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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 17:21 Uhr

Sandvorspülungen : Sylt ist für Winterstürme gerüstet

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Land investierte in diesem Jahr 7,5 Millionen Euro in die Sandvorspülung vor der Westküste der Insel.

Erfreuliches Fazit der Sandaufspülungen 2016: Sylt ist für die Winterstürme gerüstet. Am Dienstag begutachteten Vertreter von Land, Kreis und Gemeinden das Ergebnis der Aufspülungen, die schon seit 1972 den Bestand der Insel sicherstellen sollen. Mit dem Ergebnis waren die Fachleute sehr zufrieden: Sylt ist in einem „sehr guten Zustand.“ Siebeneinhalb Millionen Euro hat das Land allein in diesem Jahr in den Sand gesteckt.

Jedes Jahr zwischen Mitte April und Mitte Oktober treten die Schiffe in Betrieb, saugen sieben Kilometer vor der Insel das Sand-Wasser-Gemisch aus dem bis zu 30 Meter tiefen Meeresboden auf und spülen es dann mittels einer 1200 Meter langen Rohrleitung an den Strand. Eine Planierraupe walzt schließlich den Sand platt, so dass die Stürme im Herbst und Winter dem Inselkern nichts anhaben können.

Nach zwei Versuchssandaufspülungen in den Jahren 1972 und 1978 sind die sogenannten Hopperbagger seit 1983 regelmäßig vor Sylt im Einsatz, nur 1994 wurde eine Pause eingelegt. In den 35 Baujahren wurden rund 48 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült – für Gesamtkosten von 212 Millionen Euro.

Dabei geht es nicht darum, Syltern und Gästen einen schönen Badestrand zu sichern, stellt Dietmar Wienholdt klar. Ziel sei die Erhaltung der Inselsubstanz, sagt der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Umweltministerium und damit oberste Küstenschützer des Landes. „Strand entsteht dabei automatisch.“ Wienholdt geht sogar davon aus, dass der komplette Strand an der Sylter Westküste künstlich aufgeschüttet worden ist.

Eine Million Kubikmeter Sand wurden in diesem Jahr in den Bereichen List (Süd und Hauptstrand), Klappholttal, Kampen, Westerland (Mitte), Rantum und Hörnum (Nord und Hauptstrand) zwischen Ende April und Ende August auf die Strände gespült. Vor Westerland wurde zudem das Sandriff mit 350  000 Kubikmetern Sand verstärkt – ein 400 Meter vor dem Ufer gelegener Sandstreifen, wie er fast durchgängig vor der Sylter Westküste zu finden ist. Das Sandriff aufzuspülen ist billiger als die Strandaufspülung, weil der Transportweg kürzer ist. Doch ein verstärktes Sandriff vor der Küste kann die Strandvorspülung nicht ersetzen – die Sandreserve in den Vordünen ist als Puffer für extremere Sturmfluten unverzichtbar. Ein Puffer, der mittlerweile vier Millionen Kubikmeter Sand umfasst, erläutert Arfst Hinrichsen vom Landesbetrieb für Küstenschutz in Husum. Der Morphologe liefert die fachliche Grundlage für den Inselschutz – er legt fest, wo der Sand ausgebracht werden muss, damit der optimale Schutz der Küstenlinie gewährleistet ist. Für das operative Geschäft ist Projektleiter Ole Martens zuständig, für das Feintuning sorgt Bautechniker Wolfgang Siegfried.

An der Planung sind auch die Inselgemeinden und der Landschaftszweckverband Sylt beteiligt. Jeweils im Frühjahr, wenn die Winterstürme abgeklungen sind, fahren Fachleute und Insulaner den Strand ab und entscheiden endgültig über die Aufspülorte und Sandmengen. Ein Verfahren, das mittlerweile sehr einvernehmlich abläuft, lobten Dietmar Wienholdt und der Direktor des Landesbetriebes für den Küstenschutz, Dr. Johannes Oelerich, die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen vor Ort. Eine Herausforderung ist dabei auch die zeitliche Abstimmung, um dem sommerlichen Badevergnügen nicht in die Quere zu kommen.

Sandvorspülungen hätten sich als effektivste Schutzmaßnahme für die Sylter Westküste erwiesen, erläutert Abteilungsleiter Wienholdt. „Alternativen Konzepten stehen wir jedoch weiterhin offen gegenüber.“ Die müssten jedoch erst Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Naturverträglichkeit unter Beweis stellen.

Mit der Abnahme durch die Experten endete jetzt auch der auf vier Jahre erteilte Auftrag an das dänische Unternehmen Rohde Nielsen A/S aus Kopenhagen. Die Arbeiten am Strand erledigte die Firma Nahmen Christiansen aus Tinnum, für die elektronische Betriebsüberwachung war die Firma Hahlbrock Marine Technologie aus Hamburg zuständig. Rohde Nielsen hat mittlerweile 14 Jahre Erfahrung als Hauptunternehmer vor Sylt im Auftrag des Landes. Wienholdt lobte dessen „hervorragende Leistung“ und die „kompetenten Leute auf beiden Seiten.“

Einen Dank an die beteiligten Firmen und das Land richtete Manfred Uekermann als Vorsitzender des Sylter Landschaftszweckverbandes. Die kontinuierliche Vorsorge für den Küstenschutz sei lebenswichtig, um die Natur, aber auch die Wirtschaftskraft der Insel zu erhalten. Statt neidisch auf die Sandvorspülung im Nachbardorf zu schielen, habe man mittlerweile einen guten Weg gefunden, der von allen Beteiligten einvernehmlich mitgetragen wird.

Den Winter nutzt der Landesbetrieb nun dazu, den Auftrag für die Sandvorspülung wieder auszuschreiben, EU-weit und für vier Jahre. Die Dänen werden sich wohl wieder darum bewerben. „Der Preis muss stimmen, dann können wir wieder zusammenkommen“, signalisierte Wienholdt nach der Unterschrift unter die Abnahmeprotokolle.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 05:54 Uhr

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