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Sylter Rundschau

10. Dezember 2016 | 21:43 Uhr

Namensstreit in Keitum auf Sylt : St.-Severin-Kirche gewinnt gegen Luxushotel: „Wir sind dankbar“

vom

Die Kirchengemeinde St. Severin störte sich am Hotelnamen „Severin*s Resort und Spa“. Sie bekam Recht.

Sylt | Schwere Schlappe für ein Sylter Luxushotel: Das „Severin’s Resort & Spa“ darf seinen Namen nicht mehr nutzen. Geklagt hatte die Keitumer Kirchengemeinde St. Severin – sie hat jetzt vor dem Schleswiger Oberlandesgericht Recht bekommen. Die Richter befanden, das Hotel könnte als Partner der Kirche verstanden werden und sich so einen geschäftlichen Vorteil verschaffen.

<p>Die Kirche St. Severin. </p>

Die Kirche St. Severin.

Der 6. Zivilsenat erkannte in dem Hotelnamen eine „unbefugte Namensanmaßung“, die zu unterlassen sei. Durch die Namensgleichheit könnte der falsche Eindruck entstehen, dass zwischen der Kirche und dem Hotel in unmittelbarer räumlicher Nähe ein Zusammenhang besteht. So könnten Gäste, die für eine Taufe, eine Konfirmation, eine Trauung oder eine Beerdigung eine Gaststätte suchen, einen Zusammenhang mit  dem Hotel  vermuten. Durch diese Verwirrung werde das schutzwürdige Interesse der Kirche verletzt, neutral zu erscheinen.

„Wir sind dankbar, dass unsere Rechtsauffassung bestätigt wurde,“ freute sich Pastorin Susanne Zingel. Eigentlich sei es unüblich, dass Kirchengemeinden mit ihrer „friedensstiftenden Botschaft“  vor den Kadi treten. „Aber wenn es wirklich um etwas geht, was zu schützen ist, können wir auch vor Gericht ziehen.“

<p>Die Keitumer Pastorin Susanne Zingel. </p>

Die Keitumer Pastorin Susanne Zingel.

Foto: Privat

Severin – das ist der Name eines Kölner Bischofs aus dem 4. Jahrhundert, der als Schutzpatron von Köln verehrt wurde. Das Keitumer Gotteshaus – eines der ältesten Norddeutschlands – trägt seinen Namen seit dem 14. Jahrhundert – nach der „groten Mandränke“ von 1362 hatten die Kölner bei den Friesen missioniert. Ein guter Name, befand offenbar auch die Bremer Atlanticgruppe, die in Keitum 2014 ein Fünf-Sterne-Resort errichtet hat.

Das Schild zur Baustellenzufahrt rief damals schon die Keitumer Kirchengemeinde auf den Plan. „St. Severin ist ein identitätsstiftendes Merkmal unserer Gemeinde“, sagt Pastorin Susanne Zingel.  „Wir wollten geklärt wissen, ob man sich so eines Namens bemächtigen und ihn für kommerzielle Zwecke nutzen darf.“ Entsprechend sensibel hätten die Dorfbewohner reagiert, der Kirchengemeinderat habe ein einmütiges Votum gefasst, dagegen vorzugehen. „St. Severin ist einfach eine starke Kirche im Mittelpunkt einer lebendigen Gemeinde,“ erläutert die Pastorin, die auch Vorsitzende des Kirchengemeinderates ist und die Pfarrstelle vor elf Jahren  übernommen hat. Zur evangelischen Kirchengemeinde gehören auch die Dörfer Tinnum, Archsum und Munkmarsch.

„Wir haben den Investor damals um ein Gespräch gebeten, doch das wurde als nicht nötig abgelehnt“, sagt Susanne Zingel.  „Unsere Bedenken seien aus der Luft gegriffen, es gebe keinen Grund, über den Hotelnamen noch einmal nachzudenken.“ Daraufhin habe der Kirchengemeinderat beschlossen, seine Namensrechte vor Gericht durchzusetzen. Unterstützt und beraten wurde er dabei durch Mitarbeiter der Kirchenkreisverwaltung Nordfriesland und der Hamburger Kanzlei WZR.

Die Klage wurde im Februar 2014 eingereicht, das Hotel eröffnete im Dezember 2014. Im ersten Anlauf war die Kirchengemeinde vor dem Landgericht gescheitert: Am 31. März 2015 hatte der Flensburger Richter die Klage abgelehnt. Daraufhin gingen die Keitumer in die Revision und bekamen nun vor dem 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Recht. „Eine Revision ist nun nicht mehr möglich“, erläuterte Gerichtssprecherin Frauke Holmer. Dem  Hotelbetreiber bliebe nur der Weg zum Bundesgerichtshof nach Karlsruhe. Dort könnte er eine Nichtzulassungsbeschwerde einlegen, wenn sein Schaden mehr als 20.000 Euro beträgt – kein hoher Betrag, wenn er sämtliche Namensschilder austauschen müsste.

Doch dafür sieht Hoteldirektor Christian Siegling bislang keine Veranlassung: „Das Urteil bedeutet überhaupt nicht, dass wir ab morgen das Schild abhängen müssen.“ Sobald die ausführliche Begründung vom Oberlandesgericht vorliegt, werde man beraten, wie es weitergeht. „Wir sehen das nicht als Niederlage.“

Weiterbetreiben darf das Hotel seine Homepage unter der Adresse www.severins-sylt.de – da war sich der Schleswiger Senat einig mit dem Flensburger Landgericht. Der Kirchengemeinde stehe es frei, selbst eine Domain unter dem Namen Severin und der Zusatzangabe Sylt registrieren zu lassen.

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erstellt am 05.Okt.2016 | 12:43 Uhr

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