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Sylter Rundschau

31. August 2016 | 04:12 Uhr

Serie Handwerk auf Sylt : „Ohne Smartphone geht bei uns gar nichts mehr“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Andreas Hansen, Obermeister der Fachinnung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik der Insel Sylt, spricht im Interview über die Herausforderungen und Perspektiven seiner Branche

In einer neuen Serie um das Handwerk stellen wir die Gewerke auf Sylt vor. In den kommenden Wochen werden wir mit allen Meistern der Handwerksinnungen über Nachwuchssorgen, Qualitätsansprüche auf Sylt, Kostendruck und über die Situation der Auszubildenden sprechen. Heute erläutert Andreas Hansen, der Obermeister der Fachinnung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik der Insel Sylt, welchen Herausforderungen sich die Mitarbeiter seiner Branche stellen müssen, welche Perspektiven die Auszubildenden haben und warum heutzutage ein Smartphone genauso wichtig ist wie eine Rohrzange.

Herr Hansen, wenn Sie für Ihr Handwerk werben sollten, was würden Sie dann sagen?
Unser Handwerk ist sehr ab-wechslungsreich. Man muss flexibel und spontan sein und sich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen, denn man weiß nie, welche Aufträge der Tag so bringt. Und wenn man dann das fertige Produkt sieht, sprich ein fertiges Bad, eine funktionierende Heizungsanlage oder einen schicken Wellnessbereich, dann macht das wirklich Spaß. Außerdem sind wir ein schnelles Gewerk, das heißt, dass wir unsere Kunden sehr schnell bedienen können, schnell einsatzbereit und flexibel sind.

Gibt es auf Sylt genug Auszubildende in Ihrem Handwerk?
Nein, Azubis sind Mangelware, vor allem solche, die die Lehrzeit von dreieinhalb Jahren durchstehen und ihren Abschluss schaffen. Ich selbst hatte drei Azubis und jetzt ist nur noch einer übrig.

Wie sind die Anforderungen an den Azubi, was sollte er an Fähigkeiten mitbringen?
Er sollte technisch interessiert sein, mindestens einen Hauptschulabschluss oder gerne mehr haben und flexibel einsetzbar sein. PC-Kenntnisse sollten vorhanden sein und auch ein Smartphone, denn ohne moderne Technik geht bei uns fast gar nichts mehr. Außerdem muss er den hohen Anforderungen unseres Berufs gewachsen sein, denn vor einigen Jahren wurden die bis dahin getrennten Berufe Installateur und Heizungsbauer zusammen gelegt. Dadurch hat sich das Aufgabengebiet enorm erweitert. Man muss also heute mehr wissen und mehr leisten.

Wozu brauchen Ihre Mitarbeiter denn unbedingt ein Smartphone?
Sie bekommen so ihre Aufträge übermittelt, sind also schnell einsetzbar und können sich per App auch mal Montageanleitungen und Infos über Geräte runter laden. Auch die Bestellung von neu-er Ware oder Ersatzteilen geht so schneller.

Wie sind die Perspektiven für ausgebildete Fachkräfte?
Die sind sehr gut, denn Fachkräfte werden überall gesucht. Weil wir auf Sylt keine Fachkräfte finden konnten, haben wir jetzt sogar jemanden von Nordstrand in unserem Team. Die Azubis werden natürlich gerne von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen, und auch Gesellen und Meister werden gesucht.

Entscheiden sich denn viele Gesellen dafür, ihren Meister zu machen?
Eher nicht. Die meisten schrecken davor zurück, dass sie dann wieder zur Schule müssen und in der Zeit wenig oder gar kein Geld verdienen können. Es sei denn, sie stellen einen Bafög-Antrag. Die meisten möchten aber lieber arbeiten und sind zufrieden mit ihrem Gesellen-Job.

Wie hoch ist der Frauenanteil in Ihrem Gewerk?
Der ist gleich null. Ich habe in den 15 Jahren in denen ich Prüfungen abnehme noch keine Frau gesehen. Es gibt zwar immer mal welche, die mit der Ausbildung anfangen, aber die geben alle schnell wieder auf. Ist eben kein Job für Frauenhände.

Gibt es in Ihrem Handwerk Chancen für Ungelernte?
Ja, die können gerne als Hel-fer arbeiten und den Gesellen unterstützen. Meist kommen Quereinsteiger, die den Job als Notlösung sehen weil sie Geld brauchen.

Wie ist die Auftragssituation auf der Insel?
Die ist sehr gut. Durch die vielen Ferienwohnungen, Appartements, Hotels und Neubauten ist immer etwas zu tun. Alle 21 Betriebe auf Sylt haben eine gute Auftragslage.

Lernt man den auf Sylt in Ihrem Gewerk andere Dinge als auf dem Festland?
Also in unserer Branche nicht, da lernen alle das Gleiche.

Kann man auf Sylt mehr Qualität anbieten, bzw. geben die Kunden hier mehr Geld für das Handwerk aus?
Ja, das kann man so sagen. Wir verarbeiten hier viele Markenprodukte und hochwertige Materialien, wie Glas und Edelstahl und merken schon, dass die Kunden nicht so aufs Geld schauen, wenn die Qualität stimmt.

 

Ansprechpartner und Informationen:

Auf Sylt gibt es insgesamt 21 Betriebe im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, 19 davon sind in der Innung. Für eine Lehrstelle muss man mindestens die Hauptschule abgeschlossen haben. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Der Job erfordert technisches Interesse und Flexibilität. Zur Innung gehören auch drei Schornsteinfeger-Meister als  Gastmitglieder, was in Schleswig-Holstein einzigartig ist. Weitere Informationen und Kontakt über Obermeister Andreas Hansen, Maybachstraße 3, Sylt-Westerland, Telefon: 04651-823212 oder 0171-3865059, E-Mail: hansensan@aol.com



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erstellt am 16.Jan.2016 | 05:30 Uhr

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