zur Navigation springen

Sylter Rundschau

05. Dezember 2016 | 11:38 Uhr

Rückblick Meerkabarett 2016 : Mehr Besucher trotz kürzerer Saison

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dennoch braucht Meerkabarett-Chef Joachim Wussow erneut Geld von der Gemeinde. Das Konzept der Sylter Kulturkarte soll ausgebaut werden

Im Interview mit der Sylter Rundschau lässt Meerkabarett-Chef Joachim Wussow die zurückliegende Sommersaison Revue passieren, zieht ein erstes Fazit und verrät schon Einiges zu seinen neuen Plänen für das kommende Jahr.

Herr Wussow, wie ist die Meerkabarett-Saison 2016 gelaufen?

Wir haben ja wegen der Fußball-EM etwas später angefangen als im Jahr davor und dadurch in der Summe eine Woche weniger Meerkabarett gehabt. Aber die durchschnittliche Besucherzahl lag zirka zehn Prozent höher als letztes Jahr. Insgesamt konnten wir erneut fast 15  000 Gäste willkommen heißen, das aber eben in einer kürzeren Saison.

Welche Veranstaltungen liefen denn besonders gut?
Mit dem Konzert von Johannes Oerding hatten wir die bestbesuchte Veranstaltung mitten im Festivalsommer – da waren wir ausverkauft, da kamen 800 Besucher. Wie jedes Jahr gab es entsprechende Bewegungen: Veranstaltungen, die sehr gut besucht waren, aber auch Veranstaltungen, wo wir enttäuscht waren. Gerade zum Ende der Saison hatten wir das „Glück“ mit dem verspäteten Sommerwetter: Der Eine oder Andere war dann wohl doch mehr am Strand interessiert als an Theatervorstellungen.

Welches waren Ihre ganz persönlichen Highlights der Saison 2016?
Sicher Max Mutzke, der zum ersten Mal hier war. Dann natürlich Matthias Brandt und Jens Thomas mit ihrem außergewöhnlichen Programm „Angst“. Mit Jan Weiler haben wir eine ganz andere, eine viel jüngere Zielgruppe erreicht, als wir sie sonst haben. Auch Jan Josef Liefers war beide Tage ausverkauft und nicht zu vergessen das Ensemble „OnAir“ – die sechs Künstler aus Berlin waren vor allem bei Insulanern absolute Publikums-Lieblinge. Also rückblickend: Wenn das Wirtschaftliche nicht wäre, könnten wir rundherum zufrieden sein.

Damit sind wir beim Finanziellen und auch bei der Politik. Die Zuschüsse ans Meerkabarett wurden ja verringert und zeitlich begrenzt. Werden Sie auch dieses Jahr Geld aus der Gemeindekasse in Anspruch nehmen?
Die genauen Zahlen für die Saison 2016 liegen mir noch nicht vor. Wir haben versucht, die Verminderung des Zuschusses von 50  000 Euro auf 30  000 Euro durch Einsparungen, mehr Besucher, aber auch durch eine Reihe von neuen Sponsoren und Partnern zu kompensieren. Wir haben uns angestrengt, alles finanziell besser hinzubekommen. Ob uns dies vollständig gelungen ist, weiß ich allerdings noch nicht. Also ja, wir werden den Zuschuss der Gemeinde wohl auch dieses Jahr wieder in Anspruch nehmen müssen. Unser Hauptziel neben einem attraktiven Programm ist die Reduzierung dieser Abhängigkeit.

Außerdem war es ein Wunsch der Politik, das Meerkabarett soll mehr für Insulaner tun. Deshalb haben Sie die Sylter Kulturkarte eingeführt …
Das haben wir ja relativ kurzfristig, während des bereits laufenden Vorverkaufs für die 2016er Saison, aus dem Boden gestampft. Mittlerweile sind es knapp 400 Mitglieder, die wir über eine geschlossene Facebook-Gruppe erreichen und so überprüfen können, ob es sich wirklich um Insulaner handelt. Wir hatten zirka 25 Events mit verschiedenen Sonderkonditionen – zum Beispiel, dass man für begehrte Veranstaltungen überhaupt noch Karten bekam, dass wir Rabatte bis zu 30 Prozent oder „Einer zahlt, zwei kommen“ angeboten haben.

Und wurden diese Angebote von den Syltern auch angenommen?
Ganz offensichtlich, aber das war ja alles noch sehr handgestrickt. Deshalb haben wir auch keine genauen Zahlen. Doch wir werden dieses Konzept nächstes Jahr auf jeden Fall beibehalten, sogar noch weiter ausbauen. Im Basis-Angebot werden dann von vornherein ausgewählte Frühbucher-Rabatte integriert, auch besondere Aktionen. Wir denken außerdem darüber nach, eine Premium-Mitgliedschaft anzubieten, mit der man bei allen Veranstaltungen grundsätzlich zehn Prozent Rabatt bekommt.

Wird die Sylter Kulturkarte auch zukünftig nur für Veranstaltungen im Meerkabarett gelten?
Im Sommer gab es dazu ein Gespräch mit den kommunalen Veranstaltern. Da wurde überlegt, ob man den Gedanken gemeinsam weiterentwickelt. Ich würde mich freuen – jetzt mit Vorlauf – es auf eine möglichst breite Basis zu bringen. Wir alle haben ja ein Interesse daran, dass unsere Veranstaltungen gut besucht werden.

Gelten diese Angebote dann weiterhin ausschließlich für Insulaner?
Nein, die Premium-Karte werden wir wahrscheinlich allgemein zugänglich machen. Aber da müssen wir uns erstmal rantasten. Wir wollen das künftig auch nicht über Facebook machen, sondern diese Mitglieder sollen einen eigenen Login zum Vorverkaufssystem bekommen. Dort sind ihre Stammdaten hinterlegt und sie erhalten dann automatisch ihre Sonderkonditionen.

2016 gab es ja zum zweiten Mal mehr Konkurrenz in der Sommersaison. Durch den Kursaal³, durch das Kulturhaus Sylt, aber auch durch kostenlose Veranstaltungen …
Ich fand das eintrittsfreie Jazz-Event in Kampen eine tolle Idee. Es hat uns glücklicherweise nicht wehgetan, weil wir zumindest am ersten Abend mit Johannes Oerding ein starkes Programm mit einer anderen Zielgruppe hatten. Aber hätten wir selber Jazz oder Vergleichbares gehabt, hätte dies ein Problem für uns werden können. Wir tauschen uns mit Kollegen über Programme aus, bei denen wir inhaltliche Überschneidungen sehen oder auch bei besonderen Highlights. Diesen Austausch könnte man sicherlich noch intensivieren. Es wird aber immer Fälle geben, bei denen dies nicht gelingt, weil eine Veranstaltung kurzfristig zugesagt werden muss oder nicht vor einem bestimmten Stichtag genannt werden darf.

Zu guter Letzt: Worauf können sich die Besucher der Meerkabarett-Saison 2017 freuen?
Da will ich noch nicht zu viel verraten. Fest steht: Das Jahr ist fußball-frei, wir werden also wieder volle acht Wochen Programm im Juli und August anbieten und wollen wieder wie früher sieben Veranstaltungen pro Woche durchführen. Das große Opening findet am 10. Juli 2017 statt. Derzeit laufen die Absprachen mit den Künstlern auf Hochtouren, wir haben ja nur ein schmales Planungsfenster. Die ersten Veranstaltungen gehen bereits im Dezember in den Vorverkauf, bis Ostern soll und wird dann das komplette Programm stehen.
 

zur Startseite

von
erstellt am 05.Okt.2016 | 05:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen