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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 23:22 Uhr

Dauerwohnraum auf Sylt : Neue Schlappe für Wohnraumlenkung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach 40/60 kam 130/60 als Regelung zur Schaffung von mehr Dauerwohnungen. Dagegen jedoch äußert die Landesplanung erhebliche Bedenken

Die Gemeinde Sylt hat neue Probleme mit einer Festlegung des Verhältnisses von Dauerwohnraum und Ferienwohnungen in ihren Bebauungsplänen. Nachdem sich die Mehrheit der Politik vor vier Monaten gegen die umstrittene 40/60-Regelung ausgesprochen hatte, einigte man sich auf einen Kompromiss, der mittlerweile als „130/60-Regelung“ bezeichnet wird. Allerdings geht es dabei nicht wie zuvor um ein prozentuales Verhältnis – also 40 Prozent fürs Dauerwohnen und 60 Prozent für die Ferienvermietung, sondern um Quadratmeter. Künftig müssen in Neubauten oder massiv umgebauten Häusern, die mehr als 130 Quadratmeter Wohnfläche haben, mindestens 60 Quadratmeter als Dauerwohnraum genutzt werden. Kleinere Häuser sind von der Regelung nicht betroffen.

Während Befürworter der neuen Regelung wie Carsten Kerkamm (CDU) auf der Gemeinderatssitzung Ende April von einer zwar „nicht idealen Lösung“, aber dringend notwendigen Grundsatzentscheidung sprachen, warnte Bürgermeister Nikolas Häckel vor dem seiner Ansicht nach schlechten Kompromiss: „Wir haben jetzt einen Beschluss, bei dem die legale Umgehung einfacher ist.“ Ähnlich beurteilt jetzt auch die Landesplanung die 130/60-Regelung. Der Bürgermeister hatte die zuständige Behörde über die vorgesehene Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 118 „Klein-Morsum“ informiert, weil dort die neue Quadratmeter-Regelung erstmalig in der Gemeinde Sylt Aufwendung finden soll. Im Bauausschuss am Montagabend berichtete Häckel jedoch nur kurz über die Antwort aus Kiel, verwies ansonsten auf die umfangreiche Vorlage. Zu einer Debatte kam es nicht: „Der Ausschuss nimmt den Bericht zur Kenntnis“, heißt es lapidar im Sitzungsprotokoll.

Die Landesplanung kann zu dem Morsumer B-Plan allerdings noch nicht abschließend Stellung nehmen. Aus Sicht der Behörde wären solche Überplanungen ein wesentlicher Bestandteil des bereits vor längerer Zeit für die gesamte Insel aufgestellten Wohnraumentwicklungskonzepts (WEK), heißt es. Neben der Entwicklung von Sicherungsinstrumenten bei neuen Baugebieten sei der Umgang mit Bestandsgebieten angesichts des schleichenden Umwandlungsprozesses von Dauerwohnraum ein wichtiger Handlungsstrang in den Überlegungen und Abstimmungen der letzten Jahre gewesen. Gerade die Festsetzung eines bestimmten Anteils von Dauerwohnraum an der Geschossfläche ist aus Sicht des Landes geeignet, die Struktur der Gebiete zu sichern und eine weitere Umwandlung von Dauerwohnraum zu erschweren. Dabei würde die Festlegung eines prozentualen Anteils als geeignetes Instrument eingeschätzt. Der Prozentsatz sollte aber entsprechend der jeweiligen Struktur eines Gebietes individuell festgelegt und nicht als einheitliche Größe für alle Planungen wie eben bei 40/60 pauschaliert werden.

Vor diesem Hintergrund bestehen seitens der Landesplanung erhebliche Bedenken gegen eine Regelung, die erst ab einer Objektgröße mit 130 Quadratmetern Wohnfläche einen Mindestumfang für Dauerwohnungen vorsieht. Weil in der Morsumer Ortslage eine relativ kleinteilige Baustruktur vorherrsche, würde damit über den reinen Bestandschutz hinaus für einen Großteil der Gebäude das Dauerwohnen nicht mehr als „Leitnutzung“ vorgegeben. Im Einzelfall könnte sogar ein Anreiz zur Unterschreitung dieser Grenzgröße entstehen, um eine wirtschaftlich attraktivere Ferienwohnnutzung umzusetzen. Eben dies befürchten auch Bürgermeister Häckel und andere Kritiker der 130/60-Regelung: Dann würden künftig lauter Häuser mit 129 Quadratmetern entstehen. Außerdem empfiehlt die Landesplanung, eine Festsetzung der Zahl der Wohneinheiten zu prüfen, weil in großen Gebäuden auch eine größere Anzahl von Wohnungen möglich wäre. Nur eine bestimmte Grundfläche festzulegen, erscheint der Kieler Behörde städtebaulich nicht begründbar.

Der Gemeinde Sylt wird deshalb von der Landesplanung geraten, ihre Planungsabsichten noch einmal grundlegend zu überprüfen und eine dem WEK entsprechende Anwendung von Instrumenten in Erwägung zu ziehen, um Wohnbestände zu erhalten und Neu- oder Umbauten vorrangig als Dauerwohnraum zu nutzen.

Wie es jetzt konkret weitergehen könnte, vermochte auch Bürgermeister Nikolas Häckel auf Anfrage der Sylter Rundschau nicht zu sagen: „130/60-Regelung durchboxen oder 40/60-Regelung optimieren oder aus beiden eine machen? Wir sind wieder am Anfang ...“

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erstellt am 13.Aug.2016 | 04:30 Uhr

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