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Sylter Rundschau

29. Juli 2016 | 12:09 Uhr

Sylt Bibliothek : Streit um Bücherei-Gebühren

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Finanzausschuss spricht sich gegen eine Erhöhung der Leihgebühren aus. Kämmerer und einige Gemeindevertreter äußern Unverständnis.

Der Finanzausschuss ist im Regelfall unter anderem dafür zuständig, darauf zu achten, dass Geld in die Gemeindekasse fließt. Die Mitglieder des Ausschusses auf Sylt sahen das, zumindest in einem Punkt, am vergangenen Mittwoch anders: Sie sprachen sich einstimmig dafür aus, die Gebühren für die Nutzung der Sylt Bibliothek nicht zu erhöhen. Damit entschieden sie gegen eine Empfehlung des Kulturausschusses, der unter anderem vorsieht, dass die Mitgliedschaft für Erwachsene ab dem 1. Juni 25 statt 18 Euro kosten soll. Der Entscheidung war eine längere inhaltliche Debatte vorausgegangen.

„Dieses Ergebnis hat mich wirklich sehr überrascht“, sagt Hauptamtsleiterin Monika Kuhn. „Ich glaube, das war aus der Hüfte geschossen“. Die neuen Preise seien nicht unverhältnismäßig: „Natürlich wollen wir keinen Preiswucher haben, aber wir müssen mit den Gebühren auch im normalen landesweiten Rahmen sein.“ Die Mitglieder wollen sich jetzt noch einmal intern besprechen.

Das entgegen der Empfehlung eines Fachausschusses gehandelt werde, komme eher selten vor, sagt Kämmerer Harro Johannsen. „Ich war verwundert, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet – das kam sehr unerwartet.“


Zwei Euro pro Monat ist nicht viel


Das gilt auch für den Leiter der Bibliothek Jan-Christian Sangkuhl: „Der Fachausschuss hat sich hier klar positioniert, ich hoffe, dass dem ursprünglichen Vorschlag Rechnung getragen wird.“ Es gäbe gute Gründe, aus denen er sich für eine Erhöhung der Beiträge ausgesprochen habe, die seit zehn Jahren nicht angehoben wurden. Zudem lägen die Zahlungen auf der Insel deutlich unter dem Landesvergleich. „Ein Erwachsener zahlt nach der Erhöhung rund zwei Euro pro Monat“, so Sangkuhl. Für eine Clubmitgliedschaft sei das „extrem wenig“. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können sogar kostenlos Bücher, Zeitschriften und CDs leihen. Als Service komme außerdem für alle Kunden die Online-Ausleihe hinzu.

„Die Erhöhung ist moderat“, sagt Christian Thiessen (Fraktion Insulaner-Piraten). Er hätte erwartet, dass bei diesem „Bildungsthema“ anders entschieden würde. Thiessen sprach sich außerdem dagegen aus, dass Büchereibesucher gegen Bezahlung im Netz surfen könne. Aus eigener Tasche will der Gemeindevertreter jetzt eine sogenannte Freifunk WLAN-Verbindung einrichten. „Die Außenrouter sind schon bestellt“, sagt er.

Gegen sein tatkräftiges Engagement regten sich allerdings auch Gegenstimmen: „Die Leute werden bis auf die Straße anstehen, nur weil sie das kostenlose Internet in der Bücherei nutzen wollen“, prophezeit Jörg Sonntag (SSW). Er kenne Leute, die nur in die Bücherei „rennen“, um dort zu surfen. Beiträge dieser Art bildeten jedoch die Ausnahme und Thiessens Vorschlag wurde vom Finanzausschuss dankend angenommen. Die endgültige Entscheidung soll dann auf der Sitzung der Gemeindevertretung gefällt werden. Auf dem nächsten Treffen Mitte März wird die Gebührenerhöhung in der Bücherei aber nicht auf der Tagesordnung stehen.


Regale auf Rollen sorgen für mehr Platz


Während die Gemeindevertreter im Rathaus ihre hitzigen Debatten führen, wird gegenüber in der Bibliothek eher körperlich gearbeitet. Die Sylt Bibliothek wird von Innen komplett modernisiert. Seit Mitte Februar laufen die Arbeiten auf Hochtouren: Tapeten werden von den Wänden gerissen, Teppiche abgezogen und die Elektronik entfernt. „Hier läuft alles sehr, sehr gut bisher“, sagt Sangkuhl zufrieden. Als nächstes sollen die Lampen installiert und die Decken und Wände gestrichen werden.

Ziel der Modernisierung ist es vor allem, dass die Bibliothek zu einem Ort wird, an dem sich Insulaner und Gäste gern treffen, und gerne zum Lesen bleiben, hofft der Leiter. Vor allem der Kinder- und Jugendbuchbereich soll verändert werden. Außerdem werden neue Bücherregale auf Rollen installiert: Diese können flexibel verschoben werden – so finden bei Veranstaltung der Bibliothek viele Menschen Platz.

Rund eine Viertelmillion Euro sollen die neuen Möbel, die Elektroinstallation, die Beleuchtungstechnik, der neue Brandschutz, der frische Fußboden und die Malerarbeiten kosten. Das Geld wird zum größten Teil aus Rücklagen des Henner Krogh-Nachlasses finanziert. Außerdem gibt es einen Zuschuss in Höhe von 10  000 Euro aus einem Programm des Bundesumweltministeriums für die moderne LED-Beleuchtung. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Mitte Mai dauern. Bis dahin bleibt die Sylt Bibliothek geschlossen.

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erstellt am 05.Mär.2016 | 06:28 Uhr

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