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Sylter Rundschau

03. Dezember 2016 | 05:40 Uhr

Klaus Hoffmann auf Sylt : Intime Zeitreise am Kamin

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sänger Klaus Hoffmann erzählte im Kursaal³ die Geschichte seiner Lieder.

Die Bühne im Kursaal³ war am Freitagabend in eine einladende Wohnstube mit (virtuell) brennendem Kamin, zwei (echten) gemütlichen Ohrensesseln und einem Tischchen mit Getränken verwandelt. Im Saal ist es dunkel. Die gut einhundert Besucher sind so in die Wohnzimmeratmosphäre der Bühne einbezogen. Eine heimelige, intime Situation. Sie bildet den Rahmen für ein intensives, ruhiges und doch packendes Gespräch zwischen Klaus Hoffmann und Stefan Hartmann. Der deutsche Chansonnier und der inselbekannte Moderator flanierten durch die Wege, die Hoffmanns Biografie mit all ihren Brüchen, Zufällen, Herausforderungen und großen künstlerischen Erfolgen gelegt hat.

Eine Berliner Kindheit Anfang der 1950er-Jahre in sehr bescheidenen, kleinbürgerlichen Verhältnissen als Einzelkind mit einem sehr kranken, erfolglosen, aber „irgendwie künstlerisch talentiertem“, tief verehren, aber früh verstorbenem Vater und einer „wunderschönen“ Mutter, bilden nicht gerade die idealen Startbedingungen für den stillen Klaus. Der flüchtet sich in Tagträume und Kinowelten, absolviert eine Einzelhandelslehre und geht auf abenteuerliche Reisen in ferne, fremde Länder. Stefan Hartmann versteht es, den Schauspieler und Sänger immer wieder von neuen Abbiegungen in seinem Leben erzählen zu lassen.

Aus dem fast zweistündigen Gespräch wird so ein Stück Zeitreise in die alte Bundesrepublik, in die Mentalitätsgeschichte des Landes, all den politischen und gesellschaftlichen Irrungen und Wirrungen, denen ein junger Künstler - ein Liedermacher allemal - ausgesetzt war.

Klaus Hoffmann schildert seine Begegnungen, seine Lieben und Leiden, seine Erfolge und Zweifel ohne das seinen Liedern oft eigene Pathos. Ironie, feiner Witz und spürbare Bescheidenheit lassen die Ich-Erzählung nie selbstverliebt erscheinen. „Ich bin dir dankbar“, freut sich der 65-Jährige über die einfühlsame Weise und von detaillierter Kenntnis der Biografie des Künstlers getragene Gesprächsführung von Stefan Hartmann. Auch wenn mancher im Publikum vielleicht etwas mehr als die wenigen, oft nur an auf der Gitarre angespielten Lieder erwartet haben dürfte, bleibt dieser Kaminabend wohl in intensiver Erinnerung. Nicht zuletzt, weil er die Geschichte der Lieder von Klaus Hoffmann als wahrhaft gelebtes Leben offenbarte.


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erstellt am 17.Mai.2016 | 05:32 Uhr

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