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Sylter Rundschau

07. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

DLRG auf Sylt : Rettungsschwimmer auf der Insel feiern Jubiläum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schwimmwettbewerb „Kampen Open Water“ für Jedermann – am Sonnabend in Kampen.

Ohne die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gäbe es auf Sylt nicht das Badevergnügen in seiner jetzigen Form. Die von ihr ausgebildeten Rettungsschwimmer sorgen an den insularen Stränden während der Saison für Sicherheit. Und das seit nunmehr 65 Jahren.

Gefeiert wird dieses Ereignis so, wie sich die DLRG Sylt sieht: ungezwungen, mit den Füssen unter freiem Himmel im Sand und nicht mit Schlips, Kragen und vielen Reden im stickigen Festsaal. „Wir gehen anlässlich unseres Jubiläums lieber mit Jedermann schwimmen“, berichtet Lars Lunk, „zum ersten Mal findet morgen das Kampen Open Water statt. Vor der Schwimmstrecke von 1300 Metern Länge zwischen dem Grande Plage und der Buhne 16 braucht niemand Angst zu haben. Wer einigermaßen sportlich ist, schafft die Strecke. Es geht ja auch nicht um die beste Zeit, sondern darum, dabei zu sein“, sagt der DLRG Sylt-Vorsitzende.

Weniger erfreulich sieht er die rasante Entwicklung des Nicht-mehr-schwimmen-Könnens allgemein. Ein Trend, der bundesweit zu verzeichnen ist und momentan auf Sylt dadurch abgeschwächt wird, dass die Schwimmhalle in List zur Verfügung steht und hier Schwimmunterricht gegeben werden kann.

Doch lernen immer weniger Kinder Schwimmen. Gründe dafür sieht Lunk in unterschiedlichen Bereichen: „Die Eltern motivieren ihre Kinder nicht mehr genug am Schwimmunterricht in den Schulen konsequent teilzunehmen. Sobald sie sich beklagen, sie frieren im Hallenbad, schreiben ihre Eltern ihnen eine Entschuldigung. Außerdem haben die Lehrer immer weniger Zeit für den Unterricht. Häufig fehlt auch ganz einfach die Möglichkeit dazu, denn aus immer mehr Schwimmhallen werden Spaßbäder, die nicht die notwendigen Lernbecken haben“, listet er auf.

Die Einsätze der Rettungsschwimmer an den Sylter Stränden häufen sich auch dadurch von Jahr zu Jahr. Erfasst werden sie in einer deutschlandweiten Statistik mit nachdenklich machenden Zahlen und sind auf der Internetseite der DLRG nachzulesen: 50 Prozent der Kinder, Jugendlichen und der Erwachsenen sind nach eigenen Angaben Nichtschwimmer und schlechte Schwimmer. 2015 erlebte die DLRG 673 Lebensrettungen und 488 Ertrinkungsfälle, was bedeutet, dass durchschnittlich jeden Tag drei Menschen aus dem Wasser gerettet werden müssen.

Doch nicht nur die fehlende Schwimmfähigkeit, sondern zudem das Streben nach mehr Erleben trägt Schuld an den steigenden Zahlen der Rettungsschwimmereinsätze auch auf Sylt. „Die Gäste machen immer kürzer Urlaub und wollen die wenigen Tagen dann komplett ausnutzen“, beschreibt Lunk die Entwicklung, „deshalb sind sie auch dann noch im Wasser, wenn unser Dienst offiziell schon beendet und der Strand unbeaufsichtigt ist“.

Wenn ein Unfall geschieht, muss der Rettungsschwimmer mit den psychischen Konsequenzen umgehen. „Der DLRG bietet seinen Mitgliedern Betreuung und Gespräche mit Fachleuten an. Trotzdem gibt es auch Kollegen, die nach einem gescheiterten Rettungsversuch nicht länger als Rettungsschwimmer arbeiten können. Auch dann nicht, wenn sie gar nichts hätten tun können, wenn der Ertrunkene zum Beispiel im Wasser einen Herzinfarkt gehabt hat und deshalb verstorben ist“, berichtet der Rettungsschwimmer.

Das Fehlen von Rettungsschwimmern kann auch auf Sylt zu Konsequenzen führen. Laut der bundesweiten Badestellenverordnung ist die Bewachung von Badestränden erforderlich. Fehlen die Rettungsschwimmer, kann nicht gebadet werden.

Gegründet hat sich die DLRG 1951 auf Sylt und hat heute rund 280 zumeist sehr aktive Mitglieder. „Die Jahreszahl steht aber nicht so ganz fest“, schränkt Lars Lunk schmunzelnd ein, denn mit den U-Bootfahrern im Krieg kamen Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Schwimmausbilder auf die Insel. In List und Westerland gründeten sich DLRG-Gruppen, die sich im Laufe der Jahre zu der DLRG Sylt zusammengeschlossen haben und bis heute ihre Hauptaufgabe so definieren: Aus Nichtschwimmer Schwimmer machen und aus Schwimmern Rettungsschwimmer. Unterstützen können die DLRG Sylt bei der Arbeit auch diejenigen, denen das nasse Element nicht so sympathisch ist. „Wir brauchen Hilfe auf allen Ebenen, auch im Vereinswesen. Unsere Kassenwartin war nie schwimmen, hat aber trotzdem unsere Finanzen bestens geregelt“, schmunzelt Lunk.

Weitere Informationen zum Kampen Open Water und der DLRG Sylt unter: www.sylt.dlrg.de



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