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Violette Blüten auf Sylt : Kampener Heide wird mit besonderer Technik gepflegt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Damit die selten gewordene Heidelandschaft auf der Insel erhalten bleibt, bekommt sie jetzt eine Frischekur.

Langsam rollen die zwei Trecker über den unebenen Heideboden. Durch eine Art Rüssel bläst das eine Gefährt Erdreich in den Anhänger des anderen, während sie ihre gleichmäßigen Bahnen auf einer Fläche in Kampen ziehen. Auf den ersten Blick vermutet der Laie nicht, dass die Mission der beiden Fahrzeuge der Naturschutz ist: Sie sind unterwegs, um die obersten rund fünf Zentimeter des Heidebodens abzutragen.

Die Heide verschwindet: Vor rund 160 Jahren bestanden 17 Prozent der Fläche Schleswig-Holsteins aus dieser Kulturlandschaft. Heute sind es nur noch 0,5 Prozent. Der seltene Lebensraus muss daher mit Spezialmaßnahmen gepflegt werden.

Ziel dieses so genannten Plaggens ist, dass die seltene Landschaft länger erhalten bleibt. Verantwortlich für die Aktion auf dem rund anderthalb Hektar großen Gebiet ist die Naturschutzgemeinschaft Sylt. Unterstützt wird sie dabei von einer auf diese Heidearbeiten spezialisierten Firma sowie vom Landschaftszweckverband (LZV) Sylt und der Unteren Naturschutzbehörde Husum.

Rolf-P. Meyer von der Firma Meyer-Luhdorf und Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft Sylt.
Rolf-P. Meyer von der Firma Meyer-Luhdorf und Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft Sylt.
 

„Heidepflanzen wachsen auf sauren und nährstoffarmen Böden“, sagt Margit Ludwig, Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft Sylt. Damit die Heide nicht verholzt, muss sie regelmäßig gepflegt werden. Mit dem Plaggen werden die Nährstoffe entfernt – dadurch können die für sie typischen Pflanzen und Tiere erhalten werden: Dann gedeihen hier zum Beispiel Arnika oder Lungenenzian, sagt Ludwig. Rund zwölf Jahre liege die letzte „Pflege“ dieser Art auf dem Kampener Areal zurück. Bis die Heide wieder in ihrer violetten Pracht erscheint, würde es aber noch rund 15 Jahre dauern. „Da muss man Geduld haben“, sagt Ludwig.

Mit einem speziellen Fahrzeug wird die oberste Schicht der Heide abgetragen.
Mit einem speziellen Fahrzeug wird die oberste Schicht der Heide abgetragen. Foto: Albert (2)
 

Das bestätigt auch Rolf-P. Meyer von der Firma Meyer-Luhdorf: „Im ersten Schritt siedelt sich nach dem Plaggen zunächst Besenheide an – im zweiten kommt dann unter anderen die Krähenbeere“, sagt er. Der Plagg-Profi und sein Team sind dafür zuständig, dass die Bodenschicht so entfernt wird, dass die zum Teil 30 Jahre alten Heidesamen beispielsweise nicht vom Regen weggespült werden. Mit seiner Spezialmaschine und den ausgebildeten Landschaftspflegern ist er europaweit unterwegs. Rund drei Tage brauchen sie für die Plaggen in Kampen. Der abgetragene nährstoffreichen Boden bleibt auf der Insel: Mit einem Teil düngen die Sylter Bauern ihre Äcker – ein weiterer wird für den Rasen und die Pflanzen auf dem Golfplatz benutzt, erklärt der Fachmann.

Auf der rund anderthalb Hektar großen Fläche ziehen die Fahrzeuge ihre Bahnen. Im Hintergrund der Kampener Leuchtturm.

Auf der rund anderthalb Hektar großen Fläche ziehen die Fahrzeuge ihre Bahnen. Im Hintergrund der Kampener Leuchtturm.

Foto: Albert
 

Die Heidelandschaften der Geestheide sind selten gewordene Lebensräume für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Etwa 2 500 Tier- und 150 Pflanzenarten, von denen zahlreiche auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen, sind auf diesen Lebensraum angewiesen. Die Pflegemaßnahmen finden im Auftrag des Landes Schleswig Holstein statt. Außer in Kampen südlich der Kupferkanne wird auf der Insel im Moment auch in Morsum und Braderup geplaggt.

 


Infos zur Sylter Natur sowie Termine für spezielle Heideführungen unter www.naturschutz-sylt.de.

Was ist Plagge?

Plagge ist der humose und durchwurzelte Oberboden, der mit Teilen der darauf befindlichen Vegetation in rund vier bis sechs Zentimeter Stärke abgestochen wird. Dieser  wurde in Nordwestdeutschland, Jütland und in den östlichen Niederlanden seit der Eisenzeit bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts  auf ackerbaulich nicht genutzten Flächen gewonnen.

Anschließend wurde der Boden meist als Einstreu in den Ställen verwendet und mit dem Mist als organischer Dünger auf Äckern ausgebracht. Heute sind Plaggen durch Mineraldünger abgelöst. Heideflächen, die unter Naturschutz stehen, werden (wie jetzt in Kampen) aber teilweise als Pflegemaßnahme abgeplaggt, um sie zu erhalten.

 

 

 

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erstellt am 17.Mär.2017 | 10:44 Uhr

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