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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 09:44 Uhr

Kampf gegen die Natur : Sandaufspülungen schützen die Küste

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Aus Spezialschiffen werden jedes Jahr riesige Sandmengen an die Sylter Strände und auf das vorgelagerte Riff gepumpt

Es sind eindrucksvolle Schauspiele, besonders für die Touristen – es sind aber vor allem sehr wichtige Maßnahmen zum Küstenschutz auf Sylt: die Sandaufspülungen, die seit 1984 regelmäßig entlang der Westküste der Insel stattfinden. Auch in diesem Jahr werden wieder gewaltige Mengen bewegt. Seit Ende April sind von Hörnum bis nach List auf einer Küstenlänge von 10,5 Kilometern bereits 825  000 Kubikmeter Sand an den Strand gespült worden. Am Ende der bis Mitte Oktober andauernden Arbeiten soll eine Gesamtmenge von 1,36 Millionen Kubikmeter aufgespült worden sein. Das entspricht ziemlich genau der Menge an Sand, den die Insel jedes Jahr verliert. Der Grund für die Sand- und damit auch Strandverluste sind die vorherrschenden Westwinde und die dadurch hervorgerufene Brandung des Meeres: Sie tragen jährlich einen bis vier Meter Sand von der Westseite der Insel ab und verlagern ihn parallel zur Küste nach Norden oder Süden.

Sandaufspülungen gelten seit Jahrzehnten auf Sylt als die effektivste Küstenschutzmaßnahme. Zwar begann man vor über hundert Jahren damit, zunächst Buhnen, später Ufermauern und Deckwerke sowie die aus Hörnum und Westerland bekannten Beton-Tetrapoden zu errichten. Doch diese festen Bauwerke konnten die fortschreitende Erosion kaum verringern. Durch die Sandaufspülungen jedoch wurden umfangreiche Vordünen geschaffen: Der weitere Rückgang von Dünen, der Abbruch der Kliffe sowie die Zerstörung vorhandener Küstenschutzanlagen konnten so weitgehend verhindert werden.


Spülschiffe pumpen ein Wasser-Sand-Gemisch an den Strand

Bis 2015 wurden rund 46,7 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült, 2,3 Millionen davon in den Vorstrandbereich. Der Sand wird mit Spülschiffen aus einem acht Kilometer vor der Küste liegenden Gebiet entnommen. Aus 15 bis 30 Metern Tiefe saugen so genannte Hopperbagger ein Wasser-Sand-Gemisch an Bord, wo das Wasser sofort abfließt. Nach zirka einer Stunde ist der Laderaum mit Sand gefüllt. Anschließend fährt das Spülschiff in Richtung Küste und nimmt gut einen Kilometer davor das schwimmende Ende der Spülleitung auf. Mit viel Wasser wird der Sand dann an den Sylter Strand gepumpt und dort mit Planierraupen verteilt. Rund um die Uhr fahren die Baggerschiffe zwischen beiden Positionen hin und her – etwa sechs Mal am Tag, sechs Monate lang. Zusätzlich wird das mehrere hundert Meter vor der Uferlinie liegende Sandriff mit dem Gemisch versorgt. Damit wird die Belastung des Strandes durch Seegang verringert. Diese Arbeiten werden mit Split-Hopperbaggern durchgeführt, die ihren Laderaumboden öffnen können, um die Sandladung schnell und genau über dem jeweiligen Riffabschnitt zu verklappen.

Zurzeit erfolgt noch die Sandaufspülung in Hörnum-Nord mit der „Idun R“ und wird voraussichtlich bis Anfang August fertiggestellt. In Anschluss ist das Baggerschiff drei bis vier Wochen im Bereich Rantum-Süd im Einsatz. In der Regel erfolgt im dreiwöchigen Rhythmus an Bord ein Crew-Wechsel, zu dem die Schiffe die Gewässer vor Sylt für ein bis zwei Tage verlassen. Seit Mitte Juli versorgt der Split-Hopperbagger „Freja R“ den Vorstrand von Westerland mit Sand. Dort wurden aktuell schon zirka 35  000 Kubikmeter Sand verklappt, die Gesamtmenge beträgt 350  000 Kubikmeter. Bereits beendet sind alle Sandarbeiten von Kampen bis hoch nach List. Die Sandaufspülungen in diesem Jahr kosten insgesamt 7,2 Millionen Euro, teilt der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) mit.

 

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erstellt am 26.Jul.2016 | 05:30 Uhr

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