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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 15:36 Uhr

Tourismus auf Sylt : Sparsam oder halbherzig?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Gemeindevertretung will das Inselmarketing mit 1,25 Millionen Euro ausstatten, die Unternehmer hatten 2,5 Millionen vorgeschlagen.

Wie viel Tourismus ist gut für die Insel? Und wie viel Geld sollte Sylt ins Marketing stecken, um auch in Zukunft Urlauber auf die Insel zu locken? Der Verein der Sylter Unternehmer (SU) hat im Juni vorgeschlagen, das Image der Marke Sylt nächstes Jahr mit 2,5 Millionen Euro zu fördern. Die Politik geht nur den halben Weg mit: 1,25 Millionen Euro sollen erstmal reichen.

2,5 Millionen Euro für die Sylt Marketing GmbH – das war eine der Handlungsempfehlungen aus den „Leitlinien Tourismus-Zukunft Sylt“. Das Positionspapier hatten Vertreter aus der Wirtschaft gemeinsam mit den Tourismusdirektoren entwickelt. Die Entscheidung, nur die Hälfte aufzubringen, haben sich die Kommunalpolitiker nicht leicht gemacht – das wurde in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag Abend deutlich. Mehrfach hatten Finanzausschuss und Fraktionen über das Thema beraten, um eine gemeinsame Linie zu finden. Die Kämmerei hatte vier Varianten durchgerechnet – mit Marketingaufwendungen von 1,0, 1,25, 1,5 und 2,5 Millionen Euro. Bei der Variante 4 mit 1,25 Millionen Euro, auf die sich alle Gemeindevertreter am Ende einigten, steigt der Anteil der Gemeinde Sylt von bisher 690  528 Euro auf 955  718 Euro – das wären 265  000 Euro mehr aus der Gemeindekasse.

Die Stellungnahmen der Fraktionssprecher ließen durchblicken, dass sich die Kommunalpolitiker in den Vorgesprächen längst nicht einig waren. Für die SWG erklärte Sönke Hansen, dass die Wählergemeinschaft die volle Summe von zweieinhalb Millionen Euro unterstützt hätte, sofern auch die anderen Inselgemeinden diesen Weg beschritten hätten. Die Mehrausgaben würden langfristig die Gewerbesteuereinnahmen stärken. „Aber wenn heute eine Mehrheit sagt, wir wollen mit der Hälfte anfangen, können wir damit leben.“ „Schade, dass die SWG dann nicht den Mut hat, einen eigenen Antrag zu stellen“, äußerte Carsten Kerkamm seinen Unmut – der CDU-Vertreter ist auch stellvertretender Vorsitzender der Sylter Unternehmer.

„Das Papier ist sehr stark geprägt von der Unternehmerschaft, von den Großvermietern, von den großen Hotels“, kritisierte Gerd Nielsen (SPD) – „die Politik wurde überhaupt nicht einbezogen.“ So laute eine Kernaussage, dass durch die Verkürzung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer pro Gast „eine Steigerung der Gästefrequenz“ notwendig wird, um ein Absinken der Übernachtungszahlen und der Umsätze zu verhindern. „Man kann sich gut vorstellen, was passiert, wenn man diese Lücke ausbügeln will – nämlich noch mehr Autoverkehr, Zugverkehr, Flugverkehr. Man sollte das Ganze auch mal kritisch sehen und den Versuch starten, eigene Leitlinien der Gemeinde für den Tourismus“ zu erarbeiten. Trotzdem trage die SPD Variante 4 mit.

„Nicht nur wegen der knappen Kassen“ bevorzuge auch der SSW diesen Beschlussvorschlag. „Wir sollten erstmal gucken, welche Wirksamkeit man erzielt,“ meinte ihr Fraktionssprecher Andreas Eck. „Schade, dass das Konzept nicht darauf abzielt, die Aufenthaltsdauer wieder zu steigern“, bedauerte der SSW-Vertreter. So könnte man „die gute alte Badekur“ wiederbeleben. Letztlich profitierten alle Sylter vom Tourismus. Eck schlug vor, der Verein Sylter Unternehmer könne sich am Fehlbetrag beteiligen.

„Zweieinhalb Millionen sind eine Menge Kohle,“ meinte auch Maria Andresen von der Grünen-Fraktion. „Wir sollten erstmal mit der Hälfte anfangen und dann sehen, in welche Richtung es geht.“ Ihre Fraktion lege größten Wert auf naturverträglichen Tourismus und „nicht immer mehr Quantität und immer weniger Qualität“. Auch sie zog es vor, die Gäste zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen, statt „immer nur noch mehr Leute ranzuholen.“ Wichtig sei den Grünen dabei die Einbindung der „Kleinvermieter, die die Destination Sylt mitaufgebaut haben.“

„Ich vertraue auf die Fachleute“, erklärte Hicham Lemssiah von den Insulanern/Piraten. Dass die Verweildauer sinkt, sei kaum zu vermeiden – eine Folge der Flexibilisierung der Arbeitswelt. Auch Lars Schmidt (Insel-Liste Zukunft Sylt) stimmte Variante 4 zu, forderte aber einen nachhaltigen Tourismus. „Wenn man sich die Baustrukturen anguckt, weiß man, dass der Weg in Richtung Massentourismus geht.“ Sylt brauche aber eine organische Struktur, in der auch das Kinderkriegen und Altwerden seinen Platz hat.

Wolfgang Jensen (CDU) widersprach Nielsens Behauptung, die Politik sei in die Leitlinien nicht eingebunden worden. Sein Fazit: „Die Zusammenarbeit beim Tourismus ist wesentlich weiter als die Einheit der Gemeinden auf der Insel.“

Auch Bürgervorsteher Peter Schnittgard lobte die Touristiker, sie leisteten hervorragende Arbeit. „Aber wir brauchen möglichst bald mehr Geld, um schlagfertig zu sein und ein Flaggschiff im Tourismus zu bleiben.“

Am Ende stimmte das Kommunalparlament geschlossen für den Kompromiss der Variante 4 – also 1,25 Millionen Euro für das Marketing. Auf diesen Zug müssen nun noch die anderen Inselgemeinden aufspringen.

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erstellt am 17.Sep.2016 | 05:45 Uhr

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