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Sylter Rundschau

26. Mai 2016 | 18:26 Uhr

Jugendherbergen : Sylt: Auf der Suche nach Unterkünften

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Erholungsheime, Jugendherbergen oder leerstehende Kasernen - Sylt hat einiges davon. Fraglich ist, ob sie für Flüchtlinge geeignet sind.

Der Landkreis Pinneberg plant, in seinem Fünf-Städte-Heim in Hörnum, rund 300 Flüchtlinge unterzubringen. Diese Meldung sorgte in der vergangenen Woche für einige Aufregung auf der Insel. An diesem Wochenende meldete die Deutsche Presseagentur (dpa), dass das Deutsche Jugendherbergswerk anbiete, Flüchtlinge während der kalten Jahreszeit in Jugendherbergen unterzubringen. Die Sylter Rundschau hat nachgefragt, was dies konkret für Sylt bedeutet und welche Gebäude sonst noch in Frage kämen, um Flüchtlinge unterzubringen.

 


Sylts Jugendherbergen


Um es vorweg zu sagen: Dass Flüchtlinge in den drei Sylter Jugendherbergen untergebracht werden, scheint eher unwahrscheinlich. „Für Sylt gibt es momentan keine Überlegungen oder Gespräche“, sagte Helmut Reichmann, Geschäftsführer des Landesverbands Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH). Generell sei das DJH deutschlandweit bereit, bei der Unterbringung von Flüchtlingen mitzuhelfen. „Nach meiner individuellen Einschätzung stünde Sylt aufgrund der dezentralen Lage bei den Überlegungen aber eher in der zweiten Reihe“, so Reichmann. Über eine mögliche Unterbringung in anderen Jugendherbergen in Schleswig-Holstein würden dagegen Gespräche geführt. Allerdings betont Reichmann, dass die Einrichtungen für eine dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen nicht geeignet seien. Für kurzfristige Aufenthalte habe man schleswig-holsteinische Jugendherbergen ohnehin schon zur Verfügung gestellt: „Es gab in diesem Jahr hier in Schleswig-Holstein schon rund 5000 Übernachtungen von Flüchtlingen“.

 


Das ADS-Schullandheim


 

Anders als die drei Jugendherbergen auf der Insel wird das Schullandheim in Rantum vom Verein ADS Grenzfriedensbund mit Sitz in Flensburg betrieben. „Als Wohlfahrtsverein sehen wir es als unsere Aufgabe, bei der Unterbringung von Flüchtlingen unsere Unterstützung anzubieten“, sagt Maren Kruse, Leiterin des Rantumer Schullandheims. Deshalb habe ihre Geschäftsführung der Gemeinde Sylt angeboten, das Sylter Gebäude in der belegungsfreien Zeit, also ab Mitte November, für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. In der kommenden Woche werde dazu ein Gespräch mit Bürgermeister Nikolas Häckel geführt. „Wir haben bei uns ja alles“, so Kruse, „unter anderem 50 fertig eingerichtete Appartements mit Bad und eine vollständige Küche.“

Nikolas Häckel freut sich über dieses Angebot: „Wir werden sehen, inwieweit das in unser Konzept passt.“ Allerdings sei es für die Insel vor allem wichtig, langfristige Unterbringungsmöglichkeiten zu finden. „Zur Zeit sind wir ganz gut aufgestellt“, sagt Häckel. Er ist optimistisch, dass alle Flüchtlinge auf Sylt untergebracht werden können, bis das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) die Wohnungen aus seinem Bestand so weit renoviert habe, dass darin wieder Menschen leben können. Die Gemeinde hatte beschlossen, 31 abgängige Wohnungen aus dem eigenen Bestand wieder so weit herzurichten, dass darin Flüchtlinge leben können (wir berichteten). Gleichzeitig kümmert sich die Gemeinde weiterhin darum, auch im Hörnumer JAW-Heim eventuell Flüchtlinge unterzubringen.


Fünf-Städte-Heim, Puan Klent


Im Fünf-Städte-Heim in Hörnum, dem Schullandheim des Landkreises Pinneberg, sollen nach Wunsch der Pinneberger bis zu 300 Flüchtlinge untergebracht werden (wir berichteten). Dieser Tage sollen dazu Gespräche zwischen den zuständigen Landräten geführt werden. Auch die Stadt Hamburg hat mit Puan Klent ein Erholungsheim auf der Insel. Dass Hamburg dort Flüchtlinge unterbringt, hält Leiterin Martina Affeldt für unwahrscheinlich: „Das geht gar nicht. Anders als das ADS-Heim schließen wir im Winter nicht, sondern werden ganzjährig gebucht.“ Bisher sei auch noch niemand mit dieser Überlegung an sie heran getreten.

Das müsste Bürgermeister Häckel freuen. Denn auch wenn er im Pinneberger Fall ein gewisses Maß an Verständnis dafür hat, dass die Kommune einen Ort finden muss, um ihre Flüchtlinge unterzubringen, sieht er diese Entwicklung auch als Belastung für die Insel: „Eigentlich sehe ich schon die Kreise und Kommunen in der Pflicht, die ihnen zugeteilten Menschen vor Ort unterzubringen“, sagte Häckel gegenüber unserer Zeitung.


MVS-Gelände


 

Neben den Erholungsheimen oder Jugendherbergen finden sich auf Sylt bekanntermaßen auch andere, große Gebäude, die für die Unterbringung von Flüchtlingen in Frage kämen. Die Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Marineversorgunsschule (MVS) in List stehen seit Jahren leer und werden aufgrund der langwierigen Verhandlungen zwischen Gemeinde, Eigentümern, Land und Bund auch nicht so schnell anderweitig genutzt werden. „Die Idee, dort Flüchtlinge unterzubringen, hatten wir natürlich auch schon“, sagte Willi Fallot-Burghardt, Geschäftsführender Gesellschafter der NCS Grundbesitz GmbH & Co.KG auf Anfrage unserer Zeitung. Aber: „Es geht nicht. Wir haben keine Heizung, kein Strom, kein Gas auf dem Gelände - da müsste man wahnsinnig viel investieren, damit dort Menschen leben können.“ Zudem sei dies rechtlich nicht machbar: „Die Wohnnutzung ist dort momentan nicht erlaubt .“

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erstellt am 29.Sep.2015 | 05:19 Uhr

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