zur Navigation springen

Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 17:10 Uhr

Betriebsstart : RDC fährt nach Sylt - die wichtigsten Fakten zum neuen Autozug

vom

Es wurde viel gestritten und getestet - heute früh ist der erste reguläre Autozug des Betreibers RDC von der Insel gerollt.

Westerland/Niebüll | Am Dienstag soll der private Bahnbetreiber RDC seinen Autozug nach Sylt zum ersten Mal auf den Hindenburgdamm schicken - mit zehn Monaten Verspätung. Damit könnte der Streit um die Eisenbahntrasse ein Ende haben. Worum geht es eigentlich? Die wichtigsten Fakten zum neuen Autozug:

Darum geht's - der Hindenburgdamm

Lebensader der Insel Sylt – der Autozug auf dem Hindenburgdamm.
Lebensader der Insel Sylt – der Autozug auf dem Hindenburgdamm. Foto: DPA

Der Streit entzündet sich am Hindenburgdamm, der lukrativen Trasse durch die Nordsee. Der rund elf Kilometer lange Hindenburgdamm verbindet die Insel Sylt wie eine Nabelschnur mit dem Festland. Ohne diese Verbindung bliebe nur die Fähre. Über den Damm gelangen Urlauber, Einheimische und allerlei Güter per Zug auf die Insel. Damit auch Autofahrer mit ihren Wagen bequem nach Sylt kommen, nutzen zahlreiche Autozüge die 1927 eröffnete Verbindung.

Wie Bahn und RDC um die Strecke streiten

Der Streit ist so absurd, dass er sogar in der NDR-Satiresendung „Extra 3“ Thema war. 2015 hatte sich der Anbieter Rail Development Corporation Deutschland (RDC) bei der Vergabe teilweise gegen die Deutsche Bahn durchsetzen können. Demzufolge dürfen beide Firmen mit Autozügen auf die Insel fahren. Daraufhin weitete die Deutsche Bahn jedoch auch ihrerseits das Angebot aus - mit dem umstrittenen „Sylt-Shuttle Plus“. Da diese Autozüge als Fernverkehr zählen und bereits ab Bredstedt statt erst ab Niebüll verkehren, konnte die Bahn verhindern, dass RDC weitere Trassen erhält. Dieses „Plus“-Angebot ist jedoch langsamer und teurer als der Nahverkehr. Es sorgte im eng getakteten Fahrplan für Verspätungen - auch im Regionalverkehr. Zahlreiche Pendler, aber auch Sylter Arbeitgeber protestierten.

Das sind die neuen Züge

27 Waggons, eine Diesellok, 601 Meter lang - der erste komplette Autozug von RDC bei der Einfahrt im Bahnhof Westerland.

27 Waggons, eine Diesellok, 601 Meter lang - der erste komplette Autozug von RDC bei der Einfahrt im Bahnhof Westerland.

Foto: Pierre Boom
 

RDC möchte am Dienstag den regulären Betrieb mit zahlenden Autofahrern und deren Fahrzeugen zwischen Westerland und Niebüll aufnehmen. Dafür schaffte das Unternehmen einstöckige Transportwagen vom Typ „Sps“ und „Snps“ an. Sie strahlen in frischem blauen Lack und sind mit Lautsprechern und speziellen Notbremsen ausgerüstet. Dies ist notwendig, da die Fahrer bei der 35-minütigen Überfahrt in ihren Autos sitzen bleiben. Die einfache Strecke soll es regulär ab 40 Euro geben, die Deutsche Bahn verlangt 52 Euro.

Das Angebot - für den Anfang abgespeckt

An der Verladerampe in Westerland ist Spur 1 nun für den RDC-Autozug reserviert – doch die rote Ampel leuchtet dauerhaft.

An der Verladerampe in Westerland ist Spur 1 nun für den RDC-Autozug reserviert – doch die rote Ampel leuchtet dauerhaft.

Foto: Ralf Henningsen

 

Auch wenn RDC nun startet, soll es zunächst nur ein abgespecktes Angebot geben. Wegen Gleisbauarbeiten an der Strecke und im Bahnhof Westerland fährt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge zunächst nur werktags zweimal täglich hin und her. Außerdem soll der Zug erst mal nur halb so lang wie geplant sein, jeweils 30 Autos können mit. Erst von Dezember an will RDC täglich je sieben Verbindungen mit normal langen Zügen anbieten. Dann, so verspricht es Geschäftsführer Karsten Nagel, gehe es „richtig los“.

Zuvor war der Betriebsstart mehrfach verschoben worden, was den Unmut vieler Sylter verstärkte. Eigentlich stand Mitte Februar als Starttermin im Raum, dann „vor Ostern“. Unter anderem gab es Probleme mit den Notbremsseilen der neuen Waggons. Am 7. Mai 2016 kam der erste komplette Autozug von RDC auf Sylt an. Seit Sommer versucht RDC bei Testfahrten, sich in den Fahrplan einzugliedern. Zeitweise überließ die Firma der Bahn aber auch die Trassen. Dabei gab es immer wieder Verkehrsprobleme.

Die Erwartungen - „neugierig-gespannt“

Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt.
Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt.

Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel (parteilos) sehnt wie viele Insulaner den RDC-Start herbei. „Ich bin neugierig-gespannt“, teilte Häckel auch mit Blick auf die Organisation des Betriebs mit. Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD) hatte gemahnt, beide Unternehmen müssten sich so verständigen, dass eine störungsfreie Versorgung der Insel möglich ist. Der Antritt von RDC sei nach den Fehlankündigungen überfällig. Eine Bahn-Sprecherin sagte mit Blick auf den dann noch engeren Fahrplan auf der teilweise eingleisigen Strecke: „Es ist anspruchsvoll, aber wir sind darauf vorbereitet.“

So soll in Zukunft Ruhe auf dem Hindenburgdamm einkehren

Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD). /Archiv
Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD). /Archiv Foto: Felix Zahn
 

Damit der Hindenburgdamm nicht erneut zum Spielball von Wettbewerbsinteressen wird, hatte der Bundestag im Juli mit dem neuen Eisenbahnrecht strengere Kontrollen für den Sylt-Verkehr beschlossen. „Wir haben nun drei Schlüssel, um die bestehenden Konflikte besser zu steuern“, sagte Staatssekretär Nägele damals. Dem neuen Recht zufolge kann bei der Vergabe von Trassen nun darauf geachtet werden, dass es genügend Rangierkapazitäten in den Bahnhöfen gibt. Zudem müssen Unternehmen Trassen künftig zurückgeben, wenn sie sie nicht nutzen. Außerdem können bei überlasteten Gleisen fortan Personenzüge bevorzugt werden, etwa verspätete Regionalzüge.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Okt.2016 | 12:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen