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Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 13:44 Uhr

Strecke Niebüll-Westerland : Neuer Bahnsinn: Sylt Shuttle plus solo

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

DB-Personenwagen fahren nun auch allein, ohne Autozug - einmal täglich sogar im Auftrag der NOB.

Die Deutsche Bahn erhöht Schritt für Schritt die Frequenz ihres Sylt Shuttle plus. Seit vergangenem Montag pendeln nunmehr insgesamt 34 Autozüge mit den angehängten Personenwagen zwischen der Insel und dem Festland. Die Folge: Damit werden sich ab sofort die Rangierzeiten weiter erhöhen und die Bahnschranke am Königskamp noch häufiger geschlossen sein, weil die Triebwagen vom Autozug erst abgekuppelt, dann bis zum Bahnsteig im Bahnhof Westerland fahren und anschließend wieder angekuppelt werden müssen. Der Sylt Shuttle plus-Fahrplan soll aber nur zirka einen Monat bis voraussichtlich Anfang März gelten. Danach werden den Reisenden noch mehr Abfahrtsmöglichkeiten mit dem kombinierten Auto- und Personenzügen zur Verfügung stehen, hat die Deutsche Bahn angekündigt.

Der Kampf um den Hindenburgdamm der beiden Bahnunternehmen Railroad Development Corporation (RDC) und DB Syltshuttle zieht sich seit Langem hin. Weil viel mehr Züge als bisher auf der teils eingleisigen Strecke fahren sollen, werden sie sich in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll gegenseitig blockieren, so die Befürchtung.

Ein weitere Besonderheit seit dem 8. Februar: Drei der DB-Triebwagen fahren sozusagen als neue „Sylt Shuttle plus solo“ im Personenverkehr ohne Autozug ab Niebüll bis Westerland. Das jedoch sei von vornherein so geplant gewesen, sagt DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis: „Dies hat umlauftechnische Gründe und ist zulässig.“

Und um den aktuellen „Bahnsinn“ noch auf die Spitze zu treiben, gibt es einen Sylt Shuttle plus, der Reisende vollends verwirren dürfte: Der vor allem für Pendler attraktive Nahverkehrszug, der um 18.52 Uhr ab Westerland fährt, ist zwar offiziell eine Verbindung der Nord-Ostsee-Bahn. Praktisch gefahren wird dieser Zug allerdings im Auftrag der NOB und des Landes mit den Triebwagen des Sylt Shuttle plus, wie Kay Goetze auf Anfrage der Sylter Rundschau bestätigt. „Das ist als Kurzläufer sozusagen der Ersatz für den gestrichenen 19.22er, um den es vergangenes Jahr so viele Diskussionen gab“, sagte der NOB-Sprecher. Dass, wo Sylt Shuttle plus draufsteht, eigentlich NOB drin ist, könnte bei den Kunden zu Verwirrung führen, räumt Goetze ein, aber der Zug werde im Fahrplan und auf den Anzeigetafeln als NOB6 ausgewiesen. „Außerdem fährt damit ja unser Personal als Zugbegleiter, es gelten unsere Preise und der Zug hält an jedem Bahnhof bis Niebüll.“

Das sind die entscheidenden Unterschiede zwischen den Nahverkehrszügen der Nord-Ostsee-Bahn und des Sylt Shuttle plus: Denn bei der Deutschen Bahn gelten für Fahrten nach Niebüll, Langenhorn, Bredstedt oder Hamburg-Altona einerseits höhere Ticketpreise als in der NOB. Andererseits halten die NOB-Züge an allen Stationen auf der Strecke wie zum Beispiel in Keitum, wo viele Berufspendler ein- und aussteigen. Einen Vorteil jedoch haben die neuen „Sylt Shuttle plus solo“. Weil die zeitaufwändigen Rangierarbeiten wegfallen, verkürzen sich die Fahrzeiten: Der Zug ohne Autoanhang ab Niebüll um 8.16 Uhr beispielsweise ist bereits 35 Minuten später in Westerland und damit genauso schnell wie die NOB. Der nachfolgende, am Autozug angekuppelte Sylt Shuttle plus um 8.32 Uhr ab Niebüll dagegen benötigt für die gleiche Strecke fast eine ganze Stunde.

Bislang fahren erst zirka 50 Prozent sämtliche DB-Autozüge mit dem Sylt Shuttle plus, obwohl bei der Trassenvergabe 100 Prozent bestellt wurden. Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember vergangenen Jahres müssten deshalb alle Autozüge als Sylt Shuttle plus fahren – dies jedoch sei ein fließender Prozess, so Bahnsprecher Meyer-Lovisgegenüber der Sylter Rundschau. „Bereits ab 20. Januar wurde der Zugbestand des Sylt Shuttle plus aufgestockt. Weitere folgten am 8. Februar und das wird sukzessive fortgesetzt.“ Zahlen über die tatsächliche Nutzung der neuen Personenzüge könnten aber erst aber nach einer längeren Fahrplanperiode verlässlich benannt werden.

Während beim Bahnkonkurrenten RDC immer noch unklar ist, wann das Fahrzeugmaterial genehmigt wird und wann sie starten können, scheint auch die Deutsche Bahn durch den Anstieg ihrer Fahrten in logistische Probleme zu kommen: Das Unternehmen habe nur fünf Autozüge, bräuchte aber sechs, um alle An- und Abfahrten bedienen zu können, heißt es aus Bahnkreisen. Es stelle sich deshalb die Frage, ob der Sylt Shuttle künftig zwar öfter, aber teilweise nur mit halber Zuglänge fahren könne. DB-Sprecher Meyer-Lovis jedoch widerspricht solchen Vermutungen: „Wir haben für alle von uns bestellten Trassen die entsprechenden Zugeinheiten und Lokomotiven.“

 

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erstellt am 11.Feb.2016 | 15:32 Uhr

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