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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 09:38 Uhr

Thermenabriss : Politik lehnt neue Zech-Angebote ab

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bauunternehmer verzichtet auf Teil seiner Forderungen, verlangt aber Gegenleistungen. Einigung zum Abriss der Keitum-Therme scheint aussichtslos.

Es war Vertraulichkeit vereinbart im Hauptausschuss, zunächst sollte in den Fraktionen beraten werden – doch mittlerweile sind erste Details bekannt geworden zu den Gesprächen von Nikolas Häckel und Kurt Zech über einen möglichen Abriss der Ruine der Keitum-Therme. Der Bauunternehmer und Hauptgläubiger im Insolvenzverfahren hat der Gemeinde Sylt einen erneuten „Deal“ vorgeschlagen.

Offensichtlich ist er bereit, auf einen Teil seiner Forderungen in Höhe von 1,5 Millionen Euro – mit Zinsen sogar 2,3 Millionen – zu verzichten, falls ihm folgende Zugeständnisse gemacht werden: Es soll erlaubt werden, dass die Fassade seines neuen Hotels „Landhaus Severin’s“ auf dem Morsum-Kliff weiß geschlämmt und damit dem Stil des Severin’s Resorts in Keitum angepasst wird. Dafür will Zech seine Ansprüche um 300  000 Euro verringern. Auf den gleichen Betrag würde er verzichten, falls ihm für den Keitumer Hotelkomplex ein „baulicher Umgebungsschutz“ gewährt wird – will heißen: Auf dem benachbarten gemeindeeigenen Grundstück hinter dem Friesensaal dürften keine Dauerwohnungen für Sylter errichtet werden. Diese Pläne liegen derzeit ohnehin „auf Eis“, weil auch im südlichen Teil der so genannten Christiansen-Wiese Baurecht entstünde, falls die Gemeinde im Norden baut. Ob Zech im Fall der Zugeständnisse auf Zahlung der restlichen 900  000 Euro besteht und wer den Abriss der Thermenruine bezahlt, ist unklar.

Die Sylter Rundschau hat nachgefragt, was die Politiker von diesen Angeboten halten. Für Gerd Nielsen sind die neuen Vorschläge von Bauunternehmer Kurt Zech „vollkommen unannehmbar.“ Es würde sich gar nicht lohnen, darüber in der Fraktion überhaupt noch zu beraten, sagte der SPD-Politiker. „Mir ist auch unbegreiflich, warum Bürgermeister Nikolas Häckel uns dies im Hauptausschuss ernsthaft vorgetragen hat.“ Die SPD-Fraktion stehe zu dem Beschluss der Gemeindevertretung, die Thermenruine auf eigene Kosten abreißen zu lassen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel in den Haushalt 2017 einzustellen. „Das sollten wir baldmöglich beschließen, um eine Ausschreibung für die Abrissarbeiten auf den Weg bringen zu können.“ Darüber könnte bereits auf der Gemeindevertretersitzung am kommenden Donnerstag beraten werden, so der SPD-Fraktionschef.

Fast gleichlautend äußerten sich die Fraktionsvorsitzenden der CDU und der SWG: „Ich stehe diesen Angeboten nicht positiv gegenüber“, sagte Wolfgang Jensen (CDU). Aber man werde am Dienstag in der Fraktion diskutieren und wenn die Meinung öffentlich gemacht werden kann, „dann ist das okay.“ Als „nicht akzeptabel“ bezeichnete Erik Kennel (SWG) die neuen Offerten: „Wir sollten keine Gedanken daran verschwenden, mit Herrn Zech irgendeine Art von Deal zu vereinbaren.“ Die Sylter Wählergemeinschaft werde alles dafür tun, dass die Ruine der Keitum-Therme im Laufe des kommenden Jahres endgültig abgerissen wird.

Auch die Insulaner/Piraten halten die Gespräche mit Zech für gescheitert. Die Vorschläge, für eine minimal verringerte Forderung einen umfangreichen Umgebungsschutz für das Severins’s-Hotel zu erhalten, widersprächen der gemeindlichen Verantwortung, die Schaffung von Dauerwohnungen in Keitum zu sichern. Die Fraktion fordert, umgehend einen neuen B-Plan für die gesamte Umgebung aufzustellen. Damit soll ermöglicht werden, dass auf der Christiansen-Wiese neuer Wohnraum entstehen kann: Der südliche Teil soll für freien Wohnungsbau unter Berücksichtigung einer 60/40-Regelung, der nördliche Teil für Wohnungsbau durch KLM ausgewiesen werden.

Auf Nachfrage erklärte Bauunternehmer Kurt Zech gegenüber der Sylter Rundschau, dass er mit Bürgermeister Nikolas Häckel verschiedene Möglichkeiten einer Lösung für den Thermenabriss diskutiert habe. Warum die Politik ohne weitere Diskussion bereits im Vorwege alles in Bausch und Bogen ablehne, könne er nicht nachvollziehen. Mit ihm habe bisher noch immer niemand aus der Politik gesprochen, was er sehr bedauere.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 05:40 Uhr

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