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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 15:19 Uhr

Bauprojekte auf Sylt : Parken auf Tausenden Wasserkisten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die erste Bauphase des unterirdischen Rückhaltebeckens für Regenwasser am Bahnhof Westerland ist fast abgeschlossen.

Was nach einer skurrilen Wette aus einer Fernsehshow klingt, kann am Westerländer Bahnhof bald täglich ausprobiert werden: Wie parkt man 44 Autos auf 3600 Wasserkisten? Genau so viele der 80 mal 80 Zentimeter großen Plastikbehälter wurden in den vergangenen Wochen auf dem Parkplatz neben den Bahngleisen in der Erde versenkt. Damit ist ein riesiges unterirdisches Rückhaltebecken entstanden, in das zukünftig die Wassermassen abgeleitet werden sollen, die bei Starkregenfällen immer wieder zu heftigen Überschwemmungen im Bereich Kirchenweg und Trift geführt haben.

„Diese Anlage ist jetzt die Zweite, die wir auf der Insel bauen“, sagt Reiner Brudnitzki, der Abteilungsleiter Tiefbau der Gemeinde Sylt. „Allerdings ist das Becken hier mit einem Rückstauvolumen von 1500 Kubikmetern deutlich größer als das unter dem Andreas-Nielsen-Parkplatz mit 600 Kubikmetern.“ Seit Ende Juni mussten abschnittsweise zuerst große Mengen Erde auf der 1250 Quadratmeter umfassenden Fläche ausgehoben werden. Dann wurde in die etwa zwei Meter tiefe Baugrube eine Kieselschicht eingebracht, auf der die jeweils 66 Zentimeter hohen Wasserkisten in zwei Etagen übereinander stehen. Diese Arbeiten wurden gestern abgeschlossen und die letzten Behälter mit Folie verkleidet. Anschließend überdecken Bagger die gesamte Fläche mit einer 80 Zentimeter hohen Erdschicht, bevor alles asphaltiert und gepflastert wird. „Das schafft über den Plastikkisten eine Standsicherheit, die sogar für einen Schwerlastverkehr ausreichen würde“, erläutert der Tiefbauexperte. In einer zweiten Bauphase – etwa ab Anfang November, „in der verkehrsschwachen Zeit“, wie Brudnitzki betont – werden die Rohranschlüsse von dem Rückhaltebecken zu dem vorhandenen Entwässerungssystem unter den Straßen Richtung Westen und Norden installiert. Dazwischen wird ein so genanntes Trennbauwerk errichtet: Erst ab größeren Regenmengen, wenn diese Anlage zu drei Vierteln gefüllt ist, wird das Wasser zunächst wie in einem Fettabscheider von möglichen Schadstoffen wie Motorenöl getrennt und dann automatisch unter den Parkplatz geleitet. „Das Problem in dem abschüssigen Bereich sind ja weder Dauerregen noch kurze Schauer“, so Brudnitzki. „Das Problem sind Starkregen, die 20 bis 30 Minuten dauern und bei denen die Niederschlagsmenge größer als 20 Millimeter je Quadratmeter ist.“ Ist das Unwetter vorbei, sorgen zwei Pumpenanlagen unter dem Parkplatz dafür, dass das Wasser aus dem Kistensystem in das Kanalnetz zurückgeleitet wird.

Wieder nutzbar sein soll der Parkplatz voraussichtlich Ende dieses Jahres, erklärt Reiner Brudnitzki. Die Baukosten für das aufwändige Projekt betragen 1,27 Millionen Euro – eine Hälfte kommt aus dem Haushalt der Gemeinde Sylt, die andere wird über die Oberflächenentwässerungsgebühren refinanziert, welche alle Grundstückseigentümer in Westerland-Mitte zahlen müssen.

 

 

 

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erstellt am 26.Aug.2016 | 00:00 Uhr

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