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Sylter Rundschau

28. Mai 2016 | 05:58 Uhr

Sylt-Shuttle : Nachtfahrten und günstigere Tarife: Das ist der neue Autozug

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

RDC will mit zeitlich attraktiven Angeboten punkten und rechnet mit einem harten Preiskampf, von dem die Kunden profitieren könnten.

Einen Tag nach Bestellschluss für die letzten offenen Trassen des Autozugs zwischen Niebüll und Westerland hat die Sylter Rundschau exklusiv erste Details zum Betriebsablauf sowie zur Technik und zeigt Fotos der künftig eingesetzten Lokomotiven und Waggons des neuen Anbieters, der Railroad Developement Corporation (RDC) Deutschland.

Konkrete Abfahrts- und Ankunftszeiten gibt es bisher zu den elf Strecken, für die das Tochterunternehmen eines US-Eisenbahnkonzerns im März einen zehnjährigen Rahmenvertrag erhalten hat. Mit Fahrplanwechsel zum 15. Dezember 2015 wird RDC täglich in Richtung Sylt – also von Niebüll nach Westerland – mit einem Autozug um 5.46 Uhr morgens, einem nachmittags um 15.46 Uhr sowie drei Zügen in den Abendstunden fahren. Zwei Autozüge am Morgen, einer mittags und ebenfalls drei RDC-Shuttle am Abend verkehren in der Gegenrichtung von Sylt bis nach Niebüll.

„Aber wir planen natürlich noch wesentlich mehr Abfahrten“, sagt Carsten Carstensen, der kaufmännische Geschäftsführer von RDC. „Zum Beispiel Frühzüge, die von Sonnabend bis Montag bereits ab 4.30 Uhr nach Niebüll fahren.“ Außerdem will RDC an den Wochenenden zwei Spätzüge anbieten: Mit einem Shuttle sollen Inselbesucher kurz vor Mitternacht noch zurück auf das Festland kommen. Der andere soll es vor allem Insulanern ermöglichen, beispielsweise nach einer Urlaubsreise vom Hamburger Flughafen aus noch mit dem Auto nach Hause zu fahren – die letzte Verladung an Wochenenden in Niebüll soll dann um 0.46 Uhr stattfinden. „Wir haben ermittelt, dass für solche zeitlichen Angebote, die bisher gar nicht existieren, ein hohes Interesse besteht“, so Geschäftsführer Carstensen.

Bevor es allerdings so weit kommt, muss RDC den Zuschlag für diese und weitere Abfahrten erhalten, die nicht Bestandteil des Rahmenvertrages sind, sondern künftig jedes Jahr neu vergeben werden. Seit gestern läuft das Bieterverfahren für alle anderen möglichen Autozugverbindungen auf der Strecke: Zirka 30 bis 40 Abfahrten werden dabei demjenigen Bewerber zugeteilt, der für jede Einzelne das jeweils höchste Angebot einreicht. Das ist besonders für die Deutsche Bahn AG wichtig. Nur für diese Trassen kann sich das Unternehmen überhaupt noch bewerben und dann den Betrieb ihres Syltshuttle fortsetzen. Planungssicherheit für die nächsten zehn Jahre hat aufgrund des Rahmenvertrages hat künftig nur RDC.

„Wir rechnen allerdings hundertprozentig damit, dass sich die Bahn aus dem lukrativen Autozug-Geschäft mit insgesamt 50 Millionen Euro Nettoergebnis im Jahr nicht zurückzieht“, sagt Carsten Carstensen. „Deshalb erwarten wir ein spannendes, völlig offenes Rennen in dem so genannten Windhundverfahren.“ Während im normalen Vergabevorgang die Trassenkosten in drei Kategorien bis maximal 250 Euro eingeteilt sind, gelten im Höchstpreisverfahren keine finanziellen Obergrenzen. Hinrich Krey, seit Februar des Jahres als Geschäftsführer Betrieb und Technik bei RDC tätig, rechnet damit, dass für „attraktive Abfahrten mindestens der Faktor 20“ in Anwendung kommt und damit ein Gebot von 5  000 Euro für eine einzige Trassen abgegeben werden könnte. „Möglicherweise liegt der Betrag sogar deutlich höher“, erwartet Krey. „Bei 12  000 bis 15  000 Euro Umsatz für eine Autozugfahrt würde sich das noch immer rechnen – für die Bahn AG, aber natürlich auch für uns.“

Wer die höchsten Gebote eingereicht hat und wer letztendlich wie viele Trassen erhält, entscheidet sich Ende Mai, wenn in der Bundesnetzagentur die verschlossenen Umschläge geöffnet werden. Die Bekanntgabe des ab Mitte Dezember geltenden Fahrplans für den gesamten Zugverkehr einschließlich Personen- und Güterzügen zwischen Insel und Festland soll am 6. Juli erfolgen. „Dann ist alles klar, dann wissen wir genau, was auf uns zukommt“, erwartet Carsten Carstensen. Völlig unklar ist hingegen, was auf die Nutzer der zukünftig zwei, im Wechsel verkehrenden Autozüge zukommt. Zur genauen Tarifgestaltung will sich der RDC-Geschäftsführer noch nicht äußern: „Nur so viel: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich kann mir vorstellen, dass die Preise auf die Hälfte oder sogar ein Drittel runtergehen.“ Schwierig dürfte es, zumindest in der Anfangszeit, mit der gegenseitigen Anerkennung der Fahrkarten und den Ticketautomaten werden. „Wir werden darauf natürlich hinweisen und vielleicht eigenes Personal einsetzen, dass direkt am Fahrzeug kassiert“, sagt Carstensen.

Auf jeden Fall erhalten bleiben soll der vergünstigte Insulanertarif, unabhängig von der sonstigen Preisgestaltung – alle juristischen Fragen dazu seien mittlerweile geklärt, so RDC. Deutlich günstiger werden sollen auch die Transportkosten für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht über drei Tonnen mit sechs Meter Länge . Bisher müssen Sprinter und ähnliche Fahrzeuge fast doppelt so viel zahlen wie ein Pkw, auch eine gesonderten Inseltarif gibt es nicht. „Die Technologie unserer neuen Waggons erlaubt bis 3,5 Tonnen im Doppelstock. Deshalb werden wir endlich bezahlbare Tarife für die zahlreichen Transporter von Handwerker- und Gartenbaufirmen anbieten können, die bisher ihre Autos auf der Insel stehen und die Mitarbeiter in der NOB pendeln lassen“, so Carstensen.

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erstellt am 14.Apr.2015 | 18:26 Uhr

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