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Sylter Rundschau

08. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Morast in Morsum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Über die Entwässerung des Deiches an der Morsum Odde diskutieren Natur-und Küstenschützer / Ist der Deich noch sicher?

Zu viel Wasser und keine Schafe: Die Deichentwässerung an der Morsum Odde beschäftigt Küsten-und Naturschützer. Bei der Entwässerung des Deichfußes gibt es zunehmend Schwierigkeiten – dort sammelt sich Wasser, wo eigentlich keines stehen sollte. Infolgedessen sei die Sicherheit des Deiches gefährdet, sagt der Landschaftzweckverband (LZV). Zudem würde das Problem dadurch verschärft, dass aus Naturschutzgründen seit rund 25 Jahren keine Schafe mehr auf dem Gebiet grasen dürfen. Der Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) dagegen hält den Deich für sicher und sieht keinen Zusammenhang zwischen der Beweidung und der mangelhaften Deichentwässerung.

„Am Fuß der Morsum Odde haben wir Wasser stehen – dadurch wird das Gras durchfeuchtet“, sagt Manfred Uekermann, Vorsitzender des Landschaftszweckverbandes (LZV). Grund dafür sei unter anderem, dass sich vor der Odde Sand angespült habe und inzwischen einen Wall bildet, der die Odde angehoben habe. Zum Deichfuß hin habe sich hinter dem Wall eine Vertiefung geformt, in der sich das Wasser sammelt. Dieses kann – behindert durch den Sandwall – nicht abfließen und staut sich am Fuße des Deiches. Dadurch wird der Boden marode und feucht – es können sich Löcher und Vertiefungen bilden, die vom Wasser ausgewaschen werden. „Das ist nicht gut für die Deichsicherheit - wir müssen sehen, wie wir hier handeln“, sagt Uekermann. Denn Vorsorge sei hier besonders wichtig.

Maßnahmen in der Vergangenheit hätten nicht zum Erfolg geführt: Wenn die Fläche beweidet würde, wäre es einfacher, so der LZV. „Aber eine unberührte Natur, in der die Vögel brüten können und die Salzwiesen in Ruhe gelassen werden, ist dem LKN wichtig, daher tut man sich hier schwer.“

Ein Weg zur „vernünftigen Entwässerung“ sei es, mit dem Kleiboden (entwässertem Schlick), der beim Ausheben der Wassergräben entsteht, die Löcher im vorderen Bereich aufzufüllen und dadurch zu erhöhen, um ihn dem Sandwall anzugleichen. „Damit wäre das Problem gelöst und wir hätten erstmal Ruhe die nächsten Jahre“, sagt Uekermann.

Das bestätigt auch Deichgraf Björn Christiansen: Gräben, in denen das Wasser abfließen kann sowie Schafe, die das Gras kurz halten und vor der Verwilderung bewahren, seien die beste Lösung. „Selbst bei großer Trockenheit steht das Wasser im Vorland“, bemängelt er.

Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) Schleswig-Holstein hingegen sieht keinen Zusammenhang zwischen den Problemen der Deichfußentwässerung und der Beweidung durch Schafe. Für den LKN steht der Naturschutz im Vordergrund: „Die Morsum Odde ist eine ökologische Besonderheit im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“, wie Sprecher Hendrik Brunckhorst mitteilte. Sie ist eines der wenigen Gebiete, bei denen sich hinter einer Sandnehrung eine Salzwiese gebildet hat. Seit der Verstärkung des Nössedeichs Anfang der 1990er Jahre wird das Gebiet – wie etwa die Hälfte der Salzwiesen im Nationalpark – daher aus Naturschutzgründen nicht mehr beweidet.

Die Umwelt habe davon sehr profitiert: „Die Brutvögel nutzen nicht nur den Nahrungshaken sondern auch die Salzwiesen“, erklärt das LKN. Die Vogelwärterin der Schutzstation Wattenmeer habe noch vor wenigen Tagen beispielsweise 22 Brutpaare Austernfischer, 20 Paare Rotschenkel und fünf Paare Säbelschnäbler gezählt.

Zwar sei wegen der Buchtenlage und des leichten Gefälles der Salzwiesen zum Deich hin, die Entwässerung des Deichfußes „schon immer schwierig, aber machbar“ gewesen. „Die Sicherheit des Deiches ist nicht gefährdet, er ist in einem guten Zustand“, heißt es. Davon hatten sich demnach alle Teilnehmer der Deichschau Ende April überzeugt.

Im vergangenen Jahr wurde eine umfangreiche „Grüppung“ – also das Gräbenziehen – bis zum Hauptentwässerungsgraben durchgeführt. Wie in den Vorjahren sollen auch in diesem Jahr nasse Stellen am Deichfuß verfüllt werden. Falls erforderlich, werden zudem spezielle Instrumente eingesetzt, um die Abflussfunktion einzelner Grüppen zu sichern, heißt es vom LKN. Aus Naturschutzgründen werde beides aber erst nach der Brutzeit im August erfolgen.

LKN und LZV befinden sich gerade in Gesprächen: Experten sollen prüfen, wie eine Lösung gefunden werden kann, die beide Seiten befriedigt.

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erstellt am 30.Mai.2016 | 10:14 Uhr

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