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Sylter Rundschau

02. Dezember 2016 | 23:29 Uhr

Sylter Natur : Östlicher Teil der Insel Sylt ragt als Landzunge in das Wattenmeer hinein

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im vierten Teil unserer Serie in Kooperation mit der Stiftung Küstenschutz Sylt, geht es heute um eine Besonderheit der Insel: Die Morsum Nösse.

Im vierten Teil unserer Serie in Kooperation mit der Stiftung Küstenschutz Sylt, geht es heute um eine Besonderheit der Insel: Die Morsum Nösse.

Neben den beiden Enden der Insel Sylt, der „Hörnum Odde“ und dem „Lister Ellenbogen“, bildet die „Morsum Nösse“ eine weitere Besonderheit auf der Insel. Bei der Bezeichnung „Nösse“ sind die Gedanken schnell bei der Deutung „Nase“, so ist das aber nicht gemeint. Der dänische Ursprung der Bezeichnung „Naesodde“ rückt in die Nähe des Wortes Nase. Mit dem Begriff „Nösse“ ist die Benennung einer Halbinsel gemeint. Der östliche Teil der Insel Sylt ist nun tatsächlich eine Landzunge. Von Tinnum bis nach Morsum ragt sie von dem langgestreckten Westteil der Insel in das Wattenmeer hinein. Unter dem Aspekt des Küstenschutzes wird wenig von der Morsum Nösse berichtet. Das ist sachlich nicht korrekt. Die Nösse ist eigentlich ein „Koog“. So bezeichnet man in unserer Region ein von allen Seiten eingedeichtes Land. Das Land der Morsum Nösse liegt in der gleichen Höhe wie der mittlere Meeresspiegel. Bei höherer Flut würde das von Prielen durchzogene Land der Nösse überflutet werden. Als der Hindenburgdamm zwischen 1923 und 1927 aus eher militärischen und wirtschaftlichen Gründen errichtet werden sollte, bot es sich an, die südliche Flanke der Nösse mit einem Deich versehen.

Zu Beginn der Errichtung des Bahndammes hatte man überlegt, aus dem Morsum Kliff Erdreich als Baumaterial zu entnehmen. Sylter Bürgern gelang es, das zu verhindern. Sie sorgten für die Errichtung eines 43 Hektar großen Naturschutzgebietes. Diese Initiative war auch eine Keimzelle des Sylter Naturschutzes – Verein Naturschutz Insel Sylt.

Der neue Koog war eigentlich kein von allen Seiten eingedeichter Koog. Die nördliche Flanke dieses Kooges wurde durch den Bahndamm zwischen dem Bahnhof Morsum und dem in Keitum gebildet. Dieses Bauwerk hat eine ähnliche Beschaffenheit wie ein Deich, ist jedoch nicht ebenso wehrhaft errichtet worden. Lange Zeit empfand man das nicht als störend. Die südliche Flanke des Nössekooges war im Jahre 1936 mit einem ordentlichen Deich versehen worden. Zeitgleich wurde das „Rantum Becken“ errichtet, dieses bildete die Südwest Flanke des Kooges. Zur westlichen Seite brauchte man nach der Betrachtung der damaligen Zeit keinen Deich. Das Land am westlichen Dünenrand lag höher und im Nordwesten des Kooges lag der Ort Westerland. Es sollte an dieser Stelle erwähnt werden, das durch diese Deichbau-Maßnahmen an der Morsum Nösse der alte Eidum Priel „überbaut“ wurde. Dieser alte Priel bildete den Wasserweg zum Ort „Eidum“. Zu Zeit des Ortes Eidum, der einige hundert Meter westlich von dem heutigen Westerland lag, gab es den Ort Westerland noch nicht. Eidum wurde in der „Allerheiligen Flut“ im Jahr 1436 zerstört. Die Menschen dort flüchten noch Osten und gründeten die Siedlung „Südhedig“. Später wurde daraus der Ort Westerland.

1995 stellte man fest, dass der Bahndamm zwischen Keitum und Morsum aus Küstenschutz-Sicht nicht mehr wehrhaft war. Unter anderem Hasen, Maulwürfe und Mäuse hatten den Damm durchwühlt. Die Deutsche Bahn war in der Zwischenzeit Eigentümer des Dammes geworden. Von ihrer Seite sah man keinen Bedarf an Instandhaltungsarbeiten.

Messungen, die im Auftrag des Landschaftszweckverbandes Sylt durchgeführt wurden, hatten aufgezeigt, dass die gesamte Kooglandschaft bei einer Überflutung des Bahndammes (von Morsum bis Westerland) unter Wasser stehen würde. Besonders an dem westlichen Ende des Ortes Morsum lag die Höhe des Bahndammes unter vier Metern über Null. Das war zu wenig, um einer Sturmflut trotzen zu können. Die Idee nördlich vor dem Bahndamm einen deichähnlichen Damm zu bauen, war zwar gut, es bedurfte aber einiger Jahre, bis man sich mit der Deutschen Bahn einig wurde. Heute ist der Bahndamm mit seinem neuen Schutzdamm kombiniert worden, der Deicheigenschaften aufweist.

Für die Menschen, die im Bereich der Nösse wohnen, ist das ein guter Zustand. Der Nösse-Koog ist nun wirklich ein richtiger Koog geworden. Auch, weil man auf Betreiben der Westerländer von der Ortsgrenze nach Tinnum bis zur westlichen Dünenlinie eine zweite Deichlinie errichtet hatte. Diese war als Schutz des Ortes Westerland gedacht, wenn die Nösse bei einem Deichbruch einmal voll Wasser laufen würde.

Bei der Sturmflut am 24. November 1981 wäre es beinahe passiert. Der Nössedeich wurde in der Nähe des Ortes Archsum an mehreren Stellen überflutet. Einen Deichbruch gab es damals allerdings nicht. Der Wind hatte rechtzeitig nachgelassen, die Wassermassen auf den Deich zu drücken.

Neben dem Küstenschutz-Thema gibt es noch einen weitere Besonderheit in dem Gebiet der Nösse: „Das weiße Kliff“. So nennt man auch die nordöstliche Ecke der Nösse. Es ist eine wunderschöne Naturlandschaft, die Auslöser der Naturschutzbemühungen im Jahre 1929 war. Es ist eine Steilkante (Abbruchkante) von einem Teil des alten Geestkernes der Insel Sylt. Das Kliff zeigt den Aufschluss vieler Gesteinsschichten. Etwa acht Millionen Jahre Erdgeschichte sind hier zu entdecken. Aufmerksame Wanderer können immer wieder Fossilen finden und betrachten.
Und dann kann an dieser Stelle der beste Weitblick Deutschlands wahrgenommen werden: In fast regelmäßigen Abständen kann man von dort aus die „Zugspitze“ betrachten.

Helge Jansen initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende dieser Stiftung.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 05:09 Uhr

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