zur Navigation springen

E-Autos auf Sylt : Stroom ön Tank – Söl ön Harten!

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Für die Fortbewegung auf der Insel ist ein Elektroauto ideal. Auch die Söl’ring Foriining fährt künftig elektrisch – Sponsoren machen es möglich.

Fast lautlos rollt das weiße Gefährt rückwärts aus einer Einfahrt und verschwindet, ganz ohne dabei übelriechende Auspuffdämpfe in seine Umgebung zu blasen, hinter der nächsten Kurve. Die Mitarbeiter der Söl’ring Foriining können jetzt mit einem Elektroauto über die Insel fahren. „Stroom ön Tank – Söl ön Harten!“ steht in blauen Lettern auf der Rückseite des Kombis. „Strom im Tank, Sylt im Herzen“ ist die hochdeutsche Variante des Slogans, mit dem die EVS (Energieversorgung Sylt) für umweltfreundliche Fortbewegung wirbt. Diese haben – gemeinsam mit dem Sylter Autohaus Georg Nielsen – das gebrauchte Gefährt zur Hälfte finanziert. Die restlichen 5000 Euro übernahm der Heimatverein selbst. Auch andere Unternehmen auf der Insel fahren mit E-Mobilen und die Nachfrage von Gästen und Syltern nach E-Autos ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

„Wir wollten seit Jahren ein E-Mobil, konnten es aber nicht bezahlen“, sagt Sven Lappoehn, Geschäftsführer des Heimatvereins mit Sitz in Keitum. Als der alte Wagen jetzt kaputt war, sei das eine gute Gelegenheit gewesen, ein umweltfreundliches Auto anzuschaffen. Das Sponsoring sei hier wie gerufen gekommen. „Wir sind der Sylter Heimat- und Naturschutzverein – da passt es super, mit einem Elektroauto umherzufahren“, freut sich Lappoehn.

Mit dem neuen Auto – in dem unter anderen Museumsleiter, Geschäftsführer, Hausmeister oder Gäste unterwegs sind – habe er sich eine umsichtigere Fahrweise angewöhnt. Denn wer flüssiger fährt und auf starkes Beschleunigen verzichtet, spart Strom und kann somit länger fahren, bevor das Auto wieder an die Steckdose muss. Rund 120 Kilometer schafft das Gefährt der Söl’ring Foriining mit einer Ladung im Sommer. „Ein E-Auto bietet sich bei der Größe der Insel hier einfach an “, sagt Lappoehn.

Das bestätigt auch die EVS, die Menschen auf der Insel finanziell unterstützt, wenn sie sich ein Auto anschaffen, das mit CO2-neutral erzeugtem Strom fährt. „Die Insel bietet aufgrund der geographischen Gegebenheiten ideale Rahmenbedingungen für E-Mobilität. Umwelt- und Naturschutz haben dazu einen hohen Stellenwert auf der Insel“, sagt Jan Eichhof von der EVS. So würde ein Autokäufer 1500 Euro plus 150 Euro Gutschrift für den Jahresverbrauch bekommen, die unabhängig von den Fördermitteln des Bundes flössen.

Acht Menschen hätten diese Möglichkeit im vergangenen Jahr genutzt. „Die Nachfrage und der Beratungsbedarf steigen stetig“, sagt Eichhof. Doch auch wenn auf Sylt seit vergangenem Oktober der erste E-Bus Schleswig-Holsteins rollt, einige Firmen die nachhaltigen Gefährte nutzen und auch der Müllentsorgungsbetrieb Remondis seit fast zehn Jahren mit einem umweltfreundlichen Müllabfuhr-Fahrzeug auf Sylt unterwegs ist: Von einem Positiv-Trend möchte das Unternehmen nicht sprechen, „zarte Pflänzchen sind aber schon sichtbar“.

Das zeigt auch die Zahl der zugelassenen E-Autos: Auf Sylter Privatleute waren im Februar 48 reine Elektrofahrzeuge (ohne Hybrid-Fahrzeuge) zugelassen, teilte Hans-Martin Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland, mit. Noch vor einem Jahr waren auf Sylt nur 30 Elektroautos registriert – bei insgesamt 11  052 zugelassenen Sylter Autos. Hinzu kommen die Wagen der Autovermieter, die häufig auf dem Festland gemeldet sind. Einige Vermieter melden die Fahrzeuge im Winter auch ab und erst im Frühling wieder an. Unter ihnen auch Öger Akgün, Geschäftsführer von Syltcar in Westerland. Grund dafür seien unter anderem die kurzen Reichweiten der Fahrzeuge in der kälteren Jahreszeit. Im April sollen zehn E-Mobile seine Vermietungs-Flotte ergänzen sowie fünf Firmenfahrzeuge hinzukommen.

An fünf Ladesäulen auf der Insel können Sylter und Gäste ihre Stromer laden. In Wenningstedt soll demnächst eine weitere Ladesäule in Betrieb genommen werden; am Bahnhof in Westerland wird die Säule nach den Bauarbeiten am Bahnhofsparkplatz wieder ans Netz gehen, heißt es von der EVS.

„Die Ladesäulen werden immer intensiver genutzt“, sagt Eichhof. Auch ein deutlich gestiegenes Interesse nach privaten Ladestationen sei spürbar. „Gezielt erkundigen sich immer mehr Urlauber nach Lademöglichkeiten, und Hoteliers erkennen den Vorteil, ihren Gästen eine eigene Lademöglichkeit zu bieten.“ In Zukunft will die EVS die Infrastruktur für E-Mobilität auf der Insel weiter ausbauen und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Für die Gemeinde Sylt, die beim Thema Elektromobilität mit dem Energieversorger zusammenarbeitet, ist das Thema Klimaschutz derzeit in den Hintergrund gerutscht. Der Sylter Klimaschutzmanager Günter Thomas hatte im vergangenen Sommer seinen Job an den Nagel gehängt, einen Nachfolger gibt es bisher nicht. „Wir arbeiten gerade auf, was seitdem liegengeblieben ist“, sagt Ruth Weirup vom Landschaftszweckverband (LZV), der auf der Insel die Federführung beim Thema E-Mobilität hat. Das Thema stünde aber weiterhin auf der Agenda. Demnächst will sich der LZV auch dem Ausbau von Parkplätzen an den Ladestationen sowie der Ladesäulen-Infrastruktur widmen.

Gerade bei der Anzahl und Aufstellung der Ladesäulen sieht Verkaufsleiter Uwe Schambortski vom Autohaus Georg Nielsen im Westerländer Industrieweg noch Verbesserungsbedarf. „Die Ladestationen zum Beispiel an den Parkplätzen am Morsumer und Keitumer Bahnhof müssen verstärkt werden“, sagt er. Dann hätten auch Pendler, zum Beispiel Handwerker, die Möglichkeit, ihre Autos dort in der Nacht an die Steckdose zu hängen und am nächsten Tag gleich losfahren zu können. „Gerade die Gewerbetreibenden warten darauf, dass es losgeht“, sagt der Fachmann.

Bereits seit 1996 verkauft das Unternehmen E-Autos auf der Insel. Mit wachsendem Erfolg. „Es läuft gut bei uns – seit der Staat den Kauf bezuschusst, noch besser“, sagt Schambortski. Durchschnittlich werde pro Monat ein Elektroauto verkauft. Ziehe man die Förderung durch Staat, EVS und Autohaus ab, sei ein Renault Zoe für rund 16  900 Euro zu haben. „Nischenprodukte“ seien Elektroautos aber trotzdem noch immer. „Viele wollen, wenn sie auf dem Festland sind, mit einem schnellen Auto mal richtig Gas geben“, benennt der Experte einen möglichen Grund dafür.

Trotzdem könnten in fünf Jahren nach Schambortskis Einschätzung 30 Prozent aller Autos auf Sylt elektrisch betrieben sein. Auch Gratisstrom an den Ladesäulen könnte die Menschen dazu animieren, sich einen Elektrowagen anzuschaffen „Das ist nur eine Frage der Zeit, es muss sich in den Köpfen festsetzen“, sagt er. Die Umwelt sollte es uns wert sein.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Mär.2017 | 05:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen