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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 09:39 Uhr

Plastikmüll auf Sylt : Papiertüten sollen der Verschmutzung der Insel entgegenwirken

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wie kann man den Gebrauch von Plastiktüten auf der Insel verringern? Dieser Frage stellt sich jetzt die Sylter Politik.

Kunden auf der Insel sollen beim Einkaufen weniger Plastiktüten benutzen: Das haben die Mitglieder des Umweltausschusses auf ihrer jüngsten Sitzung am Montag beschlossen. Jetzt müssen noch die Gemeindevertreter über diese Empfehlung abstimmen. Grundlage für den Beschluss war ein Antrag der Sylter Wählergemeinschaft (SWG) über die „Fassung einer Resolution zur Vermeidung von Plastikmüll“. Das Thema soll im bereits bestehenden Projekt „Heimatliebe Sylt – Plastikinsel Nein Danke!“ – in welchem die Gemeinde Sylt bereits Kooperationspartner ist – weiter bearbeitet werden.

Plastik im Meer

In den Ozeanen haben sich bereits riesige Plastikmüll-Strudel gebildet: Viele Meerestiere sind gefährdet, weil sie die Kunststoffbeutel mit Nahrung verwechseln oder sich darin verheddern. Im Meer gelöste Kunststoffe (Mikroplastik) können über die Nahrungskette auch auf unseren Teller gelangen.  Um Müll zu vermeiden, hat die EU ihren Mitgliedsstaaten vorgegeben, den Plastiktüten-Verbrauch in den nächsten Jahren deutlich zu reduzieren.  Rund 20000 Tonnen  Müll landen  vermutlich  jedes Jahr in der Nordsee  – davon werden rund 15 Prozent an die Strände gespült.

 

„Ich finde es ganz wichtig, dass das Projekt auch politisch mitgetragen wird“, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel. Dadurch könnten auch andere Bereiche wie die Wirtschaft oder touristische Interessen mit einbezogen werden. „Ich kann mir vorstellen, dass Plastiktüten richtig Geld kosten, um so dafür zu sorgen, dass die Kunden auch eigene Stoffbeutel mitbringen“, beschreibt Häckel eine mögliche Zusammenarbeit zwischen der Initiative „Heimatliebe Sylt – Plastikinsel Nein Danke!“ und der Politik. Zudem sollten wieder Papier- statt Kunststoffbeutel in der Obst-und Gemüseabteilung hängen. Er könnte sich vorstellen, dass Sylt – unter anderem auf diese Weise – irgendwann zu einer plastiktütenfreien Insel werden kann.

Mit ihrem Antrag will die SWG-Fraktion bestehende Initiativen unterstützen und verstärken. Die Resolution richte sich an die Sylter Einzelhändler, an die sie appelliert, freiwillig auf Plastiktüten im Handel zu verzichten, sagt Gemeindevertreter Erik Kennel (SWG). „Wir Sylter finden es an der Zeit, mit dem Plastiktütenverzicht sofort zu beginnen, um unsere Meere vor weiterer Verschmutzung zu bewahren“, heißt es in dem Papier. Die Tüten würden demnach meist nur kurz genutzt, könnten aber bis zu 450 Jahre fortbestehen.

Die Sylter Unternehmer sollen die Resolution an die Sylter Einzelhändler überreichen. Zu den Vorschlägen, wie diese Pläne konkret umgesetzt werden können, gehört es, dass Einwegtüten aus dem Sortiment genommen und durch mehrfach verwendbare Taschen, Beutel und Körbe ersetzt werden.

Das entspricht auch der Vorstellung von Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft Sylt, die zudem für einen Verzicht auf Coffee-to-go-Becher plädiert. Zusammen mit den Sylter Werkstätten hat die Naturschutzgemeinschaft vor einigen Monaten die Initiative „Heimatliebe Sylt – Plastikinsel Nein Danke!“ gestartet – die Schirmherrschaft hat Nikolas Häckel übernommen. Menschen mit und ohne Behinderung auf der Insel haben es sich zur Aufgabe gemacht, auf die Problematik der Plastikverschmutzung im Meer und an Land hinzuweisen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zum Mitmachen zu animieren. Gerade entwickeln sie – gemeinsam mit einer Spezialfirma – eine neue Papiertüte, die demnächst in einigen Geschäften auf der Insel getestet werden soll. Die Tüten sollen gesund sein für alle, die mit dem Produkt in Berührung kommen, sowie später wieder dem biologischen Kreislauf zugeführt werden können.

Der Zusammenarbeit mit der Politik steht die Gruppe grundsätzlich positiv gegenüber – fordert aber auch Taten von der Politik. „Ich wünsche mir, dass es auf der politischen Ebene nicht bei Worten bleibt, sondern auch konkrete Ideen kommen“, sagt Ludwig. Denn hier habe die Gemeinde die Chance etwas zu tun und zum Beispiel im touristischen Bereich mehr auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Gestartet war die Aktion im November 2015 mit einer Ausstellung in den Sylter Werkstätten sowie im Westerländer Rathaus. Sie sollte einen Beitrag dazu leisten, umzudenken und das eigene Handeln in Sachen Müllproduktion zu hinterfragen. Mitte Januar hatte das Anti-Plastik-Team im Rahmen des Projekts eine große Müllsammelaktion im Naturschutzgebiet Listland veranstaltet. Rund zehn Kubikmeter Müll wurde damals gesammelt.

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erstellt am 06.Jul.2016 | 05:41 Uhr

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