zur Navigation springen

Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 05:26 Uhr

Katastrophenschutz auf Sylt : Müssen die Bürger neu entscheiden?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vertrag zur Übertragung der Hallen 25 und 28 an Flughafen steht kurz vor Unterschrift. Aber SPD will das mit einem neuen Bürgerentscheid verhindern

In Sachen Halle 25 und 28 stehen die Signale der Politik immer stärker auf Konfrontation: Einerseits hat sich der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt am Dienstagabend mit knapper Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen dafür ausgesprochen, die Gebäude auf dem Fliegerhorst an die Flughafen Sylt GmbH (FSG) zu übertragen, um damit den Bürgerentscheid zu deren Erhalt umzusetzen und eine künftige Nutzung der Halle 28 für den Katastrophenschutz sicherzustellen. Andererseits hat die SPD gestern gegenüber der Sylter Rundschau bestätigt, einen neuen Bürgerentscheid auf den Weg bringen zu wollen, um so vor allem die nach Ansicht der Sozialdemokraten „horrenden Kosten“ und die „unzumutbare Belastung“ des Gemeindehaushalts durch die notwendigen Sanierungsarbeiten an den beiden Hallen zu verhindern.

Die Instandsetzung der ehemaligen Flugzeughallen könnte sich wesentlich aufwändiger gestalten und damit deutlich teurer werden als bisher kalkuliert. Auf der Hauptausschuss-Sitzung legten Architektin Birte Welling-Volquardsen und Bauingenieur Günter Korsch neue Informationen zu allen Sanierungsmaßnahmen vor, die ihrer Einschätzung nach erforderlich sind, um die Hallen zu erhalten und darüber hinaus den Anforderungen der Denkmalpflege gerecht zu werden. Deshalb würden die Mitte Oktober bekannt gewordenen Kosten in Höhe von 4,4 Millionen Euro mit Sicherheit weiter steigen. Die beiden Bauexperten zählten noch einmal die wesentlichen Punkte einer langen Liste sämtlicher Baumängel auf (wir berichteten).


Aggressiver Schimmelpilz in Aufenthaltsräumen

Vor allem das Dach der Halle 28 weise viele undichte Stellen auf, dadurch sei es zu intensiver Bildung von Schimmelpilzen gekommen. Der Befall betreffe ausgerechnet die Anbauten, die für Aufenthalt und Unterbringung von Personen vorgesehen seien. Der Pilz wäre so aggressiv, dass die Nebenräume gesperrt wurden und nur noch mit Schutzanzug sowie Atemmaske betreten werden dürfen, so Korsch. Die Halle 25 sei bisher nicht auf Schimmelpilz untersucht worden, es werde dort jedoch eine ähnliche Problematik vermutet. Mehr Klarheit gibt es jetzt auch zu den Abwasserleitungen: Sie stammen noch aus Kriegszeiten, führen vom Bereich der Sylter Werkstätten am Alten Tower unter dem Flugfeld hindurch bis zu den Hallen. Der genaue Zustand konnte bisher nicht untersucht werden. Aufgrund des Alters müsse jedoch von massiven Schäden ausgegangen werden. Die Kosten für eine Sanierung des Abwassersystems schätzt Birte Welling-Volquardsen auf ungefähr 700  000 Euro. Architektin und Bauingenieur betonten im Ausschuss mehrfach, dass es bei ihren Untersuchungen gemäß Auftrag der Gemeinde nur um den Erhalt der Hallen gegangen sei, nicht aber „die Nutzung irgendeiner Art als Lagerhalle oder gar mehr.“

In dem von Bürgermeister Nikolas Häckel und Flughafen-Geschäftsführer Peter Douven ausgehandelten Vertragsentwurf jedoch ist ausdrücklich von einer Nutzung der Halle 28 als Katastrophenschutzhalle die Rede. Die FSG würde beide Hallen im gegenwärtigen gebrauchten funktionsfähigen Zustand erwerben, die Instandsetzung der Halle 28 für Zwecke des Katastrophenschutzes würde mit einem Betrag von 500  000 Euro aus dem Haushalt bezuschusst. Diese halbe Million erachte sie jedoch nicht als realistisch, sagte Architektin Welling-Volquardsen – „nicht mal für das Wenigste, was gemacht werden soll.“ Auch Lars Schmidt, Initiator des Bürgerentscheids, räumt ein, dass mehr Geld für den Erhalt der Hallen erforderlich ist. Statt den Haushalt zu belasten, schlägt er jedoch vor, die günstige Zinsphase zu nutzen und die Sanierungen über Kredite zu finanzieren. Außerdem gäbe es Refinanzierungsmöglichkeiten über die Halle 25, die künftig als Flugzeughangar genutzt werden soll. Der Übertragung der Hallen muss auf ihrer letzten Sitzung 2016 noch die Gemeindevertretung zustimmen. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse ist mit einem klaren Ja zu rechnen. Ob auch der SPD-Antrag für einen erneuten Bürgerentscheid eine Mehrheit finden wird, ist dagegen ungewiss.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2016 | 05:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen