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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 03:34 Uhr

Fasten auf Sylt : Saftige Entwöhnung für den Körper

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hausputz von Innen: Im Pastorat von St. Severin in Keitum wird einmal pro Jahr gefastet. Wir haben Fasten-Neuling Maike Albermann durch die Woche begleitet.

Die Luft ist feucht, es riecht nach Gewürzen und Kerzenwachs: Auf dem Herd im Pastorat von St. Severin in Keitum kocht in einem riesigen Topf Biogemüse sprudelnd im Wasser. Diese mehrere Stunden lang gekochte Fastensuppe sowie Tee und Gemüsesäfte sind das einzige, was die Teilnehmer der Fastengruppe rund eine Woche lang zu sich nehmen werden. Seit rund acht Jahren veranstaltet Pastorin Susanne Zingel in der Zeit vor Ostern dieses besondere Treffen. An sieben Abenden, bis Mitte vergangener Woche, sind in diesem Jahr acht Frauen zusammengekommen: Neben dem Löffeln der Brühe stehen wechselweise Yoga, Andachten und Ernährungsberatungen auf dem Programm. Die Sylter Rundschau hat Maike Albermann während ihrer Fastenwoche begleitet und immer wieder interviewt.

„Ich hoffe, dass ich das durchstehe“, sagt Albermann am ersten Fastentag. Mit einem Entwöhnungstag, an dem nur Obst gegessen wird, und einem so genannten Entschlackungstag – an dem der Darm entleert wird – beginnt die Fastenwoche. Ab dann soll dem Körper eine Woche lang nur Flüssiges zugeführt werden: 50 Euro zahlen die Teilnehmer für eine Woche Abendprogramm im Pastorat und Heilfasten nach der Buchinger- Methode. Die 33-Jährige will in dieser Woche ihr Essverhalten infrage stellen und einen „Hausputz für den Körper“ vollziehen: „Man isst so viel aus Gewohnheit und nicht, weil man hungrig ist“, sagt sie.

Albermann ist die Jüngste in der Gruppe. Während viele der anderen Frauen schon über reichlich Fastenerfahrung verfügen, ist diese Zeit der Entbehrungen für sie neu. Die ersten drei Tage seien ihr leicht gefallen – ein Hungergefühl habe sie allerdings nicht verspürt, erzählt sie zu Beginn. „Nur an einem Abend hatte ich so richtig Japp auf Mettwurst.“ – „Der innere Schweinehund, der in den letzten drei Tagen durchkam, war am schlimmsten“, sagt Albermann zur Halbzeit. Das größte Problem für sie sei im Moment das Warten darauf, dass sich endlich der „Aha-Effekt“ einstellt, berichtet sie. „Seit gestern kämpfe ich nicht gegen den Hunger, sondern gegen die nachlassende Geduld“, sagt sie am vierten Tag. Und das, obwohl sie sogar standhaft geblieben sei, als sie am Wochenende für ihre Familie Gyros zubereitete: „Da hab ich Gurke und Fleisch geschnitten, ohne mir was in den Mund zu stecken“, sagt sie stolz.

„Die Passionszeit ist die Fastenzeit – dieser kirchlichen Tradition folgend, wollen wir die eingefahrenen Alltagsgewohnheiten unterbrechen, um offen zu werden für neue Wahrnehmungen“, erklärt Pastorin Zingel den christlichen Hintergrund der Veranstaltung. Das öffne den Geist und „die wunderbare Leichtigkeit des Seins werde entfacht“, sagt sie. Das Echo sei nach jedem Jahr so positiv gewesen, dass sie sich stets für eine Neuauflage der Fastenwoche im Pastorat entschieden habe.

Ob ayurvedische Kochlehren mit Gewürzen, Tipps für die Aufbauphase oder Andachten und Gebete: An den Abenden bietet die Pastorin den Frauen verschiedene Dinge an, um die Fastenerfahrung gemeinsam und bewusst zu erleben. „Sehr gut haben mir die gemeinsamen Abendgebete mit Orgelmusik in der Kirche gefallen“, sagt Albermann am Ende der Woche. Bereits in ihrer niedersächsischen Heimat habe sie als Leiterin von Jugendgruppen Erfahrungen in der christlichen Gemeinde gesammelt. Aber auch der Halt in der Gruppe und die Yoga-Übungen seien „großartig“ gewesen, schwärmt die junge Frau.

Das Fastenbrechen mit Gemüse nach sechs Tagen empfand Albermann schließlich als relativ unspektakulär: „Mein Magen hatte wieder etwas zu tun – aber sonst ist nichts passiert“, erzählt sie am Ende. Und auch wenn es nicht ums Abnehmen geht, sei es ein toller Nebeneffekt, dass sie zusätzlich drei Kilo abgenommen habe. Das Gefühl ihren Körper zu „entgiften“, sei zwar ausgeblieben, aber „vielleicht bin ich einfach zu jung dafür“, sagt Albermann. Vielleicht liege es aber auch daran, „dass ich am vierten Tag geschummelt habe und mir einen Joghurt mit Schokoflakes reingepfiffen habe“, sagt sie lachend. „Es war aber trotzdem eine super Erfahrung“, sagt sie rückblickend, „ich nehme ganz viel mit“.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 06:37 Uhr

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