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Wegen Bahnchaos : Kreis-FDP fordert Pendlerbus nach Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wegen der Bahnprobleme soll die Straße am Hindenburgdamm genutzt werden.

Niemand kann bisher sagen, wie lange die Verspätungen und Zugausfälle auf der Marschbahnstrecke sowie die Reparaturen des außer Dienst gestellten Waggonmaterials noch andauern und damit sowohl Berufspendler wie Urlaubsreisende in Atem halten werden. Diese Zustände rufen jetzt auch die Freien Demokraten in Nordfriesland auf den Plan: Anlässlich eines Besuchs des FDP-Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky beim Liberalen Stammtisch im Niebüller Friesenhof präsentierte der FDP-Kreisvorsitzende Berthold Brodersen eine – wie er es nannte – „unkonventionelle Initiative“, um „extreme Probleme“ in der bevorstehenden Tourismus-Saison zu verhindern. „Wir fordern, dass künftig Busse für Pendler über den Hindenburgdamm fahren dürfen, um die Situation im Sommer zu entschärfen.“

Technisch sei dieser vorübergehende Service durchaus möglich, so Brodersen. „Denn auch die Feuerwehr und andere Fahrzeuge fahren über den Damm. Daher sollte dieser Vorschlag auf jeden Fall geprüft werden.“ Sein Parteikollege Jörg Tessin unterstützt diesen Vorschlag und verbreitet gleichzeitig Pessimismus. Das Bahnchaos wäre ja bereits im Herbst 2016 durch den plötzlichen Ausfall aller 90 Wagen der NOB ausgelöst worden, so der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Kreistag, Grund seien Kupplungs-Schäden, deren Ursache weiter ungeklärt ist. „Solange das so ist, wird keiner der Wagen wieder eingesetzt. Ich rechne nicht damit, dass in diesem Jahr noch einer diesen Waggons wieder auf die Strecke kommt“, sagte FDP-Politiker Tessin.

Ob diese Forderung der Kreis-FDP tatsächlich realistische Chancen hat und was die Deutsche Bahn AG, in deren Besitz sich der gesamte Hindenburgdamm befindet, dazu sagt, bleibt abzuwarten. Vorschläge, die behelfsmäßige Straße neben den Gleisen für Autos oder auch nur für Fahrräder zu öffnen, wurden in der Vergangenheit immer wieder als nicht praktikabel abgelehnt.

Gute und insbesondere schnell umsetzbare Nachrichten für alle genervten Sylt-Pendler gibt es hingegen von einem Spitzentreffen des Bahn-Infrastrukur-Vorstands Ronald Pofalla mit Ministerpräsident Torsten Albig und Verkehrsminister Reinhard Meyer am Dienstagabend in Kiel. Dabei gaben Meyer und der Verkehrsverbund Nah.SH bekannt, dass ab sofort auch alle an die DB-Autozügen angehängten Triebwagen des Sylt Shuttle Plus (SSP) sowie sämtliche IC-Züge auf der Marschbahn von Pendlern genutzt werden können – allerdings nur unter folgenden Bedingungen:

Sylt-Shuttle-Plus

Bei einem Ausfall oder einer hohen Verspätung eines DB Regional-Express wird der nachfolgende SSP freigegeben. Diese Regelung könne auch ab dem 1. April erfolgen und gelte derzeit für die Kunden aus Kulanz aufgrund des Ersatzkonzepts. Die Freigabe erfolge im Bedarfsfall für die gesamte Strecke von Westerland nach Bredstedt und zurück.

Intercity

Beim Ausfall oder hoher Verspätung eines DB-Regio-Zuges kann der nachfolgende IC durch die Transportleitung freigegeben werden. Diese Freigabe-Regelung gilt laut Deutsche Bahn AG vorerst aber nur bis zum 31. März und erfolgt ebenfalls aus Kulanz aufgrund des Ersatzkonzepts. Die Freigabe der ICs gelte im Bedarfsfall für die gesamte Strecke von Westerland nach Hamburg-Altona sowie in Gegenrichtung. Nach den Worten von Minister Meyer würde sich Nah.SH jedoch dafür einsetzen, diese IC-Freigaben auch über den März hinaus sicherzustellen.

Darüberhinaus kündigte die Deutsche Bahn an, die neuen Lokomotiven des Sylt Shuttle so umzurüsten, dass sie deutlich weniger CO2 als bisher ausstoßen. Der Vorteil eines solchen Vorschlages wäre: Die Lokomotiven stünden bereits zur Verfügung, DB Autozug sei hier autonom und könne deshalb eigenwirtschaftlich handeln.

Neue Hoffnung gibt es eventuell auch für eine Anbindung der Insel Sylt an das ICE-Netz. Bisher scheitert dieses Vorhaben an der fehlenden durchgehenden Elektrifizierung: Ab Itzehoe bis nach Westerland können auf der Marschbahn nur Diesel-Loks fahren. „Wir könnten uns vorstellen, hier in Schleswig-Holstein ein Pilotprojekt im Zusammenhang mit Wasserstoff aufzusetzen“, erklärte Bahn-Vorstand Ronald Pofalla. Ob jedoch die Strecke nach Sylt für ein solches Projekt – wie von Politikern in der Vergangenheit mehrfach gefordert – tatsächlich in Frage kommen könnte, darauf gab es bei dem Spitzentreffen in Kiel noch keine Antwort.

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erstellt am 09.Mär.2017 | 05:31 Uhr

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