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Sylter Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:16 Uhr

Betreten verboten : Molen am Hörnumer Hafen gesperrt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat die Nord- und die Südmole des Hörnumer Hafens gesperrt – wegen Einsturzgefahr.

Absperrzäune am Hörnumer Hafen, Spaziergängern bleibt der Weg um das Hafenbecken verschlossen. Das Tönninger Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hat die Nord- und die Südmole des Hafens gesperrt – sowohl für das Betreten durch Fußgänger als auch für das Anlegen durch Schiffe. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern, sagt WSA-Sachbereichsleiter Marcel Thies.

Die Entscheidung sei das Ergebnis einer Bauwerksprüfung, die alle sechs Jahre fällig ist. In diesem Jahr habe das damit beauftragte Ingenieurbüro festgestellt, dass die Molen nicht mehr begehbar sind, erläutert Thies. „Die Spundwände der Molen sind inzwischen so massiv durchgerostet, dass es zu plötzlichen Absackungen an der Oberfläche kommen kann.“ Eine Erneuerung sei aus Sicht des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes aber nicht erforderlich.

Da die Wellenschutzfunktion für das Hafenbecken nicht beeinflusst sei, sähe die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) keine Notwendigkeit, die Molen des ehemaligen Schutzhafens instand zu setzen. Die Kosten im – grob geschätzt – einstelligen Millionenbereich lägen viel zu hoch. Erst wenn der Wellenschutz im Hafen gefährdet sei, würde das WSA wieder aktiv werden. Die Funktion als Schutz- und Sicherheitshafen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) habe der Hörnumer Hafen schon 2006 verloren. Im Bereich des WSA Tönning sei Helgoland der letzte Schutzhafen dieser Art. Die WSV nutzt im Hörnumer Hafen aktuell noch einen rund 80 Meter langen Bereich an der Westmole und angrenzende Landflächen für ihre Schiffe.

Neben den Molen sei auch die Standsicherheit der Kaianlagen untersucht worden, berichtete Thies. Das Ergebnis: Alle Kajen des Hafens können weiterhin genutzt werden. Allerdings stünde jetzt weniger Platz für die Adler-Schiffe zur Verfügung. Daher müssten eventuell Schiffe im Pack festmachen, also hintereinander.

„Wir werden nächstes Jahr zusammenrücken müssen“, brachte es der Hörnumer Hafenmeister Olaf Pforr auf den Punkt. Pforr ist beim WSA für die Sylter Liegenschaften verantwortlich. Bei Kaianlagen wie in Hörnum könne man mit einer Haltbarkeit von 40 Jahren rechnen. Das haut ziemlich genau hin: Die Hafenanlagen seien 1936 angelegt worden, 1976 wurden sie einer Komplettsanierung unterzogen, jetzt wäre wieder eine Erneuerung fällig. Doch der Hafen stehe schon lange zum Verkauf, Investitionen seien nicht mehr zu erwarten.

Die West- und die Südkaje seien bereits 2004 mit neuem Spritzbeton bzw. Betonplatten auf der Südkaje saniert worden und daher heute in einem guten Zustand, erläuterte Olaf Pforr. Davon könne bei der Nord- und der Südmole nicht die Rede sein: Durch große Löcher in den Spundwänden sei der Grant ausgespült worden, unter den Molen sind Hohlräume entstanden, sie könnten unter Last einstürzen. Eine Sperrung war unvermeidbar, „wir konnten die Verantwortung nicht mehr übernehmen.“ Die Schiffslieger seien frühzeitig informiert worden. Muschelfischer, Adler-Schiffe, Zoll und Seebestatter würden auch in Zukunft im Hörnumer Hafen Platz finden. Aber für Gäste, wie Krabbenkutter und Großsegler, könnte es eng werden.

„Die Sperrung der Südmole wird erhebliche Einschränkungen für die Fahrgastschiffe im Hörnumer Hafen zur Folge haben, da bisher genutzte Anlegeplätze nicht mehr zur Verfügung stehen“, heißt es von der Adler-Reederei. Die Reduzierung von drei Anlegeplätzen auf einen werde einiges an logistischem Mehraufwand für die Adler-Schiffe nach sich ziehen. Dennoch gehe die Geschäftsführung davon aus, im kommenden Jahr alle Fahrten anbieten zu können und befindet sich dazu in enger Absprache mit der Hafenbehörde. „Auf Dauer ist dieser Zustand jedoch nicht hinnehmbar“, sagt Adler-Geschäftsführer Sven Paulsen. „Die Sanierung des Hörnumer Hafens muss nun schnell in Angriff genommen werden, damit nicht noch weitere Folgeschäden auftreten. Die Situation ist seit Langem bekannt, nötige Instandsetzungsmaßnahmen wurden über Jahre hinweg nicht durchgeführt. Die jetzigen Schäden sind eine klare Folge davon.“ Bund und Gemeinde müssten sich jetzt schnell einigen, damit der Hafen weiter genutzt werden kann. Der Bund habe sich bereit erklärt, sich an den Sanierungskosten zu beteiligen, was aufgrund des jetzigen Zustands auch angemessen sei, meinte Paulsen.

Schon im Februar 2012 hat die Hörnumer Gemeindevertretung den Grundsatzbeschluss gefasst, den Hafen zu erwerben. Doch die Kaufabsichten waren bisher immer am maroden Zustand des Hafens gescheitert. Nach bisherigen Schätzungen würde es acht Millionen Euro kosten, die Schäden auszumerzen. Im Oktober hatte sich der Bund bereit erklärt, sich bei einem Hafenverkauf an der Sanierung zu beteiligen. Eine Summe steht allerdings noch nicht fest. Der Bürgermeister stand gestern urlaubsbedingt nicht für eine Auskunft zur Verfügung, seine Stellvertreterin Inken Kessenich-Neubauer wollte „wegen der Komplexität des Themas“ nichts dazu sagen.

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Sylter Rundschau-Redakteurin Julia Nieß von
erstellt am 24.Nov.2016 | 05:50 Uhr

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