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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Radweg auf dem Hindenburgdamm : Piraten wollen Sylter Bahnchaos mit einer besonderen Idee in den Griff bekommen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Verkehrsminister Meyer findet die Idee der Piratenfraktion faszinierend – umsetzbar sei sie jedoch nicht.

Westerland | Wer regelmäßig mit dem Zug über den Hindenburgdamm fährt, mag darüber schon fantasiert haben: Einmal die gut elf Kilometer quer durch das Wattenmeer mit dem Fahrrad zu radeln.

Immer mal wieder gibt es Vorstöße, die Idee in die Tat umzusetzen. Besonders die Piratenfraktion im Kieler Landtag nimmt sich dem Thema in regelmäßigen Abständen an. Der neueste Vorstoß ist dem anhaltenden Bahnchaos geschuldet. „Um die Nerven der Pendler jetzt und in Zukunft deutlich zu schonen, legt die Piratenfraktion bei ihrer Forderung nach einem Radweg über den Hindenburgdamm nach“, schreibt die Partei in einer Mitteilung.

Dazu der verkehrspolitische Sprecher der Piraten, Uli König: „Verkehrsminister Reinhard Meyer hat im vergangenen Plenum selbst eingeräumt, dass die Bahnprobleme uns erst einmal erhalten bleiben. Ein Radweg über den Hindenburgdamm ist und bleibt da aus Piraten-Sicht eine echte Alternative“. Mit E-Bikes sei die elf Kilometer lange Strecke zwischen Insel und Festland nach König „auch bei ungemütlichem Wetter ohne Probleme zu meistern. Getreu dem norddeutschen Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.“

Verkehrsminister Reinhard Meyer findet die Idee zwar „faszinierend“, eine Möglichkeit, diese umzusetzen, sieht er jedoch nicht. Denn erstens sei der Hindenburgdamm ein Bahnbetriebsgelände, das grundsätzlich nicht betreten werden dürfe, und zweitens gebe es massive Probleme mit der Verkehrssicherheit. Die Wind- und Sichtverhältnisse zwischen Bahndamm und Nordsee seien bekanntermaßen mehr als schwierig und dürften nicht unterschätzt werden. Kommt ein Radler vom Weg ab und rutscht ins Wasser, hat er es mit heimtückischen Tideströmungen zu tun.

Um den Schutz des Nationalparks und die Sicherheit der Radwegnutzer zu gewährleisten, müsste sichergestellt werden, dass der Radweg nicht verlassen werden kann – was jedoch quasi unmöglich sei, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Auch die Gefahr, von Gegenständen getroffen zu werden, die unachtsame Reisende aus vorbeirauschenden Zügen werfen, sei erheblich. Die Rettungsmöglichkeiten für möglicherweise verunfallte Radler hingegen wären begrenzt.

Die Sicherheitsrisiken, die Minister Meyer anspricht, seien „alles Ausreden“, sagt Uli König von den Piraten. Vor allem der Punkt, dass die Rettungsmöglichkeiten begrenzt seien, möchte der Politiker so nicht hinnehmen: „Der Rettungsweg neben den Schienen wurde ja genau zu diesem Zweck gebaut – wenn ein Zug dort verunglückt müssen die Menschen ja auch gerettet werden.“

Von einem Gegenstand aus einem vorbeifahrenden Zug getroffen zu werden sei „wie ein Sechser im Lotto“, so König, und bei schlechten Wetterverhältnissen könnten Warnschilder und Absperranlagen installiert werden, die vor Hochwasser warnen. „Auf Sylt gibt es zahlreiche Fahrradwege, die auf oder neben einem Deich entlangführen. Da werden diese Risiken nicht angebracht.“

König sieht in der Idee auch Chancen, sowohl für die E-Bike-Industrie, als auch für den Tourismus auf der Insel: „Für die sogenannten Pedelecs könnte die Freigabe des Radwegs der Durchbruch sein. Neben den Pendlern und den zahlreichen Fahrradverleihen würde natürlich vor allem auch der Tourismus von einem regen E-Bike-Verkehr profitieren.“

Für den Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, ist das Thema „Radweg auf dem Hindenburgdamm“ derzeit kein Thema. „Sollte es dazu kommen, dass ein Radweg über den Hindenburgdamm geführt werden sollte, dann würde die Gemeinde sicher auch für eine Anbindung an das hiesige Radverkehrsnetz sorgen“, sagte er gestern gegenüber der Sylter Rundschau. „Da es sich jedoch nur um einen landespolitischen Impuls handelt, wird sich die Verwaltung damit derzeit nicht befassen.“

König will die Idee nicht aus den Augen lassen. „Voll besetzte Reisebusse auf Autozüge zu laden, weil Passagierwaggons fehlen, ist doch maximal eine skurrile Notlösung“, so der Politiker. „Wir Piraten bleiben deshalb am Ball und erarbeiten derzeit eine neue Initiative zum Ausbau der Radstrecke nach Sylt.“
 

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 02.Dez.2016 | 04:26 Uhr

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