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Sylter Rundschau

09. Dezember 2016 | 16:34 Uhr

INTERVIEW : Polizist mit Leib und Seele

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Gespräch blickt der Sylter Polizeichef Haye Jebsen zurück auf 44 Dienstjahre und verrät, ob die Insel aus Polizeisicht ein Stück heile Welt ist

Der Leiter der Polizei Sylt, Haye Jebsen (60), ist in den Ruhestand gegangen. Die Sylter Rundschau hat den frischgebackenen Pensionär interviewt und zu seiner Zeit bei der Sylter Polizei und seinen Plänen für den Ruhestand befragt.

Wie sind die ersten Tage im Ruhestand? Fehlt Ihnen schon etwas?

Ja, es sind die sozialen Kontakte. Ich hab gerne in dem Team gearbeitet, wir haben viel mit den Leuten gesprochen und ich stelle doch fest, dass die sozialen Kontakte aus dem Berufsleben ziemlich abrupt abgeschnitten sind. Daran muss man sich erst gewöhnen.

Aber Sie müssen sich um ihre Familie und ihre Enkel kümmern...

Ich habe zwar keinen konkreten Fahrplan, wie mein Ruhestand aussehen soll. Aber erstens stand ich vorher schon im Familienverbund, der sehr eng ist bei uns, mit meiner Frau und meinen drei Kindern. Dazu gehören drei Enkel, das vierte ist im werden. Und da wir alle im norddeutschen Raum, sogar im Landesteil Schleswig geblieben sind, haben wir es einfach, zueinander zu finden und den Familienverbund zu halten. Und zweitens werden meine Frau und ich versuchen, uns fit zu halten. Wir fahren gerne Fahrrad. Ich werde alleine Touren unternehmen, weil meine Frau noch berufstätig ist, aber sobald sie Freizeit hat, machen wir gemeinsame Touren.

Gibt es darüber hinaus noch Pläne? Haben Sie Reisen geplant?

Reisen gehört sicher auch dazu, aber solange meine Frau noch berufstätig ist, wird sich das auf die Urlaubsphasen beschränken. Aber wir sind schon immer reiselustig gewesen und werden auch ohne spezielle Ziele weiter mobil und beweglich durch die Lande ziehen.

Wie kamen Sie 1972 dazu, Polizist zu werden?

Eigentlich durch ein Zeitungsinserat, in dem die Landespolizei Nachwuchs suchte. Das hat mich und einen Schulfreund bewogen, nach Eutin zu fahren und die Prüfung zu machen. Wir wurden beide angenommen. Er ist im April in den Ruhestand gegangen und ich bin ihm jetzt gefolgt. Damals als 16-Jährige waren wir ja noch Landeier und hatten noch kaum Vorstellungen vom Berufsleben. Heutzutage sind 16-Jährige ja schon fast erwachsen. Insofern war das schon ein großer Schritt nach Eutin.

Für viele ist der Polizeidienst auch heute noch ein Traumberuf. Hatten Sie damals das Ziel, die Welt zu verbessern?

Nein, ich hatte solche Ziele nicht, weil das Bewusstsein dafür in dem Alter noch fehlte. Es war ein Beruf, der interessant schien. Ich finde es wichtiger, das in der Nachschau zu betrachten. Es war für mich der ideale Beruf, weil er am Bürger geleistet werden konnte, er meinen Vorstellungen entsprach und außerordentlich vielfältig ist. Man kann Dienststellen wechseln und unterschiedliche Tätigkeiten aufnehmen. Ich war in der Leitstelle, ich war Stationsbeamter in Niebüll, ich war bei der Schichtdienststelle auf Sylt, ich war beim Landeskriminalamt und habe mitgewirkt, die Einbruchskriminalität durch osteuropäische Banden zu bekämpfen – es ist so vielschichtig. Das macht es enorm interessant. In vielen anderen Berufen wechselt man vielleicht mal den Arbeitgeber, aber übt doch meist die gleiche Tätigkeit aus. Das ist bei der Polizei wesentlich vielfältiger und aus meiner Sicht wesentlich interessanter.

Gibt es sowas wie das schönste Erlebnis oder den größten Erfolg in Ihrer Laufbahn?

Ein spezielles Ereignis, das sich so eingeprägt hätte, dass ich es nach 44 Jahren Laufbahn ganz oben abgespeichert hätte, gibt es eigentlich nicht. Viel wichtiger in der Nachschau sind für mich die Menschen, mit denen man zu tun gehabt hat. Von meinem Polizeidienst hier, den ich direkt am Bürger geleistet habe, die Sprache der Leute – ich spreche plattdeutsch und friesisch, bin sehr bodenständig, kann mich mit den Leuten offen unterhalten, so dass ich sehr schnell zu den Leuten gefunden habe. Das war äußerst angenehm, sowohl im Kollegenkreis sowie auch den Bürgern gegenüber. Das habe ich außerordentlich genossen. Ich fand das sehr angenehm.

Trotz der Touristen, die auf die Insel drängen?

Ja, auch trotz der Touristen. Es geht alles immer menschlich zu. Wenn einer sehr bodenständig ist und im Team arbeiten will, dann ist dieser Beruf mit den Kollegen, die ich kennengelernt habe, ideal. Ich gehe als zufriedener Polizeibeamter. Ich hatte eine schöne Dienstzeit.

Ist Sylt denn aus der Sicht eines Polizisten ein Stück heile Welt?

Nein. Sylt ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, ganz normal, hat aber einige Besonderheiten. Klar, die Insel als Touristenstandort ist aber ein bisschen auch die Insel der Widersprüche. Wir haben Luxus, wir haben sehr bescheidene Personalunterkünfte und einfachen Wohnraum, aber wir haben auch das absolut Exklusive. Wir haben viel Umwelt und Natur, auf der anderen Seite aber auch ziemlich starke Einflüsse aus Wirtschaft und Verkehr. Viele Autos, ein Flughafen – das ist schon im gewissen Sinne eine Insel der Gegensätze. Das macht es aber interessant und der ständige Wechsel von Touristen ist auch abwechslungsreich. Es ist eine tolle Insel – der Meinung bin ich heute noch – und auch eine tolle Dienststelle.

Gibt es da etwas Bestimmtes, was sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben würden?

Ich weiß, dass er die Voraussetzungen hat, die Dienststelle im besten Sinne zu leiten, weil er auch einer ist, der Menschen mitnehmen kann und will, und er rückt den Menschen auch in den Vordergrund. Das Menschbleiben ist etwas, das wir niemals vergessen sollten.

Kommen sie noch manchmal rüber von Niebüll, um ihre Dienststelle zu besuchen?

Ich habe mir fest vorgenommen, die Verbindung zu den Kollegen und zu der Dienststelle zu halten. Anfang September werde ich bei der Saisonabschlussparty dabei sein, wenn unsere Sommerverstärkungskollegen zum 1. Oktober wieder gehen. Ich werde versuchen, die Verbindung zu halten, weil mir die Menschen ans Herz gewachsen sind.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 05:04 Uhr

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