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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Personalnot auf Sylt : So könnten Flüchtlinge zu Azubis werden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter planen einzigartiges Integrationsprojekt, bei dem Asylsuchende durch Schulungen fit für den insularen Arbeitsmarkt gemacht werden.

Jetzt, kurz vor Saisonstart, suchen Sylter Hotel- und Gastronomieunternehmen wieder verzweifelt nach Personal. Gleichzeitig leben 227 Asylsuchende auf Sylt, von denen ein Teil gern auf der Insel arbeiten würde. Um mit Hilfe dieser Menschen das insulare Personal-Problem lindern zu können, wird auf der Insel derzeit fieberhaft an einem deutschlandweit wohl einzigartigem Konzept gearbeitet: Asylsuchende sollen in einer vorbereitenden, umfassenden Schulung fit für den Ausbildungsmarkt gemacht werden.

Einer der Initiatoren ist der Lister Hotelier Gordon A. Debus, der in der sogenannten Flüchtlingsproblematik durchaus Chancen sieht: Für die Flüchtlinge selbst, für die Unternehmen und für die Insel, die dadurch ihre Asylsuchenden leichter integrieren können. Debus selbst beschäftigt im A-Rosa in List derzeit zwei Flüchtlinge, einen in der Küche und einen im Housekeeping. Das funktioniere im Grunde gut, findet der Hotelier, benennt aber ein Problem: Eigentlich wolle man den Asylsuchenden einen Ausbildungsplatz anbieten. Das funktioniere aber erst, wenn sie dafür genug Deutsch gelernt haben. Deshalb habe er die beiden zunächst zum Mindestlohn fest angestellt. Wenn ihr Deutsch gut genug ist, sollen sie in die Ausbildung wechseln. „Das ist ein Weg, den nicht alle Unternehmen gehen können“, erläutert Debus. „Außerdem müssen Sie ihren Mitarbeitern vorher erklären, dass sie ab dem Punkt, an dem sie eigentlich wirklich gut sind, auf einmal weniger Geld verdienen werden.“

In dem neuen Konzept, das Sylter Hoteliers gerade gemeinsam mit IHK, Dehoga, den Sylter Unternehmern und anderen Beteiligten erarbeiten, soll der Schritt, die Ausbildungs-Anwärter fit für den Arbeitsmarkt zu machen, sowohl für Unternehmen als auch für die möglichen neuen Mitarbeiter vereinfacht werden.

Grob sehen die derzeitigen Überlegungen auf der Insel wie folgt aus, erklärt der Keitumer Hotelier Claas-Erik Johannsen: Die künftigen Azubis werden vor Beginn ihrer Ausbildung für rund ein Jahr in der Sylter Berufsschule vorbereitet. Dort lernen sie nicht nur Deutsch, sondern auch wichtige Grundlagen für die Arbeit in Hotellerie und Gastronomie. Zu Beginn stünde schon fest, in welchem Betrieb sie anschließend ihren Berufseinstieg absolvieren können, „vielleicht verbringen sie auch während des Vorbereitungsjahres regelmäßig Zeit dort“.

Derzeit informiere man sich, ob und wie Fördermittel für diese Idee zu gewinnen seien, so Johannsen weiter. Er selbst beschäftigt in seinem Benen-Diken-Hof derzeit zwei Flüchtlinge, einen Gärtner als Angestellten und einen Azubi zum Restaurantfachmann. Mit ihrer Arbeit, betont er, ist er sehr zufrieden. Er und Debus erklären beide, wie hilfreich eine erfolgreiche Eingliederung von Flüchtlingen in den Sylter Arbeitsmarkt für die Insel wäre. „Ich werde regelmäßig gefragt: Was ist denn, wenn die neuen Mitarbeiter dann auf einmal abgeschoben werden“, berichtet Debus. Diese Sorge sollte aus seiner Sicht kein Hinderungsgrund sein, einem engagierten Neu-Sylter einen Ausbildungsplatz anzubieten. Und ohnehin: Das jemand seine Ausbildung nicht abschließt, sei auch bei deutschen Azubis nicht ungewöhnlich: „Es gibt so viele Auszubildende, die abbrechen.“ Nach seiner Überzeugung geht es bei dem Projekt aber auch um mehr: „Ich bin ein großer Arbeitgeber auf Sylt. Ich fühle mich deshalb auch verpflichtet, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“

Unterstützung erfahren die Planungen durch die Gemeinde Sylt: „Wir wollen gern mithelfen, die einzelnen Beteiligten zusammen zu bringen“, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel.

Catharina Nies, die seit kurzem bei der IHK als Referentin für Flüchtlingsfragen arbeitet, schätzt das Sylter Engagement: „Ich freue mich, dass uns die Sylter Hoteliers mit ins Boot geholt haben. Das gibt uns die Chance, an einem nachhaltigen Konzept zu arbeiten.“ Interessant sei an der Sylter Idee, dass dabei auf eine bestimmte Branche fokussiert werde: „Sollte das Konzept erfolgreich sein, bestünde die Möglichkeit, es auch in anderen Orten des Landes umzusetzen“, erläutert Nies. Wichtig sei ihr, dass bei den Planungen die verschiedenen aufenthaltsrechtlichen Stadien, die ein Asylsuchender durchlaufen kann, mitgedacht werden: „So dass sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und danach auch einen Job finden können.“


Wie „Integration in Arbeit“ gelingen kann, darum geht es auch in der nächsten SU-Lounge der Sylter Unternehmer am 28. April ab 17 Uhr, Geschwister-Scholl-Weg 2

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erstellt am 21.Apr.2016 | 05:12 Uhr

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