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Sylter Rundschau

26. Oktober 2014 | 00:06 Uhr

Ufermauern : Mauern gegen die tosende Nordsee

vom

Die neunte Folge der SR-Küstenschutz-Serie erklärt, warum es in Westerland Ufermauern gibt - obwohl dadurch der Sand schneller weggespült wird.

Sylt | Eine Mauer ist das einzige, das bei einer Sturmflut zwischen der Westerländer Promenade und der Nordsee steht. Wenn das Wasser mit voller Wucht auf den Strand trifft, geht der Sand nach und nach verloren. Aber die bis zu sechs Meter hohe Mauer schützt die Gebäude dahinter - und das mittlerweile seit 106 Jahren. Damals lagen die Grundmauern des Hotels Miramar nach einer Sturmflut nur noch 12 Meter von der Abbruchkante entfernt. Daraufhin entschied sich die Wasserbauinspektion Husum für den Bau einer 68 Meter langen Eisenbetonwand.
Aus Kostengründen verzichtete man damals allerdings fast vollständig auf eine Fußsicherung, also eine Stabilisierung am unteren Ende der Mauer. Das führte zu einer Unterspülung der Mauer, und bei der Sturmflut im Jahr 1916 wurden rund 50 Meter der nördlichen Wand zerstört.
Auch die Annahme, der Bau einer Mauer werde "keine Stranderniedrigung" zur Folge haben, stellte sich als fataler Irrtum heraus. Denn durch das Wasser, das bei Flut ungebremst auf die senkrecht stehende Mauer trifft, entstehen Verwirbelungen. Dadurch wird mit der Zeit der Sand weggespült. "In den 60er und 70er Jahren gab es deshalb vor Westerland praktisch keinen Strand mehr", erklärt Arfst Hinrichsen vom Landesbetrieb für Küstenschutz.
Erst mit dem Beginn der Sandaufspülungen 1971 /72 bekam die Stadt ihren Strand zurück. Dazu waren eine Million Kubikmeter Sand im ersten Jahr und die selbe Menge noch einmal sieben Jahre später nötig. Auf diesen Grundstock kann der Landesbetrieb jetzt aufbauen. Seit 2007 schütten sie in jedem Jahr 60- bis 100.000 Kubikmeter Sand am Brandenburger Strand auf - also häufiger als vor anderen Inselorten. Das liegt zum einen an der Mauer und der sehr exponierten Lage Westerlands. "Eigentlich liegt Westerland viel zu weit nach Westen vorgestreckt", sagt Arfst Hinrichsen. "Das Meer versucht immer, die Küste zu begradigen." Zum anderen aber bleibt der Sand, der von Westerland aus längs an der Küste entlang getrieben wird, besonders lange im Sandsystem Sylt.
Damit Westerland noch lange durch die heute rund 800 Meter lange Ufermauer geschützt bleibt, wurde die Mauer 2009 verstärkt: Die 1907 gebaute Ufermauer erhielt vor dem Miramar eine Vorsatzschale aus Beton.
Aber auch in den hundert Jahren zuvor kam es nach Mauerbrüchen, Unterspülungen und der Zerstörung der Fußsicherung durch Sturmfluten immer wieder zu Ausbesserungsarbeiten und Verlängerungen.
1946 wurde die Mauer aus Kostengründen sogar auf 142 Meter abgebrochen und durch ein Deckwerk aus Betonplatten ersetzt. Durch die Böschungsneigung des Deckwerks erhoffte man sich, dass der Strand weniger schnell weggespült werden würde. Eine Möglichkeit, die direkt vor dem Hotel Miramar nicht funktionierte. Hier hätte ein Deckwerk schlicht zu viel Raum eingenommen. Ein anderer Versuch, den Sand am Strand zu halten, war das Aufschütten von Tetrapoden vor der Ufermauer ab 1960. "Dadurch wollte man die Energie des Wassers besser verteilen und abdämpfen", erklärt Rüdiger Schirmacher, Fachbereichsleiter für Küstenschutzanlagen beim Landesbetrieb.
Die Westerländer Ufermauer ist übrigens nicht die einzige, die es jemals auf Sylt gab. "Nördlich vom Hafen List wurde 1927 ebenfalls eine Ufermauer aus Klinkersteinen gebaut", erzählt Arfst Hinrichsen. Die Mauer war nach innen gewölbt und stand auf einer Betonunterlage. 2002/2005 erfolgte aber eine Umwandlung in ein Schüttsteindeckwerk.
Vor Westerland wird die Ufermauer durch die regelmäßigen Sandaufspülungen geschützt. In der Zukunft könnte sie laut Arfst Hinrichsen aber eine noch größere Rolle beim Küstenschutz spielen: "Wenn dem Land die Aufspülungen irgendwann mal zu teuer werden, sind wir wieder komplett auf die Ufermauer angewiesen."

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erstellt am 28.Feb.2013 | 08:34 Uhr

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