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Sylter Rundschau

31. August 2016 | 02:24 Uhr

Söl'ring Foriining : Scharfe Worte und ein berührender Abschied

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am vergangenen Freitag lud die Söl’ring Foriining zum „Pidersdai Ting“ ein, bei dem der 1. Vorsitzende Jürgen Ingwersen scharfe Worte fand.

Schon die alten Germanen nutzten die Ting-Versammlung um klare Worte zu finden. Die Söl’ring Foriining hatte deshalb nicht ohne Grund am vergangenen Freitag anstelle eines gediegenen Neujahrsempfangs zu einem meinungsoffenen „Pidersdai Ting“ eingeladen. So nahm der 1. Vorsitzende der Söl’ring Foriining, Jürgen Ingwersen, in seiner Rede auch kein Blatt vor den Mund. Nachdem er zufrieden auf das vergangene Jahr mit hochwertigen Ausstellungen und einer steigenden Zahl von Festlandbesuchern zurückschauen konnte, richtete er seinen Blick vor allem auf die Finanzen des Vereins und die insulare Anwendung der 40/60 Regelung in Morsum. „Gut gedacht, schlecht gemacht“, so Jürgen Ingwersens deutliche Einschätzung, die 40/60-Regelung grenze seiner Meinung nach an „Enteignung“ und müsse dringend überdacht werden. Ähnlich kritisch bewertete er auch das finanzielle Engagement der Orte und Gemeinden für die Söl’ring Foriining. Von dem Jahreshaushalt von rund einer halben Million Euro müsse noch immer der Löwenanteil über Spenden finanziert werden. Vorstöße, eine größere finanzielle Unterstützung politisch zu erwirken, liefen, doch die Hauptlast liege nach wie vor bei dem Verein. Ohne diesen wären nicht nur das kulturelle Angebot auf der Insel, sondern auch der Mittelpunkt der Sylter Identität undenkbar.

Bürgervorsteher Peter Schnittgard konnte Jürgen Ingwersen nur beipflichten. Mit der klaren Aussage „Wir alle sind Sylter!“ warb er eindringlich für die Arbeit des Vereins und fragte sich, warum nicht alle Sylter Mitglieder seien. Dass die Söl’ring Foriining nur mit einem „kümmerlichen Betrag“ finanziell unterstützt werde, sei skandalös und würde das Sylter Pharisäertum belegen, in dem heuchlerisch alle für den Erhalt der Sylter Kultur einträten, aber zu wenige bereit seien, dafür Opfer zu bringen. Für Schnittgard ist die Kultur der Insel ein „Goldstück“, das aber keine eigenen Einkünfte erzielen könne und deshalb unterstützt werden müsse.

Ähnlich emotional, wenn auch in eine ganz andere Richtung, fiel die Rede der Museumsleiterin Dörte Ahrens aus. Nach drei Jahren Arbeit für die Museen der Söl’ring Foriining tritt sie zum 1. April ihre neue Stelle am Flensburger Museumsberg an. Heute hielte sie zwar ihre Abschiedsrede, sei sich aber sicher, dass das nicht ihre letzte Rede sei, die sie auf Sylt halten werde, wandte sie sich an die zahlreichen Besucher im Heimatmuseum.

Sichtlich gerührt wünschte sich Ahrens, immer wieder einmal nach Sylt eingeladen zu werden, um die interessante und vielschichtige Arbeit des Heimatmuseums weiter begleiten zu können. Den Wechsel nach Flensburg begründete sie nachvollziehbar mit der Nähe zu ihrem Wohnort und ihrer Familie: „In Flensburg brauche ich fünf Minuten für den Weg zur Arbeit. Auf Sylt bin ich an drei Tagen in der Woche von meiner Familie getrennt.“

Genau wie Jürgen Ingwersen lobte Dörte Ahrens die ausgezeichnete und überaus engagierte Arbeit aller hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Söl’ring Foriining.

Nach dem offiziellen Teil hatten die Gäste des „Pidersdai Ting“ bei Schmalzbrot und Heißewecken die Möglichkeit, untereinander weiter offen über aktuelle Themen zu diskutieren.


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