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Sylter Rundschau

06. Dezember 2016 | 09:24 Uhr

Seehunde auf Sylt : Seehund-Funde am Lister Strand

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Inselnorden wurden jetzt zwei todkranke Tiere am gleichen Ort entdeckt. Anlass zur Sorge sehen Experten nicht.

Gleich zwei todkranke Seehunde sind zu Beginn der Woche am Strand vor List gefunden worden. Das kranke oder verendete Tiere an den Stränden auf der Insel gefunden werden, ist nicht ungewöhnlich. Fast täglich finden die zuständigen Seehundjäger Tiere an Land. Auffällig am Dienstag war jedoch, dass die beiden stark untergewichtigen Jungtiere mit nur einer Stunde Zeitversatz am gleichen Ort an der Nordspitze entdeckt wurden.

„Die linke Brustflosse war stark verletzt“, sagt Seehundjäger Thomas Diedrichsen. Am Mittag hatte er das Jungtier direkt am Strand unterhalb des Erlebniszentrums Naturgewalten bemerkt. Außerdem habe das nur elf Kilogramm schwere und 90 Zentimeter lange Tier starken Durchfall gehabt und „keinerlei Reaktionen“gezeigt. Normalerweise wiegen sie in dem Alter um die 25 Kilogramm. „Ich habe ihn dann erlöst“, sagt Diedrichsen.

Kurz darauf fand Seehundjäger Sönke Lorenzen den zweiten abgemagerten Säuger an der gleichen Stelle im Sand. „Das war kurios“, sagt er, noch immer sichtlich bestürzt. Der rund zwei bis drei Monate alte Seehund habe zudem Durchfall gehabt, „rasselnd geatmet“ und sei vermutlich von Parasiten befallen gewesen. „Das bedeutet schon was, wenn die Seehunde an einem von vielen Menschen besuchten Strand an Land kommen“, sagt der Fachmann. Unter normalen Umständen würde ein Wildtier niemals an einer solchen Stelle das Wasser verlassen. Schnell wurde klar, dass eine Aufzucht nicht erfolgreich wäre und er zudem nicht transportfähig war. Auch er musste vom Seehundjäger getötet werden.

Leicht fällt den Seehundjägern dieser Schritt nicht. „Mir ist es auch lieber, wenn sie wieder aufgepäppelt werden können in der Seehundstation in Friedrichskoog“, sagt Lorenzen. „Wenn der Wind günstig steht, finden wir manchmal jeden Tag einen kranken oder toten Seehund am Strand“, sagt Diedrichsen. Das bestätigt auch sein Kollege: „Das kommt – je nach Wetter– auch rund zwei bis drei Mal pro Tag vor“, sagt Lorenzen. Zuletzt habe er einen Seehund am Strand vor Buhne 16 in Kampen gefunden. Die toten Seehunde werden entweder gleich nach Schleswig in eine Spezialeinrichtung zur Beseitigung von Tierkadavern gebracht, oder vom Nationalparkamt in Büsum abgeholt und von Tierärzten untersucht.

Einen Grund zur Sorge sehen Experten angesichts der regelmäßigen Seehund-Funde jedoch nicht: „Das ist die Kehrseite davon, dass wir einen so hohen Seehundbestand haben“, sagt Matthias Strasser, Geschäftsführer des Erlebniszentrum Naturgewalten in List. Starke Brandung und Wind könnten dazu führen, dass die Jungtiere von ihren Müttern abgetrieben werden, aber auch Krankheiten können dazu führen, dass mehrere Tiere sterben und auf Sylt angespült werden. Wind und Strömungen begünstigen häufig, dass die Tiere an die größte nordfriesische Insel getrieben werden. Rund 40    000 Seehunde leben – nach jüngsten Zählungen – derzeit im Wattenmeer. 3900 von ihnen sind Jungtiere von denen rund 40 Prozent das erste Lebensjahr nicht überstehen.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 05:57 Uhr

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