zur Navigation springen

Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 11:39 Uhr

Asylbewerber auf Sylt : Streit um Sprachkurse

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Deutsch zu lernen, ist ein wichtiger Schritt zur Integration. Auf Sylt streiten sich Gemeinde und ein Verein, wo Asylbewerber unterrichtet werden dürfen.

Während sich in anderen Gemeinden darüber der Kopf zerbrochen wird, wie die steigende Anzahl der Asylbewerber adäquat versorgt werden kann, ist in der Gemeinde Sylt ein sonderbarer Kompetenzstreit ausgebrochen: Wer darf den Flüchtlingen Deutsch beibringen?

Die Zahl der Asylbewerber steigt auch auf Sylt beständig an: „Zur Zeit sind bereits über achtzig bei uns – und keiner weiß genau, wie viele noch kommen werden“, sagt Bürgermeisterin Petra Reiber. „Bis zum Jahresende rechnen wir mit etwa einhundert Personen, die auf der Insel untergebracht und betreut werden müssen.“ Deshalb sei es sehr wichtig, dass „im Sinne der in Nordfriesland gelebten Willkommenskultur“ alle beteiligten Institutionen, von der Verwaltung bis hin zu Vereinen und Selbsthilfegruppen, gut vorbereitet sind und zielgerichtet zusammen arbeiten.

„Die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer ist ein ganz wichtiger Bestandteil“, erläutert Reiber. Umso mehr ärgert sich die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt über Auseinandersetzungen um die Durchführung von Sprachkursen für Asylbewerber, die von der Volkshochschule Sylt, aber auch von der Integrationshilfe Sylt angeboten werden. Es stehen Vorwürfe im Raum, der Verein mache der VHS unnötige Konkurrenz, habe massiv Teilnehmer und auch zwei Lehrkräfte abgeworben, biete den Asylbewerbern sogar einen kostenfreien Fahrservice zum Unterricht. Deshalb habe die VHS ein nach den Herbstferien geplantes, aus Landes- und EU-Mitteln gefördertes Starter-Projekt für Flüchtlinge absagen müssen, das den Gemeindehaushalt nicht belastet hätte.

Der Streit rief Petra Reiber auf den Plan, denn in ihrer Eigenschaft als Schulverbandsvorsitzende hatte sie der Integrationshilfe selbst zwei Unterrichtsräume im Schulzentrum unentgeltlich zur Verfügung gestellt. „Der Verein leistet unzweifelhaft wichtige Arbeit. Aber es geht nicht an, dass hier quasi ein Wettbewerb auf falschen Schultern ausgetragen wird.“ Deshalb forderte sie den Integrationshilfe-Verein Anfang November schriftlich auf, mit der VHS zu kooperieren und die Sprachkursangebote zu koordinieren. Für den Fall, dass dies nicht gelänge, habe sie vorsorglich auf eine Kündigung der Raumnutzung hingewiesen, so Reiber. „Als Antwort kam gleich ein Schreiben des Vereinsanwalts. Und der Vorstand verschickte noch ein Rundschreiben gegen mich an alle Schulverbandsmitglieder.“

Vergangenen Montagabend erreichten die Auseinandersetzungen auch den Sozial- und Gesundheitsausschuss der Gemeinde. Auf der Tagesordnung standen sowohl ein Antrag, weiterhin nur die VHS und keine anderen Anbieter mit jährlich 12 000 Euro für Asylbewerber-Sprachkurse zu unterstützen, als auch die Vorstellung zweier Konzepte des Vereins Integrationshilfe für die Asylbewerberbetreuung inklusive Sprachunterricht. Diese wurden jedoch auf Antrag von Ausschussmitglied Matthias Demuth (SPD), der auch Vorstandsmitglied des Vereins Integrationshilfe ist, wieder von der Tagesordnung. „Erst muss der Streit um die Kurse geklärt werden“, sagte Demuth auf Nachfrage der Sylter Rundschau. Die Vorwürfe wären komplett unbegründet, von Abwerbung könne keine Rede sein, das seien alles freie Entscheidungen von Asylbewerbern und Lehrkräften. Auch einen „Fahrdienst“ gebe es nicht: Vereinzelt hätten ehrenamtliche Paten die Teilnehmer mitgenommen, ansonsten kämen alle mit dem Bus oder dem Fahrrad.

Nachdem der Ausschuss mit Mehrheit beschlossen hat, ausschließlich die Volkshochschule finanziell zu unterstützen, hofft Demuth jetzt auf den „entscheidenden Schlichtungstermin“ am 1. Dezember, zu dem Petra Reiber alle Sylter Beteiligten sowie den Migrationssozialberater des Kreises Nordfriesland und den zuständigen Projektleiter des AWO-Landesverbandes eingeladen hat. Zwar wünscht sich Demuth wie auch die Bürgermeisterin, dadurch würde alles „wieder in ruhigere Bahnen“ kommen, angesichts der von der Integrationshilfe favorisierten Lösungsvariante, dass künftig der Verein komplett den Bereich Unterricht für Asylbewerber übernimmt und die VHS Sprachkurse für selbstzahlende Migranten durchführt, liegen die Erwartungen weit auseinander und ist neuer Streit vorprogrammiert.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert