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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 07:56 Uhr

Erste Sylter Schachschule : „Schach gehört in jede Schule“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit sieben Jahren wird an der Norddörfer Grundschule eine Schach AG angeboten / Nun wurde die Schule zur offiziellen Schachschule erklärt

„Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“, das ist das Motto der Norddörfer Schule in Wenningstedt, erklärt Schulleiterin Christel Glöckner. Für eine besondere Methode den gesunden Geist zu fördern, wurde die Schule nun von der Deutschen Schachjugend, der Jugendorganisation des Deutschen Schachbundes, mit einem Gütesiegel ausgezeichnet. Damit ist die Norddörfer Schule die zweite „Schachschule“ in Schleswig-Holstein.

An der Schule wurde das Gütesiegel am vergangenen Mittwoch feierlich entgegengenommen. Aber wie wird man eigentlich eine Schachschule? Um an dem Verfahren teilzunehmen muss sich die Schule bewerben und ein Konzept vorlegen. Es gibt 27 Kriterien von denen mindestens 23 erfüllt werden müssen, die Norddörfer Schule erfüllt ganze 26. Aber eigentlich begann alles mit Marcus Wiegner, Vater von vier Kindern, die alle die Schule besuchen oder besuchten, der mit der Idee an die Schule herantrat, einmal die Woche eine Schach AG anzubieten. „Ich war sofort dabei, war mir aber zunächst nicht sicher, ob das überhaupt angenommen wird“, erzählt die Schulleiterin Christel Glöckner.

Eines war schnell klar: Sie wird angenommen. Nach einiger Zeit wurde die AG offiziell in den Stundenplan aufgenommen und das Projekt Schach an der Schule entwickelte sich stetig weiter. Nun war Christel Glöckner Feuer und Flamme und das Schachprojekt wurde gefördert: „Wir statteten unsere Schule mit jeder Menge Schachbrettern aus“, so die Schulleiterin. Ein ganz großes befindet sich sogar auf dem Schulhof.

Schachlehrer Marcus Wiegner bezeichnet sich selbst als „schachverrückt“ und spielt schon seit 40 Jahren: „Disko, Mädchen und Bierchen waren lange unwichtig“, erzählt der Familienvater in seiner Rede. Zur Übergabe des Siegels waren auch Schulrätin Astrid Finger und Wenningstedts Bürgermeisterin Katrin Fifeik anwesend. Wiegner schaffte es, immer mehr Schüler für das Schachspielen zu begeistern und fuhr mit den schachbegeisterten Schülern zur Landesmeisterschaft, wo sie den zweiten Platz gewannen und sich für die Deutsche Meisterschaft qualifizierten, wo sie den fünften Platz belegten. „Es ist beeindruckend, wenn die Kinder auf die Stoppuhr drücken, dann ist Ruhe, man spürt die Konzentration im Raum“, schwärmt Wiegner. „Da hört man es knistern“, das sei das Geräusch, wenn neue Bahnen im Gehirn freigeschaltet würden.

Die Urkunde überreichte Bernd Roggon im Namen der Deutschen Schachjugend. „Schach gehört in die Schule, das kann so viel bewirken, erklärt der Gymnasiallehrer aus Segeberg. Roggon erklärt, dass es der Jury besonders gefallen habe, wie das Schachspielen in den Schulalltag integriert ist. Außerdem sei es toll, dass kein Kind zu dem Spiel gezwungen wird, die AG mit regelmäßiger Kontinuität stattfindet und die Schule über eine gute Ausstattung mit Schachbrettern verfügt. Das Siegel gelte für vier Jahre, dann müsse es erneuert werden, damit der Standard aufrecht erhalten bleibe.

Roggon ist überzeugt von der Wirkung des Schachs auf die Gehirnentwicklung von Kindern und ebenso überzeugt, dass der Sport in die Grundschule gehört. „Das hat auch sehr viel Pädagogisches, was auf das Leben übertragbar ist“, erklärt Roggon. Und auch Marcus Wiegner schwört auf die Wirkung des Schachs auf die Kinder: „Sie lernen so viel: Konzentration, Problemerkennung, Strategie-Entwicklung und natürlich auch Fair Play und mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Beim Schach gibt es kein Glück, aber man ist hinterher immer etwas schlauer.“

Schulleiterin Christel Glöckner, die zur Feier des Tages mit einem kleinen Chor ein paar Stücke zum besten gab, ist sichtlich gerührt, als ihr stellvertretend für die Schule das Siegel überreicht wird: „Ich bin so stolz und glücklich und ich sehe den Erfolg bei den Schülern. Die Konzentration und Strategien des Schachspielen bringen sie wieder mit in den Unterricht.“

Seit 2008 wurden Bundesweit 65 Schulen von der Deutschen Schachjugend mit dem Gütesiegel ausgezeichnet. Roggon würde sich aber wünschen, dass es noch viel mehr werden. „Da gibt es Berührungsängste – oft auch von Seiten der Erwachsenen.“ Er lobte das Engagement der Schulleitung, Marcus Wiegners und des gesamten Personals – aber auch das der Eltern, die dieses Projekt unterstützen und den Kindern das Schachspielen ermöglichen.Er hoffe, dass sie die Botschaft weiter transportieren und noch mehr Schulen in Schleswig-Holstein ausgezeichnet werden können.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 10:15 Uhr

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