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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 04:57 Uhr

Halle 28 auf Sylt : Schutz der Insel: Sylter Bürgermeister präsentiert seine Pläne für Katastrophenfälle

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Gespräch mit der Sylter Rundschau erläutert Nikolas Häckel, warum die Halle 28 nur eine Option unter vielen ist.

Sylt | „Mit unserem neuen Konzept für die Gefahrenabwehr und den Katastrophenschutz haben wir erstmalig, und das ist mir besonders wichtig, einen ressourcenbezogenen Plan“, erläutert der Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel im Gespräch mit der Sylter Rundschau. „Wir sind damit bereits jetzt voll arbeits- und einsatzfähig. Das gab es noch nie, dass alles so detailliert dokumentiert wurde. Als ich angefangen und gefragt habe, wen und was haben wir eigentlich wo genau, hat das keiner gewusst.“

Die Halle 28 ist seit mehreren Monaten Diskussionsthema auf Sylt. In einem Bürgerentscheid hatten die Bewohner der Insel zuletzt entschieden, die Gebäude zu erhalten und nicht abzureißen. Vor rund zwei Wochen hatte sich die Gemeinde Sylt mit knapper Mehrheit dafür ausgesprochen, die Gebäude auf dem Fliegerhorst an die Flughafen Sylt GmbH (FSG) zu übertragen. Entsprechend des Beschlusses muss der Bürgerentscheid zum Erhalt der Halle eigentlich umgesetzt werden und diese für den Katastrophenschutz genutzt werden.

Zu den nutzbaren Ressourcen für Notfälle gehören neben den Einsatzkräften von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, Rettungscorps und Ordnungsamt alle Materialien sowie sämtliche Gebäude, die zum Beispiel für die Unterbringung von Personen zur Verfügung stehen. Dazu zähle auch, aber nicht ausschließlich die Halle 28, betont Häckel, der im Katastrophenfall als Leiter der sogenannten Abschnittsführungsstelle Sylt für die gesamte Insel zuständig ist. Vielmehr gebe es in allen Inselorten Unterbringungsmöglichkeiten. Tritt eine Notlage ein, sei zu entscheiden, was zu der jeweiligen Situation passt. „Eine Nutzung der Halle 28 ist nicht zwingend erforderlich, nur weil sie da ist. Wir müssen in jedem Einzelfall schauen, was klug und richtig ist“, sagt er.

Notfall-Material wie Decken und Schlafsäcke steht in Rollcontainern bereit.
Notfall-Material wie Decken und Schlafsäcke steht in Rollcontainern bereit. Foto: Gem. Sylt
 

„Wenn die Halle 28 das beste Mittel ist, dann werden wir sie natürlich auch nutzen. Aber ich kann jede Liegenschaft, die ich als geeignet erachte, für eine Unterbringung nutzen.“ Deswegen sei der Arbeitsentwurf des GAP-Teams, also der GefahrenAbwehrPlanungsgruppe, auch nicht auf die Halle 28 ausgerichtet. „Das wäre nicht sachgerecht. Denn die Menschen wollen ja, wenn möglich, in ihrer Umgebung bleiben“, sagt Häckel. Das GAP-Team habe sich überall auf der Insel die räumlichen Ressourcen angeschaut und für jeden Ort dokumentiert, was tatsächlich zur Verfügung steht. „Ein Hörnumer will doch bei einem Notfall eher wissen, was passiert denn in meinem Ort, als dass er sich in die Inselmitte fahren lässt und eventuell handlungsunfähig wird.“

In Hörnum stehe zum Beispiel die Alte Grundschule als Sammelpunkt zur Verfügung: In dem Gebäude sei Platz für 140 Personen, dort befänden sich eine Küche und sogar ein Notstromaggregat – logischerweise müsse also die Frage lauten: „Warum nicht dort, sondern woanders?“ „Da bin ich mir übrigens auch mit DRK-Chef Karl-Heinz Kroll völlig einig: Wir stellen uns sowohl für eine zentrale als auch für eine dezentrale Betreuung auf. Das war immer so gedacht vom Roten Kreuz, und auch von mir“, erklärt Nikolas Häckel. „Wenn nur in Hörnum etwas passiert, macht es vielleicht wenig Sinn, alle Betroffenen nach Tinnum in die Halle 28 zu fahren. Weil es unter Umständen klüger ist, die Menschen zu Fuß in die Alte Schule laufen zu lassen. Das ist genau das, was wir als Einsatzleitung in der jeweiligen Lage entscheiden müssen.“

Das Tragwerk der Halle 25 (Foto) ist zwar architektonisch hochinteressant, aber in seiner Standsicherheit stark gefährdet.
Das Tragwerk der Halle 25 (Foto) ist zwar architektonisch hochinteressant, aber in seiner Standsicherheit stark gefährdet.
 

Für die Versorgung von geretteten Personen, aus evakuierten Orten der Insel, stünden umfangreiche Materialien, Gerätschaften und Hilfsmittel – zum Beispiel Feldbetten, Decken oder Schlafsäcken – immer auf Rollwagen bereit. „Das kann dann schnell überall dort hingebracht werden, wo es gebraucht wird“, sagt Nikolas Häckel. Das Gemeindematerial lagere beim Ordnungsamt im Westerländer Bahnweg, die Bestände dort sollen weiter aufgefüllt werden. Das DRK-Material befindet sich überwiegend in der Halle 28. Je nachdem, wie es dort nach der Übertragung an die Flughafen Sylt GmbH weitergehe, könne das auch so bleiben. „Ich hatte zwar den Neubau einer Lagerhalle an der neuen Feuerwache konzipiert, damit das DRK dort sein Material einstellen kann. Das ist durch den Bürgerentscheid jedoch vom Tisch“, so der Bürgermeister. „Dass ich die Halle 28 nicht als notwendig erachte, habe ich mehrfach betont. Ich stehe dazu, dass ich diese Halle nicht brauche. Ich stehe aber auch dazu, dass der Bürgerentscheid mich bindet – und ich Demokrat genug bin, um diesen Willen umzusetzen. Da gibt es für mich keine Diskussion.“

Nikolas Häckel vertritt nachdrücklich die Auffassung, dass sich der Katastrophenschutzplan nicht um die Halle 28 drehen dürfe. Vielmehr habe er ganz andere Schwerpunkte. „Nämlich wie wir auf jede Gefahr, auf jede Situation flexibel reagieren können. Diese Flexibilität kann mir als verantwortlichem Leiter der Abschnittsführungsstelle Sylt keiner nehmen, darf mir auch keiner nehmen.“ Leider habe der Bürgerentscheid tiefe Gräben gerissen, zwischenmenschlich in jede Richtung. „Das ist total traurig, das macht die Arbeit extrem schwer. Ich habe deshalb im November einen Stimmungsbereinigungstermin mit der Feuerwehr, wo wir noch einmal alles aufbereiten wollen“, erklärt Nikolas Häckel. „Weil nichts ist schlimmer, als in einer akuten Lage zu sein mit Personal und Kräften, bei denen es irgendwelche Vorbehalte gibt.“

Nachdem die Risikoanalysen und ein Stresstest mit drei Katastrophenszenarien beendet sind, wurde das GAP-Konzept von den zuständigen Kreisbehörden bestätigt. Spätestens im Februar 2017 soll auch der Abschlussbericht der beteiligten Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften vorliegen: „Dann können wir für die Insel alles rund machen“, erwartet Nikolas Häckel.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 05:30 Uhr

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