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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 13:44 Uhr

Konkurrenz für Deutsche Bahn : RDC-Autozug fährt am Dienstag zum ersten Mal zwischen Sylt und Festland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der RDC will das Monopol der Deutschen Bahn beim Autozug beenden. Insulaner sparen 17 Cent pro Überfahrt.

Sylt | Jetzt geht’s endlich los: RDC will am kommenden Dienstag um 9.25 Uhr zum ersten Mal seinen blauen Autozug auf die Reise schicken. 44 Wochen und zwei Tage – so lange mussten Sylter und ihre Gäste darauf warten. Eigentlich sollte die deutsche Tochter der US-amerikanischen Railroad Development Corporation schon zum letzten Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 den Betrieb aufnehmen.

Allerdings will sich der private Betreiber erst langsam in den dichten Fahrplan über den Hindenburgdamm einfädeln. RDC fährt bis zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember nur montags bis freitags – am Wochenende wird das Feld dem Syltshuttle der Deutschen Bahn überlassen. Täglich gibt es zwei Abfahrten ab Sylt (Verladeschluss um 9.25 Uhr und 13.25 Uhr, Abfahrt 15 Minuten später) und zwei Abfahrten aus Niebüll (Verladeschluss um 10.30 Uhr und 15.30 Uhr, Abfahrt 16 Minuten später).

Außerdem haben die blauen Autzozüge von RDC zunächst auch nur die halbe Länge. Statt 27 Wagen gehen jedes Mal 14 Waggons auf die Reise, die komplette Zuggarnitur inklusive Lokomotive hat eine Länge von 300 statt 600 Metern. Jeder Autozug hat daher nur Platz für 30 Fahrzeuge und befördert nur Pkw und kleine Transporter bis 2,10 Meter Höhe – das reicht für die meisten Geländewagen und VW-Busse ohne Aufbauten. Dabei setzt RDC zunächst nur einstöckige Waggons ein, den ungeliebten Platz unten gibt es nicht. Daher der inoffizielle Werbespruch der Amerikaner: „Bei uns fahren Sie immer oben.“

25 Euro – so viel kostet die einfache Fahrt zum Aktionspreis in den ersten drei Wochen. Das ist günstig im Vergleich zum Standardpreis der Bahn, der mit 52 Euro mehr als doppelt so teuer ist. Aber kaum interessant für vielfahrende Insulaner, die mit der Zwölferkarte für den Syltshuttle auf einen Preis von 19,17 Euro pro Überfahrt kommen.

Grund des eingeschränkten Zugangebots sind die Gleisbauarbeiten rund um den Westerländer Bahnhof, die für den November angesetzt sind. In der Woche vom 7. bis 11. November stellt der RDC-Autozug seinen Betrieb komplett ein. Am 14. November geht es dann wieder los, aber zu regulären Preisen.

RDC unterscheidet nach Wochentagen: Montags und freitags kostet die einfache Fahrt 45 Euro, dienstags bis donnerstags 40 Euro. Hin- und Rückfahrkarten kosten 80 Euro bzw. 70 Euro. Zum Vergleich: Der Syltshuttle kostet für die einfache Fahrt 52 Euro, hin und zurück 92 Euro. Eine „DiMiDo-Fahrkarte“ für die Wochenmitte gibt es hin und zurück für 79 Euro. Außerdem bietet die Deutsche Bahn eine Zwölferkarte für 460 Euro an – das entspricht dem Preis von fünf Hin- und Rückfahrkarten. 45 statt 52 Euro – RDC unterbietet den Fahrpreis des Syltshuttles damit um knapp 13,5 Prozent.

Doch genauso wie die Deutsche Bahn bietet auch RDC Sonderkonditionen für Insulaner an, deren Fahrzeug auf Sylt zugelassen sein muss – beide Anbieter berechnen Syltern etwa den halben Preis. Die Zehnerkarte soll bei RDC 190 Euro kosten, der Preisvorteil gegenüber der Zwölferkarte der Deutschen Bahn würde also bei 17 Cent pro Überfahrt liegen.

Peter Schnittgard freut sich über die Nachricht vom RDC-Betriebsstart, hält sich mit seinen Erwartungen allerdings zurück. „Wenn jetzt der Startschuss fällt, hat die ungewisse Zeit endlich ein Ende. Wir warten ja immerhin lange genug auf diese Nachricht“, betont der Bürgervorsteher gegenüber der Sylter Rundschau, „daher ist es jetzt sicherlich höchste Zeit, damit der Ärger auf der Insel nicht noch größer wird“.

Prinzipiell sei es positiv, dass das Bahnunternehmen nun zeigen kann, dass es mit seinen Zügen generell fahren kann, allerdings liege ein schwieriger Winter vor RDC: „Den nächsten großen Ansturm erwarten wir Weihnachten, spätestens dann wollen wir wissen, woran wir sind und ob wir uns auf RDC verlassen können“, sagt Schnittgard. Die Gleisarbeiten, Bahnsteig-Arbeiten und Sperrungen des Bahnhofs Westerland würden allerdings zu einer schwierigen Bewährungsprobe werden, vermutet der Bürgervorsteher. „In dieser Situation müssen wir uns zusammenreißen, aber vor allem zusammenarbeiten.“ Es sei an der Zeit, nicht mehr zu streiten, sondern gemeinsam zu handeln, betont er. „Neugierig-gespannt“ ist auch Bürgermeister Nikolas Häckel – vor allem im Hinblick auf die organisatorische Umsetzung des neuen Angebots.

So oder so, der 18. Oktober 2016 dürfte für Sylt ein historisches Datum sein. Nach rund 70 Jahren verliert die Deutsche Bahn ihr Monopol für den Autozug zwischen Sylt und dem Festland – so lange bestimmte sie Qualität und Preis des Angebots. Nun muss RDC beweisen, dass es besser geht. Oder billiger.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 18:35 Uhr

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