben. Nur was auf dem Film ist, kann bei der späteren Belichtung im Labor akzentuiert werden. Es ist der gängigste Schwarz-Weiß-Film der Welt, den Hentzschel nutzt: der Kodak Tri-X. Ein Klassiker seit Jahrzehnten, mit dem er schon seine Fotos von den Stars der Rockmusik schoss. Für die Hamburger Galeristin und Foto-Expertin Flo Peters sind Hentzschels Sylt-Fotografien Kunst. Ihnen hat nicht nur sie eine Ausstellung in ihrer Galerie gewidmet, auch das für seine Foto-Ausstellungen landesweit bekannte und renommierte Schleswiger Stadt-Museum präsentierte die Arbeiten in einer großen Einzelausstellung. Auf Sylt sind die Bilder in der Lichtbilder-Galerie in dem Westerländer Hotel Stadt Hamburg als ständige Ausstellung zu sehen. Ab heute sind die Schwarz-Weiß-Fotografien „Sylt abstrakt!“ zu sehen.

 

www.sylt-lichtbilder.de




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erstellt am 29.Jul.2016 | 05:35 Uhr

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