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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 21:27 Uhr

Radfahren auf Sylt : Riskante Fahrt mit dem E-Bike

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zahl der Unfälle deutlich gestiegen - Kripo und Polizei ziehen Saisonbilanz

Auf Sylter Straßen sind immer mehr E-Bikes unterwegs. Viele Urlaubsgäste entscheiden sich beim Vermieter für das Fahrrad mit dem Elektromotor. Die Kehrseite der Medaille: Nicht alle Radfahrer kommen damit zurecht, einige überschätzen die Geschwindigkeit. Es kommt zu Stürzen und teils schweren Verletzungen. In dieser Saison hat sich die Zahl der Unfälle mit E-Bikes verdreifacht – von 7 auf 21. „Wir haben ein Problem mit E-Bikes“, konstatiert Polizeichef Dieter Johannsen. Mit dieser Zunahme belege Sylt landesweit einen Spitzenplatz.

Johannsen und Kripochef Christian Wiege haben die Unfallzahlen aus dem Zeitraum April bis Ende August ausgewertet. Bei den 21 Unfällen mit E-Bikes handelt es sich häufig um „Alleinunfälle“ – weitere Fahrzeuge waren nicht im Spiel. Betroffen waren meist ältere Menschen, die zuhause nur selten aufs Fahrrad steigen und vermutlich die Geschwindigkeit der elektrisch unterstützen Zweiräder unterschätzt haben. Die Zahl der Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern blieb mit 51 gegenüber 55 im Vorjahr nahezu konstant.

Insgesamt kam es in dieser Sommersaison auf Sylt zu 510 Verkehrsunfällen – das waren 29 oder sechs Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Dabei wurden 104 Menschen verletzt, 17 mehr als im Sommer 2015. Bei den meisten Verkehrsunfällen blieb es bei Sachschäden. Dabei habe sich das Chaos auf den Sylter Straßen mit Baustellen und Umleitungen nicht auf die Unfallhäufigkeit niedergeschlagen. „Wir sind aber guter Dinge, dass die Bauarbeiten am 31. Mai 2017 abgeschlossen sind“, bemerkte Dieter Johannsen.

Ein Dauerbrenner auf Sylt sind Konflikte zwischen partywütigen und ruhesuchenden Gästen. 42 Fälle von ruhestörendem Lärm verzeichnet die Sommerstatistik. Darunter fallen allerdings auch mittägliche Störungen, wenn Handwerker zwischen 13 und 15 Uhr zur Bohrmaschine greifen – auf Sylt eine Todsünde. „Die Leute rufen schnell nach der Polizei“, weiß Dieter Johannsen zu berichten.

„Die Polizei, Dein Freund und Helfer“ – ein Motto, an das sich die Gäste auch gern erinnern, wenn jemand etwas verloren hat. In dieser Saison hat die Wache ganze 131 Verlustanzeigen aufgenommen – „ein beachtlicher Berg.“ Wohl auch, weil das Revier rund um die Uhr geöffnet ist, anders als das Fundbüro. Ob Personalausweis, Ehering oder Smartphone – die Polizei ist stets erster Ansprechpartner für Menschen in Not.

Insgesamt registrierte die Leitstelle für Sylt zwischen April und Ende August 2600 Einsätze – rund 100 weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit rückten die Beamten im Durchschnitt 17 Mal am Tag zu Einsätzen aus – „für unsere Dienststelle ein relativ hoher Wert“, sagt Johannsen. Ansonsten aber blickt der Polizeichef zurück auf eine „ganz normale Saison.“

Das gilt auch für die Personalausstattung: Die 38-köpfige Sylter Polizei wurde durch 17 Kräfte aus dem Bäderdienst unterstützt, die von Februar bis September auf der Insel im Einsatz sind. Die Kriminalpolizei auf Sylt besteht ganzjährig aus acht Mitarbeitern.

Zu den ständigen Aufgaben der Polizei gehört auch der Einsatz am Terminal 1 des Flughafens, für den täglich zwei Beamte abgestellt sind. Außerdem mussten in der Sommersaison 53 Veranstaltungen von der Polizei begleitet werden, ob nun der Harley-Korso oder die Ringreiterumzüge auf den Dörfern. Schließlich listet die Einsatzstatistik der Schutzpolizei auch noch 37 Fälle von Polizeigewahrsam auf – meist betrunkene und orientierungslose Menschen, die eine Nacht in der Ausnüchterungszelle verbringen mussten.

Besonders lobt Dieter Johannsen die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit dem Roten Kreuz, den Feuerwehren und der Ordnungsbehörde. Die Verbundenheit habe sich insbesondere im Fall des herrenlosen Koffers am 26. Juli in der Westerländer Süderstraße bewährt. Der Kampfmittelräumdienst musste anrücken, doch letztlich wurden in der Aktentasche nur ein paar Landkarten gefunden.

Die Kollegen bei der Kripo mussten mehrere Todesfälle untersuchen. Bei Badeunfällen in Hörnum und Westerland verloren zwei ältere Männer ihr Leben. Am 6. September starb ein vier Monate alter Säugling. Gegen den Vater wird ermittelt.

Anrufe von falschen Polizeibeamten bei älteren Bürgern wurden sechs Mal gemeldet. Im Telefondisplay wurde dabei sogar die Rufnummer der Sylter Wache angezeigt. Die Anrufer versuchten herauszufinden, ob ihre Opfer über Wertgegenstände verfügen. Doch glücklicherweise ist keiner darauf hereingefallen.

Im August kam es zu mehreren Fällen von Sachbeschädigung. Unbekannte hatten Autos in List, Wenningstedt und Westerland zerkratzt. Einige Körperverletzungen wurden insbesondere aus der Kneipenmeile in der Paulstraße gemeldet. Beim Surfcup sei es in diesem Jahr sehr ruhig geblieben, berichtete Johannsen. Bei der Kripo seien nur ein paar geklaute Handys angezeigt worden, ergänzte Wiege.

Beim Thema Einbrüche war es in der Sommersaison eher ruhig. Die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt ist von 16 im Vorjahreszeitraum auf zwölf zurückgegangen. Allerdings dürfte es hier eine höhere Dunkelziffer geben, befürchtete Wiege. Kaum Probleme habe es mit Flüchtlingen gegeben, sagte der Polizeichef. Johannsens Fazit: „Die Integration funktioniert auf der Insel.“ Die Gemeinden kümmerten sich um die Asylbewerber.

Zum Schluss ein Tipp von den beiden Polizeichefs: Die Bewohner sollten zum Beginn der dunklen Jahreszeit die Beleuchtung ihrer Fahrzeuge überprüfen. Wichtig sei auch die Kontrolle der Lampen von Kinderrädern.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 05:30 Uhr

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