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Sylter Rundschau

27. August 2016 | 04:54 Uhr

Herbststurm und Sturmflut : Sylt: Der Kampf um die Hörnum-Odde ist fast verloren

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dramatische Abbrüche: Nach der ersten Sturmflut der Saison am Wochenende sind an der Hörnumer Odde massive Landverluste zu verzeichnen.

Die Sturmsaison startete dieses Jahr in den frühen Morgenstunden des vergangenen Sonnabends - inklusive der ersten Sturmflut. An allen Pegeln der schleswig-holsteinischen Westküste lag das Hochwasser etwa zwei Meter über dem mittleren Hochwasser. Für den Inselsüden hatte dies dramatische Folgen: Die Südspitze litt massiv unter den Wassermassen. „An der Randdüne der Hörnum-Odde gab es auf 850 Metern Länge schwere Abbrüche“, weiß Hendrik Brunkhorst vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN). „Teilweise gingen dort bis zu 60 Meter verloren“. Lediglich an den Tetrapoden an der Hörnumer Westküste ging kein Land verloren.

Seit Jahren schlagen Naturschützer Alarm, weil sie das Ende der Odde befürchten. Vor allem die Verlagerung der Tetrapoden an die Westküste vor Hörnum Anfang 2014 erntete massive Kritik, weil starke Strudel, die sich am Ende der Tetrapoden bilden, den Sand der Düne immer weiter abtragen. Aus Sicht des Landesbetriebs steht der Schutz der Odde allerdings nicht im Fokus – dort geht es lediglich darum, die Hörnumer Ortslage zu schützen. Dass die Natur die Odde neu formen wird, wird dort als gegeben hingenommen.

„Der erste Herbststurm hat die Insel an der Südspitze erkennbar angegriffen“, sagt Dr. Johannes Oelerich, Direktor des LKN. „Die Verluste an der Hörnum-Odde sind groß. Die Ortslage ist dort aber nicht gefährdet. Der im vergangenen Jahr errichtete Wellenbrecher hat erneut gezeigt, dass die dahinter liegenden Dünen stabil bleiben.“

In diesem Jahr habe das LKN eine Millionen Kubikmeter Sand auf den Sylter Stränden aufgespült und zusätzlich 0,75 Millionen Kubikmeter im Vorstrandbereich, also einige hundert Meter vor der Küste, eingebracht. Beides sei ein guter Puffer für diesen ersten Herbststurm gewesen, so Oelerich. Verluste gab es dennoch: Bei einer Strandbereisung am Tag nach dem Sturm musste der Landesbetrieb im Norden der Insel im Bereich Klappholttal und im Süden an der Hörnumer Odde schwere Schäden registrieren, der Rest der Westküste blieb weitestgehend unbeschädigt.

Allerdings hat die Sturmsaison gerade erst begonnen: Schon für heute erwartet der Deutsche Wetterdienst erneut einen Sturm, teilweise mit Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern, der sich erst morgen Vormittag langsam abschwächen soll und eine erneute Herausforderung für die Odde darstellt.

Innerhalb weniger Monate hat sich die Lage an der Odde deutlich verschlechtert.
Innerhalb weniger Monate hat sich die Lage an der Odde deutlich verschlechtert.

Nicht nur das LKN, auch der Sylter Biologe Lothar Koch beobachtet die Odde seit knapp 30 Jahren. Damals verlief der Strand geschätzt hundert Meter weiter westlich und die Odde war einen guten Kilometer länger. „Wir brauchten zwei Stunden, um sie von Hörnum aus zu umrunden. Heute ist das ein Spaziergang von maximal einer knappen Stunde”, sagt Koch. Auf seinem Blog www.natuerlichsylt.net schreibt er regelmäßig über seine Beobachtungen an der Südspitze. „Mehr als zwei, drei Stürme gebe ich der äußersten Odde-Düne nicht mehr“, schreibt er dort.

Am Dienstag wird erneut stürmisches Wetter erwartet. Von 18 Uhr an werde sich Tief „Heini“ an der Westküste Schleswig-Holsteins mit Böen der Stärke 9 bemerkbar machen, sagte der Meteorologe Steffen Schröter vom Deutschen Wetterdienst am Montag in Hamburg.

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 17.Nov.2015 | 05:01 Uhr

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