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Sylter Rundschau

06. Dezember 2016 | 13:19 Uhr

Geburten auf der Insel : Schwangere Sylterinnen in Sorge

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zwölf schwangere Sylterinnen wenden sich in einem offenen Brief an Bundes- und Landespolitiker. Chirurgen und Hebammen lehnen derweil das Asklepios-Konzept erneut ab.

Sylt | Die Anspannung unter den Schwangeren auf Sylt wächst: Um auf die drohende Schließung der Geburtsstation in der Asklepios-Nordseeklinik aufmerksam zu machen, haben sich jetzt zwölf werdende Mütter mit ihren Partnern in einem offenen Brief an Landes- und Bundespolitiker gewandt. In ihrem Schreiben, das unter anderem an die Landtagsabgeordneten Astrid Damerow (CDU) und Gitta Trauernicht (SPD) sowie an die Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing (CDU) und Matthias Ilgen (SPD) adressiert ist, heißt es: „Da bei genauerem Hinsehen deutlich wird, dass nach bisheriger Lage ein relativ klares Ende der Geburtenstation zum 31. Dezember dieses Jahres abzusehen ist, stellt sich uns die Frage, ob es nicht doch bei gutem Willen aller Beteiligten möglich ist, eine akzeptable Lösung für die betroffenen Frauen auf Sylt zu finden.“

Aus ihrer Verunsicherung machen die betroffenen Frauen auch im Gespräch mit der Sylter Rundschau keinen Hehl: „Man hängt einfach in der Luft“, sagt Svenja Sievers-Jacobs, deren Entbindung für den 7. Februar angesetzt ist. Die Sylterin, die ihren Insel-Stammbaum bis 1635 zurückverfolgen kann gilt mit ihren 36 Jahren zwar bereits als Risikokandidatin, ist aber trotzdem fest entschlossen, auf der Insel zu gebären: „Für mich stand immer fest, dass mein Kind ein Sylter wird.“ So trotzig dieser Wunsch klingen mag – die Schwangere macht sich, wie auch die übrigen Betroffenen, Gedanken darüber, wie ein möglicher Plan-B aussehen könnte: „Wann soll ich aufs Festland fahren? Die Wehen setzen meist nachts ein, da fährt kein Zug. Und falls es einen Schneesturm gibt, fliegt auch kein Helikopter“, spielt die 36-Jährige die schlimmstmöglichen Bedingungen durch. Wahrscheinlich müsse sie zwei Wochen vor dem Stichtag die Insel verlassen. „Aber wenn ich schon jetzt solchen Stress habe, dann kann das gar keine schöne Geburt werden.“ Jetzt setzt die Sylterin alles auf die Hilfe aus der Politik.

Auch für Andrea Jäkel bleibt nur das Prinzip Hoffnung. „Mit dem Stichtag am 31. Dezember habe ich natürlich das ganz große Los gezogen“, kann die 28-Jährige noch scherzen. „Ich und mein Mann hoffen nun, dass sich das Kind etwas früher auf den Weg macht.“ Da sich der Geburtstermin aber nicht mit Wunschdenken steuern lässt, haben auch die Jäkels einen alternativen Geburtsort im Blick: „Wir kommen beide aus Berlin, haben dort Familie und könnten dahin ausweichen.“ Trotzdem ist das Paar mit diesem Ausweg nicht glücklich: „Die Insel ist unsere Heimat, der wir uns sehr verbunden fühlen und für die wir auch etwas tun wollen. Sonst sind die Sylter eine aussterbende Art.“

Eine Sorge, die alle zwölf Schwangeren umtreibt, ist neben den Kosten für die Unterkunft auf dem Festland auch der fehlende Kontakt zu Ärzten vor Ort. „Natürlich fehlt das Vertrauensverhältnis, wie es auf der Insel durch die Vorbereitungskurse oder frühere Geburten gewachsen ist“, weiß Christine Lunk. Auf die Frage, warum die Frauen ihren offenen Brief nicht auch an die Inselpolitik gerichtet haben, hat die Schwangere eine wenig schmeichelhafte Antwort parat: „Man hat das Gefühl, dass die meisten Politiker hier unbeteiligt sind. Vielleicht haben die alle schon aufgeben – oder es ist ihnen egal.“

Während die betroffenen Frauen versuchen, sich über die Inselgrenzen hinaus Gehör zu verschaffen, trafen sich gestern Hebammen, Chirurgen und die Sylter Asklepios-Geschäftsführung zu einem Gespräch. Die Runde förderte dabei keine neuen Ergebnisse zu Tage: „Wir haben nochmals unsere Position erläutert, dass wir nicht ohne Gynäkologen arbeiten dürfen“, sagte Hebamme Cornelia Bäcker nach dem Treffen. Auch die Chirurgen, die nach dem vorläufigen Konzept der Geschäftsführung für Kaiserschnitte fortgebildet werden sollen, hätten für sich die Meinung vertreten „wir dürfen das nicht“, so Bäcker.

Damit bleiben die Fronten zwischen Klinik und Hebammen verhärtet, eine kurzfristige Lösung für den Erhalt der Geburtshilfe auf Sylt ist noch nicht in Sicht. Und trotzdem gibt es Bewegung: Noch bevor die Asklepios-Nordseeklinik ihr Konzept für die Zukunft der Geburtshilfe beim Kieler Sozialministerium offiziell eingereicht hat, gibt es von dort eine klare Ansage: „Sollte das von der Klinik vorgestellte Konzept nicht umsetzbar sein, muss der Klinikträger ein Alternativkonzept entwickeln. Die Asklepios-Klinik hat einen Versorgungsauftrag für die Geburtshilfe auf Sylt. Dieser gilt unbefristet.“

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erstellt am 20.Nov.2013 | 06:00 Uhr

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